Thema: Teufelshöhle April, April - oder doch nicht?

Foto: red

KOMMENTAR. Sensation. Ein Wort, bei dem Vorsicht geboten ist. Es ist schnell gesagt, schnell geschrieben. Und oft genug trifft es einfach nicht zu. Oft ist Effekthascherei im Spiel bei diesem Superlativ. Aber, klar, manchmal passt er einfach. So wie dieser Tage, als es um die Entdeckung eines neuen Saales in der Teufelshöhle ging. Nicht irgendeines Raumes. Sondern des größten überhaupt bisher in diesem Naturdenkmal.

30 Jahre lang haben zwei Höhlenforscher im Auftrag des Zweckverbandes nach der Führungssaison gesucht. Und gesucht. Und gesucht. Jetzt also der große Moment, der nicht nur sie glücklich gemacht hat. Nach mühsamer Buddelei und noch mühsamerer Kriecherei der Blick in den frisch entdeckten Raum, der eher ein Saal ist. Ehrfurcht bei Hans-Joachim Betko und Hanns Nägerl. Wie in einer Kathedrale, sagen sie. Womit auch schon der Name gefunden war.

Ja, schon so etwas wie eine Sensation. Aufpassen sollte man als Journalist nur, wann man eine solche Sensation veröffentlicht. Sonst könnte es passieren, dass die Sensation zu sensationell klingt, um an einem 1. April für bare Münze genommen zu werden. So mancher Leser und viele Medienkollegen fühlten sich auf kreative Art verulkt. Das „April, April“-Syndrom machte die Runde. Da halfen auch keine noch so ernsthaft und seriös bekundeten Hinweise. Was nicht sein darf an so einem 1. April, kann eben auch nicht sein. Also gut, dann halt nicht.

Nun, der 2. April ist nach dem 1., da dürfte es sich ausgescherzt haben. Sollte man meinen. Dem war aber nicht so. Erst ein Folgebericht sorgte so langsam für Entwirrung. Die Betonung liegt auf langsam. Denn: Was der Mensch glaubt, glaubt er nun mal. Bis ihn die knallharte Realität einholt.

Tja, hätten wir doch nur geschrieben, dass der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab die Angriffe des Freien Wählers Hans Hümmer psychisch nicht mehr verkraftet und daher seinen Rücktritt eingereicht hat. Oder dass der Hollfelder Stadtrat mal einen wichtigen Beschluss gefasst hat, ohne im Vorfeld wochenlang darüber diskutiert zu haben – alle hätten es wohl geglaubt. Trotz aller Realitätsferne.

Schau mer mal: Vielleicht ist es ja wieder ein 1. April, wenn in der Zeitung steht, dass die Führung durch die Teufelshöhle jetzt um ein Juwel reicher ist ...

stefan.brand@nordbayerischer-kurier.de

 

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