"Tatort"-Star Wasserscheid im Interview

Frau Wasserscheid, wir starten mit der Frage, die Ihnen wahrscheinlich schon oft gestellt wurde und sicherlich auch immer wieder gestellt wird: Wie war es, in der Heimatstadt zu drehen?

Eli Wasserscheid: Das war für mich ein Extra-Zuckerl. Ich lebe jetzt schon fast 15 Jahre in München. Und dann mal wieder länger in Bamberg zu sein und das nicht auf Besuch, sondern zum Arbeiten, eine gewisse Form von Alltag zu erleben, nach Drehschluss noch ins Lieblingscafé zu gehen oder mit Freunden in den Bierkeller, mit den Eltern wieder Alltag zu haben – all das war sehr, sehr schön.

Ist das denn tatsächlich so, geht das, sich zwischendrin ins Café setzen oder Freunde zu treffen beim Drehen? Sie werden sicherlich auch von wahnsinnig vielen Leuten erkannt, oder?

Wasserscheid: Ich werde erkannt, ja, aber auch nicht groß angequatscht. Und Freunde treffen, das geht schon. Man hat ja zwischendrin auch mal einen Tag drehfrei, und da bin ich bewusst in Franken geblieben und habe eben etwas in Bamberg unternommen.

Bereitet man sich anders vor? Sind Sie jetzt mit größerer Gelassenheit in die Dreharbeiten gegangen?

Wasserscheid (überlegt eine Weile): Nein, das kann ich nicht sagen. Die Aufregung, die ich habe, wenn ein neues Projekt los geht, war wie sonst auch. (Überlegt wieder.) Vielleicht waren die Entspannungspausen dazwischen einfacher. Weil ich mich in dieser Stadt auskenne, wusste ich, wo ich hingehen kann, damit es mir gut geht, und wie ich schnell wieder zu Erholung und Ausgleich komme.

Bamberg allein hat zehn Brauereien (Wasserscheid lacht bereits, die Frage scheint Standard zu sein), Oberfranken generell hat die höchste Brauerei-Dichte der Welt – haben Sie denn den Kollegen auch Bier näher gebracht, vor allem das berühmte Rauchbier?

Wasserscheid: Ja! Es gibt so eine Tradition beim Dreh. Es wird immer eine Klappe geschlagen, auf der der Regisseur steht, der Kameramann, die Produktion etc., und da steht auch immer drauf, welche Szene und welcher Take gerade gedreht wird. Und wenn sich eine Schnapszahl ergibt, „übernimmt“ ein Department des Teams diese „Klappe“. Das heißt, dieser Teil des Teams gibt den anderen was aus. Wir Schauspieler haben das auch gemacht, und ich habe mich drum gekümmert, gutes, fränkisches Bier zu organisieren, habe den Bäcker und den Metzger meines Vertrauens angerufen und gesagt, hier, jetzt zeigen wir den Kollegen mal, wie lecker unser Bier und unsere Brotzeit sind. Und das hat voll funktioniert. Das Team saß nach Drehschluss da, alle haben gegessen und dann ging es los: „Boah, das ist total lecker!“ und „Hey, tolle Wurst!“ oder „Das Brot, das Bier...wow!“ und so. (lacht wieder).

Sehr gut! Haben Sie schon ein Angebot von der „Genussregion Oberfranken“ bekommen, als Botschafterin?

Wasserscheid (lacht): Vielleicht nach dem Interview!?

Zurück zum jetzigen Fall. „Am Ende geht man nackt“ ist schon ziemlich heftige Kost. Flüchtlingsproblematik, Ausländerfeindlichkeit, Gewaltbereitschaft, Neonazismus, der ja auch ganz real letztes Jahr in in Bamberg und in Oberfranken neue Blüten getrieben hat - in sofern ist der Stoff ja diesmal auch echt nicht weit hergeholt. Wie geht man damit um, was hat dieses Drehbuch mit Ihnen gemacht?

Wasserscheid: Zuerst einmal denke ich, ist es genau das, was gute Drehbücher und Geschichten können, dass sie mir als Zuschauer ein Schicksal näher bringen und mir die Möglichkeit geben, einen Menschen kennen zu lernen. Warum er etwas tut, was seine Beweggründe sind, was ihm widerfährt  – und ich als Zuschauer kann emotional mitgehen. Ich finde es gut und wichtig, dass dieser "Tatort" dieses Thema gewählt hat. Ein Einzelschicksal wird herausgegriffen, ich lerne diesen Menschen kennen, folge ihm eine Wegstrecke. Da wird der emotionale Teil von mir angesprochen und eben nicht der rationale, mein Menschsein, im besten Falle.

Bei den Dreharbeiten haben Markus Imboden und Dagmar Manzel gesagt, dass es ihnen auch persönlich wichtig ist, mit diesem "Tatort" Haltung zu zeigen. Meinen Sie, dass das überhaupt funktionieren kann, also nachhaltig? Es gibt ja viele "Tatorte", die gesellschaftliche Debatten aufgreifen und vielleicht auch kurz in den Fokus bringen, aber das meiste versandet ja doch wieder schnell. Ist da nicht auch eine gewisse Ohnmacht, als Schauspielerin, letztendlich doch nichts verändern zu können?

Wasserscheid (überlegt lange): Hmm. Also, ich glaube daran, dass Geschichten die Kraft haben, etwas zu verändern oder eine Sichtweise zu vermitteln, einen Standpunkt vorzustellen. Allein wenn ein Zuschauer sagt "Ah, ich sehe im Film Leute, die so und so damit umgehen", "So habe ich das noch nie gesehen, das ist ja interessant!". Nur dieser eine Moment, in dem der Zuschauer darüber nachdenkt, das ist meiner Meinung nach schon sehr viel. Dieser Moment einer Erkenntnis ist dann da gewesen und kann in irgendeiner Form wirken, und vielleicht kann daraus was Neues entstehen. Gesellschaftliche Themen gehören auf jeden Fall auch im Film und Theater angepackt. Haltung zu beziehen ist dabei immer mehr ein Thema.

Generell in der Branche, meinen Sie jetzt?

Wasserscheid: Generell als Mensch. Mir ist es wichtig, eine Haltung zu haben und zu zeigen.

Endlich wurde ein Franken-“Tatort“ in Oberfranken gedreht, die Bayreuther sind freilich aber traurig, dass es zuerst Bamberg sein musste, vor allem, weil es ja nun leider diese kleine Städte-Feindschaft gibt. Was macht Bayreuth denn falsch?

Wasserscheid: Das Konzept des Franken-"Tatort" ist es, in unterschiedlichen Städten Frankens zu drehen. Irgendwann werden wir sicherlich auch mal in Bayreuth sein.

Und was hat München, was Bamberg nicht hat?

Wasserscheid: Eine Schauspielschule, deswegen bin ich da hin gegangen (lacht wieder)! Naja, und dann sind die Lebenswege eben so, wie sie sind, dann fängt man an, hier zu arbeiten, baut sich ein soziales Netz auf und so weiter. Also, ich bin jetzt einfach in München, dort ist meine Arbeit. 

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