Über 100 Menschen bei Demo gegen Rechts

Wegen der Geburtstagsfeier einer Rednerin haben die Bamberger Rechten ihre für Sonntag geplante Demonstration in Bayreuth abgesagt. Rund 100 Menschen gegen Rechts haben ihre Gegenkundgebung dennoch abgehalten.

„Diesmal hat alles geklappt“ loben die Grünen-Stadträte Sabine Steininger und Tim Pargent Rechtsreferent Ulrich Pfeifer: Als die Bamberger Gruppierung „Die Rechte“ am Samstag eine Demonstration in Bayreuth anmeldet, ist die Nachricht Minuten später bekannt. Die Grünen und ihre Mitstreiter des Anti-Nazi-Bündnisses organisieren in Windeseile eine Gegendemo. Die Arbeit hätten sie sich sparen können. Doch das wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Am Sonntag um 13.30 Uhr hätten die Rechten unter dem Motto „Gegen staatliche Repression“ demonstrieren wollen.
Es ging darum, dass ihnen ein Besuch bei drei Gesinnungsgenossen verwehrt wurde, die in der JVA Bayreuth in Untersuchungshaft sitzen. „Die Demonstration richtete sich gegen eine polizeiliche Maßnahme“, sagt der Bayreuther Polizeichef Thomas Schreiber; Einzelheiten will er nicht nennen. Zum angekündigten Zeitpunkt tummeln sich bereits um die 50 Gegendemonstranten vor dem Polizeigebäude in der Ludwig-Thoma-Straße. Im Laufe einer Stunde werden es etwas über 100 Menschen sein, die gegen die Neonazis demonstrieren. Aber keiner der angemeldeten 25 Bamberger Rechten lässt sich blicken.
Die hatten am Sonntag um 10.36 Uhr per E-Mail an die Bayreuther Polizei ihre Veranstaltung abgesagt: „Weil eine ihrer Rednerinnen am Sonntag Geburtstag feiert,“ berichtet Schreiber. Erleichterung macht sich unter den Gegendemonstranten breit. Es wird spekuliert, ob die Ankündigung der Bayreuther Kundgebung von der Fahrt nach Schirnding abhalten sollte. Nein, die Polizei hält die Geburtstagsfeier tatsächlich für den wahren Absagegrund. Stadträtin Tina Krause packt ein Megafon aus, Landtagsabgeordnete Ulrike Gote bringt ein langes Transparent mit der Aufschrift „Kein Platz für Nazis“ mit, in einem Korb hat sie sogar Sekt dabei. Der wird nur für wenige Gegendemonstranten reichen, aber die sind auch so zufrieden.
Für viele ist die Absage der Bayreuther Demo ein kleiner Sieg über die Ausländerhasser, die zeitgleich in Schirnding im Landkreis Wunsiedel auf die Straße gingen. Mit ihrem Transparent brauchen die Nazigegner den Gehsteig über die ganze Breite des Polizeigebäudes. Mitten unter ihnen: Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und Günter Pierdzig, Sprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes aus Bamberg.
Kurz vor 14 Uhr: Polizisten und Rechtsreferent Ulrich Pfeifer stehen im kleinen Kreis beisammen, als ein Bayreuther mit Rucksack vom Fahrrad steigt und fragt: „Wo kann man sich denn anschließen?“ „Die Gegendemo ist da vorne,“ sagt Thomas Schreiber. „Nein, ich will zu den Rechten“ kommt die Antwort. Schreiber: „Die haben abgesagt.“ Der Neuankömmling grummelt: „Hat die Linkspresse ihr mediales Tamtam mal wieder verbreitet“, dreht sich grußlos um und radelt die Ludwig-Thoma-Straße hinauf.
Während in Bayreuth sich die Gegendemonstranten allmählich verstreuen, treffen auf ihren Smartphones die ersten Nachrichten aus Schirnding ein: Unter dem Motto „Menschenkette für Bayern“ wollen Pegida-Anhänger eine „lebende Grenze“ bilden. Offenbar stehen knapp 300 Rechten rund 1200 Gegendemonstranten gegenüber. Auch das freut die Nazi-Gegner.

Info: Im Oktober waren Neonazis in Bamberg verhaftet worden. Sie hatten nicht nur Demonstrationen gegen die Asylzentrale geplant, bei ihnen waren Material zum Bombenbau, eine Schusswaffe und andere gefährliche Gegenstände gefunden worden.

Mehr dazu:

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