Tigers kämpfen gegen Pleite

Im Dezember ist Langlois zum EHC zurückgekehrt, weil ihm sein Heimatverein am Herzen liege. Doch er merkte, dass der Zeitaufwand immer größer wurde. „Ich kann nicht meine komplette Zeit in den Verein stecken“, sagt der 60-Jährige dem Kurier.

Das Zeitproblem sei vor allem durch persönliche Befindlichkeiten beim EHC verursacht worden. „Es geht teilweise so weit, dass sich der Verein von innen selbst zerstört. Es ist extrem aufwendig, alle diese Störfeuer zu löschen“, sagt Langlois. Zwar könnte er sich vorstellen, dem Verein in anderer Position zu helfen, den Vorsitz legte er aber Anfang Mai nieder. „Es macht keinen Sinn mehr“, sagt Langlois verärgert. „Seit Wochen werde ich nicht mehr an Gesprächen beteiligt und teilweise ohne Begründung ausgeladen. Die GmbH wollte nicht, dass ich mit am Tisch sitze.“

Er sei seinen Stellvertretern Christiane Colditz und Michael Schwellengreber sehr dankbar, dass sie die Verhandlungen übernommen haben. Margrit und Matthias Wendel, die Geschäftsführer der neuen GmbH, die seit 1. Mai den Profispielbetrieb verantwortet, können den Vorwurf nicht nachvollziehen: „Wir haben nicht entschieden, dass Herr Langlois nicht bei den Gesprächen dabei war.“

Hohe Forderung der Berufsgenossenschaft

Klar ist dagegen: Colditz und Schwellengreber leiten faktisch seit Mitte März den EHC. „Ruhig schlafen kann ich schon länger nicht mehr“, sagt Colditz. Zu viele Sorgen bereitet ihr die Zukunft des Vereins.

Sie wisse, dass ein Teil der Probleme hausgemacht sei. Seit dem Rücktritt des Vorsitzenden Matthias Wendel im November vergangenen Jahres hätten laut Aussage Wendels zusätzlich etwa 140.000 Euro an neuen Sponsorengeldern akquiriert werden müssen, es sind aber nur etwa 10.000 Euro geworden.

„Dann stehen zeitnah hohe Zahlungen an die Berufsgenossenschaft an. Hier streben wir einen Vergleich beziehungsweise Teilerlass an“, sagt Colditz. Zudem liegt eine Vorabberechnung der Rentenversicherung vor, hier könnte es zu einer hohen Forderung kommen. Diese Prüfung hatte der damalige Vorsitzende Matthias Wendel drei Tage nach Amtsantritt beantragt.

"Wir steuern in Richtung Insolvenz"

„Wenn wirklich alle Kosten so anfallen, fehlen uns etwa 300.000 Euro. Wir steuern in Richtung Insolvenz“, sagt Colditz. „Wir sind in permanenten Gesprächen, um die Zukunft des Vereins zu sichern.“

In dieser Phase bringe es nichts, eine Hauptversammlung abzuhalten.Die meisten Punkte auf der Tagesordnung seien hinfällig. Ein Bericht über das Geschäftsjahr sei nicht möglich. Ein neues Vorstandsteam könne man in der aktuellen Situation nicht guten Gewissens zu einer Wahl antreten lassen. Die Hauptversammlung muss laut Satzung bis 90 Tage nach Saisonende – also bis Ende Juli – nachgeholt werden.

GmbH bietet Darlehen an

Die Misere des Stammvereins beschäftigt auch die GmbH. Das Ehepaar Wendel widerspricht den Vereinsverantwortlichen: „Der Verein ist in einer finanziellen Schieflage, aber nicht insolvent.“ Der Grund: Im März spendete das Ehepaar 80.000 Euro, um die laufenden Kosten zu decken. Zudem sei die GmbH bereit, dem Verein ein zinsloses Darlehen in Höhe von 100.000 Euro zu gewähren.

„Und wir würden uns selbst um Sponsoren kümmern, so dass das Darlehen auch getilgt werden kann“, sagt Margrit Wendel. Eine Zahlungsunfähigkeit drohe also nicht.

Doch die Vereinsführung lehnt das Darlehen ab. Colditz sagt: „Mal abgesehen davon, dass das Darlehen nur die aktuelle Not beseitigt, wird der Verein damit handlungsunfähig und zur Marionette der GmbH.“ Zudem sei das Darlehen an den Erhalt der DEL2-Lizenz gebunden. Werde diese „aus irgendwelchen Gründen“ nicht erteilt, sieht Colditz sich und ihr Team in der privaten Haftung.

Die Parteien müssen intensiv an Lösungen arbeiten. Die Lizenz-Unterlagen müssen zeitnah eingereicht werden, im Juli entscheidet die DEL2 über die Teilnahmeberechtigung. Gibt es keine positive Fortführungsprognose für den Verein, dann gibt es auch keine Zulassung für die Zweite Liga. So steht es in den DEL2-Statuten.

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