Zum Bundeswettbewerb Bayreuther ist Bayerns bester Fahrzeuglackierer

Er weiß, wie ein Auto lackiert wird Denis Klink ist Landessieger in seinem Beruf und fährt jetzt zum Bundesentscheid. Foto: Stefan Schreibelmayer

BAYREUTH. Am Anfang war die Lehre zum Lackierer ja nur Plan B für Denis Klink. Doch jetzt ist der Bayreuther Landessieger im Leistungswettbewerb des Handwerks geworden und vertritt Bayern beim Bundesentscheid.

Denis Klink überlegt meist einen Moment, bevor er antwortet, wirkt dadurch ein bisschen zurückhaltend. Doch er weiß, wovon er spricht. Und er sagt über sich: „Ich bin schon sehr ehrgeizig. Ich habe immer ein Ziel. Und wenn ich das erreicht habe, dann stecke ich mir schon das nächste.“ Momentan hat er sogar zwei Ziele: Beim Bundesentscheid will er übernächste Woche unter die besten Drei kommen, und kurz darauf steht die erste wichtige Prüfung in der Meisterschule an.

Meisterschule – da atmet Alois Rüttinger tief durch. Er ist Geschäftsführer des Lackzentrums Bayreuth (LZB) und hat Klink federführend ausgebildet: „Wir hätten ihn natürlich gern erst einmal hier behalten, so einen Top-Mitarbeiter lässt man gar nicht gerne gehen.“ Aber seit einiger Zeit muss nach der Gesellenprüfung keine Wartezeit mehr bis zur Meisterschule eingehalten werden.

Zug dahinter

Gut findet Rüttinger das nicht, das sagt er deutlich. Verstehen kann er Klink trotzdem irgendwie. Schließlich hat er früh gemerkt, dass „der ein wirklich Guter“ ist – eigentlich schon nach 14 Tagen: „Da war von Anfang an Zug dahinter. Er hatte Interesse, man musste ihm nichts drei oder vier Mal erklären, und er ist gut strukturiert.

Etwas Einmaliges

Deshalb will sich der Geschäftsführer noch nicht mal einen Teil des Erfolgs ans eigene Revers heften: „Mein Team und ich haben Denis zwar den Rahmen bieten können, geschafft hat er das aber ganz alleine.“ Er ist sichtlich stolz auf seinen ehemaligen Mitarbeiter. Wie Klink selber natürlich auch: "Das ist schon etwas Einmaliges."

Kleiner Umweg

Dabei könnte man fast von einem verkorksten Start sprechen. Denn Klink, der vor wenigen Tagen 20 Jahre alt geworden ist, war nach der Realschule lange vergeblich auf der Suche nach einer Ausbildung im Büro. Auch weil die Eltern dazu geraten hatten. Und dann war es irgendwann – fast – zu spät. Blieb noch eine sogenannte Einstiegsqualifizierung (EQJ) beim LZB. Eigentlich eine Chance für schwierigere Fälle. Aber eine Chance – die Klink auf außergewöhnliche Art und Weise nutzte.

Aus Plan B wird Plan A

Er war so gut, dass nicht nur die EQJ auf die Lehrzeit angerechnet wurde, er verkürzte die Ausbildung auch gleich noch von eigentlich drei auf zweieinhalb Jahre. Und bestand die Prüfung dann als Kammerbester. „Ich habe halt Plan B zu meinem Plan A gemacht und losgelegt“, sagt Klink trocken, der sich in seiner Freizeit vor allem um seine Freundin und sein Auto kümmert, einen 5er BMW.

Keine Spuren hinterlassen

Ob er sich noch an seine erste Arbeit im LZB erinnern kann? „Ja“, kommt es wie aus der Pistole geschossen: Eine 21-Zoll-Jaguarfelge war’s, die er zusammen mit einem Gesellen neu lackiert hat. Seitdem hat er sich alles angeeignet, was man als Autolackierer lernen kann. „Wir bieten das alles an, vom Ausbessern eines kleinen Kratzers bis zur Komplettlackierung“, sagt Rüttinger. Fragt man Klink, was ihm an seinem Beruf gefällt, wird er fast philosophisch: „Es ist sehr befriedigend, dass man sieht, was man gemacht hat, obwohl die Kunden keine Spuren unserer Arbeit sehen wollen.“

Zwölf Arbeitsstunden

Seine Arbeit werden die Juroren beim Bundesentscheid in Stuttgart allerdings ganz genau unter die Lupe nehmen. Auf den Landesentscheid, bei dem er in zwölf Arbeitsstunden unter anderem eine komplette Sonderlackierung für einen Kotflügel, eine Reparaturlackierung und zwei Design-Lackierungen anfertigen musste, hat sich Klink nicht gesondert vorbereitet, sondern „aus dem Bauch heraus gearbeitet“.

Besondere Technik

Das ist diesmal anders. In der Meisterschule der Handwerkskammer übt er schon seit einiger Zeit mit einem kleinen Team, unter anderem mit einem Airbrusher. Dessen besondere Technik wird er brauchen, geht es doch in Stuttgart ausschließlich um Design. „Da ist dann halt auch viel Geschmack dabei“, tut sich Klink mit einer Einschätzung seiner Chancen ein bisschen schwer. Um dann doch ein konkretes Ziel zu nennen: „Unter die Top 3 will ich schon.“ Trotz der mittlerweile aufkommenden Aufregung.

Das Lackzentrum

Das Lackzentrum Bayreuth in seiner jetzigen Form wurde von den drei Autohändlern MGS, Hensel und Herrnleben gegründet, die auch als Gesellschafter fungieren und von denen der Großteil der Aufträge stammt. 40 bis 60 Autos werden laut Geschäftsführer Alois Rüttinger von den 13 Mitarbeitern pro Woche lackiert. Angeboten wird die ganze Bandbreite von der Ausbesserung eines kleinen Kratzers bis hin zur Komplettlackierung.

 

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