Kulturpolitik: Die kürzeste Sommerpause

Es beginnt die Fußball-Bundesliga. Man ist mitten in den großen Ferien und, falls man zu Hause geblieben ist, abwechselnd damit beschäftigt, den von Sturm und Hagel gestäupten Schirm zu reparieren oder sich vor der Hitze an Badeweiher und Biergarten zu flüchten. Es gibt gerade wirklich wichtigeres als Konzerte, Kleinkunst, Theater und Ausstellungen.

Natürlich gibt es auch im Sommer Kultur in Bayreuth. Da laufen die Festspiele und ihre Satelliten wie das Festival Junger Künstler. Die Festspiele laufen aber so, wie sie immer laufen. Am Grünen Hügel, hinreichend weit entfernt von der Stadt, für sich und durch sich, ein Selbstläufer halt, nichts, was einen besonders beunruhigen müsste, hört man vom Grünen Hügel auch immer wieder Klagen, dass die Stadt, ihre Hotellerie und ihre Gastronomie zu wenig machten für die internationale Gästeschar. Aber diese Klagen kennt man nun auch schon seit 1876.

So viele Probleme

Doch der Herbst kommt zuverlässig. Und mit ihm all die Herausforderungen und Probleme, die einen im Sommer partout nichts angehen sollen oder wollen. Dann kommen sie wieder, die Fragen, die drängenden. Dann drängen solche Probleme wie der Umzug des Stadtarchivs aufs Tapet und damit einhergehend die Frage, wohin mit dem Schreibmaschinenmuseum, wenn das Stadtarchiv dorthin kommt, wo's seit kurzem geplant ist: an die Bernecker Straße.

Wohin mit dem Stadtarchiv?

 

 

Es schließt sich an die Frage nicht ob, sondern wie man das Historische Museum vergrößern und neu gestalten kann. Oder wie man dem Kunstmuseum Raum für Depots einrichten kann, oder wie man es schafft, dass mehr Besucher kommen, um sich die gar nicht mal so unspektakulären Bestände des Hauses anzuschauen (das Publikumsinteresse, das der Kunstverein momentan für seine Sommerausstellung in der Eremitage verbucht, deutet an, dass der Veranstaltungsort, die Location, eine wichtige Rolle spielt).

So große Chancen

Noch drängender sind andere Fragen. Im April nächsten Jahres eröffnet das Markgräfliche Opernhaus, das Weltkulturerbe, Wilhelmines Schatzkästchen. Es werden kommen: die Berliner Symphoniker, wenn auch nicht in großer Besetzung, und das ist einigermaßen spektakulär.

Aber dann? Ein paar schöne Konzerte, auch dank der Kulturfreunde. All diese Aktivitäten täuschen nicht darüber hinweg, dass Bayreuth noch besser verhandeln und planen muss. Verhandeln mit der Schlösser- und Seenverwaltung, die strenge Regeln aufgestellt hat und einer Nutzung des Opernhauses als reinem Museum nicht immer fürchterlich abgeneigt erscheint.

Planen mit dem Ziel, dass das Markgräfliche Opernhaus ein fester, regelmäßiger Punkt im Bayreuther Veranstaltungskalender wird, am besten mit einem Festival.

Oper zum Auftakt

 

 

Kurz, sehr kurz nach dem Markgräflichen Opernhaus soll dann auch die Stadthalle wieder aufmachen. Bereits Anfang 2020 soll sie wieder nutzbar sein. Bislang kann die Stadt fast hoffen, dass dieses ehrgeizige Ziel nicht erreicht wird. Bislang nahm man für die Stadthalle, was man bekommen konnte. Und wenn's das dritte Mal Michl Müller in Jahresfrist war.

Soll es anders, vor allem besser werden - und das muss es, angesichts des millionenschweren Aufwands für die Sanierung - braucht man einen künstlerischen Leiter, der was kann.

Aus für einen Referenten

 

 

Einen solchen zu bekommen, wird schwierig werden, nachdem Bayreuth seinen Kulturreferenten demontiert hat. Fabian Kern wird im Januar seinen Schreibtisch räumen. Bis dahin muss die Stadt wissen, wie und mit wem sie ihre Kulturbaustellen bewältigt, und das ganz schnell. So gesehen, war die Sommerpause noch nie so kurz.

Michael.weiser@nordbayerischer-kurier.de

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