Rechte Anspielungen? Ärger um Naidoo-Song

Mit einem Konzert in ihrer Heimatstadt Mannheim hat die Popgruppe Söhne Mannheims ihre Tournee gestartet. Bis zum 20. Mai stehen 15 Auftritte auf dem Programm. Den Mittelpunkt bildet die neue CD "MannHeim". Darauf ist auch das Lied "Marionetten" zu hören, in dem Politiker massiv beschimpft werden. Im Text hantiert die Band mit rechten Kampfbegriffe wie "Volksverräter". Die Stadt Mannheim kritisiert den Text und wirft der Band "antistaatliche Aussagen" vor.

"Marionetten" ein Aufruf zum Dialog?

Naidoo hat sich bislang nicht selbst zu dem Lied geäußert, das er singt. Söhne-Mannheims-Sänger Henning Wehland sagte der Deutschen Presseagentur (dpa): "Ich verstehe das Lied als Appell zum Nachdenken darüber, dass Politik oft missbraucht wird. Und da wollen wir - mit zugegeben überzeichneten Worten - aufrufen, etwas dagegen zu tun." Der Song sei sicherlich provokativ und zugespitzt, meinte Band-Mitglied Rolf Stahlhofen. "Ich kann verstehen, dass da manche aufschreien. Aber das Lied ist kein Aufruf zur Gewalt, es ist ein Aufruf zum Dialog."

Im Liedtext klingt dieser Aufruf zum Dialog unter anderem so: "... so was nennt sich dann Volksvertreter Teile Eures Volks- nennt man schon Hoch-, beziehungsweise Volksverräter. Alles wird vergeben, wenn Ihr einsichtig seid. Sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass Ihr einsichtig seid"

Mit der Mistgabel gegen die Volksverräter

"Volksverräter" und "Forke" (Mistgabel)? Dieselben Worte und denselben Kontext kennt man von Tatjana Festerling, einer der führenden Köpfe des Leipziger Pegida-Ablegers Legida. Der Berliner "Tagesspiegel" zitiert sie in einem Artikel von Anfang vergangenen Jahres mit den Worten: „Wenn die Mehrheit der Bürger noch klar bei Verstand wäre, dann würden sie zu Mistgabeln greifen und diese volksverratenden, volksverhetzenden Eliten aus den Parlamenten, aus den Gerichten, aus den Kirchen und aus den Pressehäusern prügeln.“

In der Vergangenheit hatte es wiederholt Diskussionen um Texte und Interviews von Söhne-Mannheims-Frontmann Xavier Naidoo gegeben. Er selbst hat sich laut Medienberichten bis dato noch nicht zu seinem Lied geäußert. Wie kompliziert Medienanfragen bei dem Künstler verlaufen, hatte der Kurier im Vorfeld des Bayreuth-Open-Airs 2015 festgestellt.

Schwieriges Gebaren rund um ein Interview

Ein Interview hatte das Naidoo-Management zwar zugesagt. Ein direkter Kontakt zum Management oder gar zu Naidoo selbst kam allerdings nicht zustande. Das Interview musste schriftlich geführt werden. Die Fragen wurden damals über den Konzertveranstalter an das Management des Künstlers weiterlgeleitet. Die Kurier-Redaktion konnte nicht nachvollziehen, ob Naidoo sie überhaupt selbst beantwortete.

So bekam der Kurier damals auch nur einige der Fragen mit einer Antwort zurück. Naidoo - oder sein Management - beantworteten Fragen über den musikalischen Werdegang und die Erfolge des Künstlers. Fragen nach seinen umstritten politischen Äußerungen blieben unbeantwortet.

Kritiker werfen Xavier Naidoo Rechtspopulismus und eine Nähe zu reichsbürgerlichen Verschwörungstheorien vor. Eine klare Linie ist indes in seinen Auftritten nur schwer zu erkennen. So sprach er in der Vergangenheit auch schon vor linken Gruppierungen. (Mit Material von dpa)

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