EHC-Vorsitzender Wendel tritt zurück

„Für den Verein ist der Rücktritt eine Katastrophe“, sagt EHC-Geschäftsstellenleiter Thomas Bothstede, der die Befugnisse eines Geschäftsführers hat. „Matthias hat wahnsinnig viel für den EHC gerackert. Er war zum Beispiel für das Sponsoring verantwortlich, seine Frau für Buchhaltung, Kasse oder Ordner. Die Aufgaben, die die Wendels bislang erfüllt haben, können momentan nicht mit dem vorhandenen Personal aufgefangen werden.“ Die finanzielle Situationen der Tigers schließt er dabei explizit aus. Der Rücktritt der Wendels, sie retteten den EHC vor einem Jahr durch Finanzspritzen aus ihrem Privatvermögen vor der Pleite und sind Sponsor, bringe den EHC nicht in eine finanzielle Schieflage. „Für das Sponsoring gibt es laufende Verträge“, sagt Bothstede. „Außerdem wollen die Wendels dem Verein ja nichts Böses, sie wünschen ihm und der Mannschaft nur das Beste. Versprechen, die vor der Saison gemacht wurden, werden eingehalten.“ Vom Rücktritt des Vorsitzenden war er „überrascht“, jedoch sei es schon heftig gewesen, was zuletzt auf Familie Wendel eingeprasselt ist.

In den vergangenen Monaten rumorte es immer wieder hinter den Kulissen beim EHC. Dies gipfelte vor dem Heimspiel gegen Crimmitschau beim Aufbau einer Fanchoreografie in einem Streit zwischen Margrit Wendel und dem Fanclub „Mainkurve“, der daraufhin am Wochenende einen offenen Brief verfasste. Die Fans zeigten sich erschrocken über den Rausschmiss aus dem Stadion und „den Umgangston, der hier zum wiederholten Male an den Tag gelegt worden ist“. Zwar hatte Matthias Wendel daraufhin erklärt, dass Gespräch mit der Mainkurve zu suchen, doch am Dienstagmittag verkündete er auf der EHC-Homepage seinen Rücktritt: „Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, allerdings haben die Entwicklungen und die damit verbundenen Anschuldigungen der letzten zwei Tage meiner Frau gegenüber schlussendlich eine weitere Mitarbeit im Verein unmöglich gemacht.“ Die Wendels bedanken sich „für eine unvergessene Zeit bei den Tigers“ und wünschen dem Verein und der Mannschaft alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft.

Über mögliche Fehltritte von irgendeiner Seite äußerte sich Matthias Wendel in seiner Mitteilung nicht, auch von Bothstede gab es keine Schuldzuweisungen: „Es ist nicht die Frage, wer was falsch gemacht hat. Jeder hat Fehler gemacht. Es ist sehr schade, dass das Ganze in diesem Rücktritt mündet. Das hätte nicht sein müssen. Aber bei Matthias war jetzt eben ein Punkt überschritten.“ Der Geschäftsstellenleiter ist sich sicher, dass es nie zum offenen Brief und den folgenden Reaktionen gekommen wäre, wenn Matthias Wendel, Teammanager Dietmar Habnitt oder er selbst die Fans aus dem Stadion verwiesen hätten. Das Hauptproblem beim EHC sieht Bothstede in „persönlichen Animositäten“, die dem Verein „irgendwann das Genick brechen könnten“.

Nun gelte es richtig mit der „neuen Situation“ umzugehen und nicht in Panik zu verfallen. Es müssten nun Gespräche geführt werden, wie die Vereinsführung in Zukunft aufgestellt werden kann. Aktuell führen die stellvertretenden Vorstände Tim Hartmann und Florian Eagan die Geschäfte des Vereins weiter. Wendel hatte das Amt des EHC-Vorsitzenden nur ein knappes Jahr inne gehabt. Er war auf Michael Rümmele nachgefolgt, der im November vergangenen Jahres das Handtuch geworfen hatte.

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