Mainkurve attackiert Tigers-GmbH

„Unsere Entscheidung hat absolut nichts mit der Mannschaft zu tun“, betont Mainkurven-Mitglied Sebastian Ries, „sondern ausschließlich mit dem krassen und nicht mehr tragbaren Verhalten der GmbH-Geschäftsführung: Sie schneidet sich das Sahnestückchen aus dem Verein heraus und alle anderen können schauen, wo sie bleiben.“

Identifikation, Tradition oder Fankultur blieben auf der Strecke. Deswegen habe die Mainkurve – sie ist mit ihrem harten Kern von etwa 50 Personen der Stimmungsmacher bei Tigers-Spielen – einen Brief auf ihrem Internetauftritt veröffentlicht.

Vorwürfe gegen das Ehepaar Wendel

Darin bezeichnet die Fangruppierung die GmbH-Geschäftsführer Margrit und Matthias Wendel als eine „Art Glamour-Paar“ und „Königspaar“ des Bayreuther Eishockeys, das eine „Selbstinszenierungskampagne“ fährt. Die GmbH sei eine reine Firma, die „Spielzeug dieser Personen“ sei. Der Fan diene dabei „lediglich als Kulisse, die den Spaß mitfinanzieren und zur Unterhaltung beitragen soll“.

Freie Meinungsäußerung oder kritische Aussagen seien im „Königreich“ nicht geduldet. Zudem spricht die Mainkurve den Wendels buchhalterisches Können sowie Glaubwürdigkeit ab und unterstellt finanzielle Fehlkalkulationen in der Vergangenheit. Alle diese Vorwürfe sind im Konjunktiv gehalten, Belege fehlen im Brief.

Ries verweist – im Namen der gesamten Mainkurve – unter anderem darauf, dass die in der Vergangenheit von den Wendels veröffentlichten Haushaltszahlen des EHC nicht mit den einige Monate später von der neuen Vereinsführung herausgegebenen Angaben übereinstimmen.

Wendel kontert Kritik

Matthias Wendel kontert: „Die Vorwürfe sind nicht haltbar und an den Haaren herbei gezogen. Da konstruiert eine Ultragruppe einen Skandal.“ Warum rege sich zum Beispiel eine Gruppierung, die stets in schwarz gekleidet ins Stadion kommt, über ein neues Logo auf, wenn sie das alte schon nicht genutzt habe?

Auch den Vorwurf, die Bande über dem Tor stehe ab sofort nicht mehr für Banner der Fans zur Verfügung, lässt Wendel nicht gelten: „Wir haben der Mainkurve mitgeteilt, dass wir uns vorbehalten, diese Fläche zu verkaufen. Allerdings haben wir diese bislang bewusst noch nicht verkauft.“

So ist der offene Brief für die Wendels sehr überraschend, zumal sie nach ihrer Aussage immer wieder mit den Fanbeauftragten – einer von ihnen ist Sebastian Ries – Gespräche geführt hätten.

„Uns ist die Meinung der Fans weiterhin sehr wichtig“, sagt Wendel. „Aber wir glauben nicht, dass die Mainkurve für den Großteil unserer Fans steht. Deswegen gehen wir sehr gelassen mit diesem Brief um.“ Schließlich spreche ja unter anderem der Zwischenstand beim Dauerkartenvorverkauf – 620 sind schon weg – für das Interesse an den Tigers. „Wir werden weiter um jeden einzelnen Fan kämpfen“, verspricht Wendel.

"Disput in Deutschland einmalig"

Auch Sandra Strömsdörfer wird in der kommenden DEL2-Saison wieder regelmäßig die Tigers anfeuern. Sie ist Vorstandsmitglied der „Ostkurve“, dem mitgliederstärksten Fanclub der Tigers – und genervt von den Streitigkeiten im Bayreuther Eishockey: „Die öffentlichen Dispute bei den Tigers sind wohl deutschlandweit einmalig. Ich hätte mir gewünscht, dass nicht immer alles in der Öffentlichkeit ausgetragen wird.“

Damit spielt sie auf die meist mit einer Schlammschlacht verbundenen Wechsel an der Vereinsspitze, die viel diskutierte Auslagerung des Profiteams in eine Spielbetriebs-GmbH oder auch den jetzigen Disput an – der ja nicht der erste zwischen Mainkurve und Familie Wendel sei. Öffentliche Kritik an Margrit Wendel und das daraus folgende Medienecho hatten im November 2016 zum Rücktritt von Matthias Wendel als EHC-Vorsitzender geführt.

Auch deshalb ist Strömsdörfer vom neuerlichen offenen Brief der Mainkurve nicht überrascht, das Verhältnis Mainkurve-Wendel habe einer tickenden Zeitbombe geglichen. Ein wenig könne sie die Entscheidung der Mainkurve sogar verstehen, da einiges vorgefallen sei. Sie werde die Mainkurve als Stimmungsmacher und Trommler im Stadion vermissen.

Doch müsse klar sein, dass im Profisport nicht jede Entscheidung bis ins Detail mit den Fans abgesprochen werden könne. „Und eigentlich geht es doch nur um das Bayreuther Eishockey“, sagt Strömsdörfer. „Wir gehen ins Stadion, um die Jungs spielen zu sehen.“

Unterstützung für Bezirksliga-Truppe

Die Mainkurve hat sich nun aber für andere „Jungs“ entschieden. Sie wird vorläufig bei DEL2-Spielen nicht als Gruppierungen im Stadion in Erscheinung treten, stattdessen hat sie sich entschlossen, die neu gegründete Vereinsmannschaft des EHC in der Bezirksliga zu unterstützen.

Fangruppierung ist Teil der aktiven Fanszene

Die Fangruppierung „Mainkurve“ fällt im Stadion durch ihre schwarze Kleidung auf. Bei den Bildern auf ihrem Internetauftritt sind die Gesichter der Mitglieder gepixelt. „Die Mainkurve bezeichnet sich ja selbst als eine Ultragruppe“, sagt Marco Zeilner von der Polizei Bayreuth, der meist die Einsatzleitung bei Spielen der Tigers übernimmt. „Sie ist ein Teil der aktiven Fanszene, die Support für ihr Team liefert.“

Jedoch habe die Polizei gerade bei Problemspielen ein Augenmerk auf die Mainkurve. „Die Emotionen im Sport sollen nicht in Gewalt umschlagen. Sind zwei rivalisierende Fangruppen im Stadion, dann versuchen wir das Aufeinandertreffen dieser auszuschließen, um körperliche Auseinandersetzungen zu vermeiden.“

Mainkurven-Mitglied Sebastian Ries formuliert die Ziele der Fangruppierung so: „Wir sind im Stadion, um der Mannschaft mit Fangesängen, Choreos und Fahnen Support zu geben. Und uns liegt das Wohl des EHC Bayreuth, also des Vereins, am Herzen.“

Info:Sebastian Ries ist als Fanbeauftragter der Bayreuth Tigers zurückgetreten, übt dieses Amt aber weiter für den Hauptverein aus. Fanbeauftragter für das DEL2-Team ist somit nur noch Carsten Herrmannsdörfer. Er wollte sich zum offenen Brief und der aktuellen Diskussion darüber nicht öffentlich äußern.

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Kommentare

Kindergarten
.....interessiert keine alte S*****. Genau so wie es beim Kurier anscheinend niemanden interessiert, dass seid 3 Stunden bekannt ist, dass zwei deutsche Soldaten in Mali bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen ist. Aber Hauptsache über die ganz "wichtigen" Dinge des bayreuther Eishockey berichtet. Irronie off.
Da wissen Sie aber mehr als alle anderen.
Stand 20:20 Uhr ist über Todesopfer noch nichts bekannt.
Und dass der Kurier über einen populären Bayreuther Verein berichtet, ist ein Muss.
Also immer langsam mit solcherlei Kritik!
Diese sogenannten Fans sollten sich mal überlegen, dass ohne die Wendel´s der Verein schon längst nicht mehr existieren würde!!! Aber wahrscheinlich fehlt denen dazu das Hirn!!!