Pfarrer-Notstand im Dekanat

Im Dekanat Pegnitz wird es in den nächsten Monaten ein wenig eng bei der Seelsorge - aber nicht nur die Gottesdienste in der St.-Bartholomäuskirche Pegnitz (Bid) bleiben davon unberührt. Foto: Archiv: Klaus Trenz

Das wird eng im evangelischen Dekanat Pegnitz: Gleich zweieinhalb Pfarrer-Planstellen werden für mehrere Monate unbesetzt sein. Das wird zu Abstrichen im Alltagsgeschäft führen, sagt Dekan Gerhard Schoenauer. Nicht aber bei den Gottesdiensten, „die tasten wir nicht an“.

Betroffen ist zum einen Pegnitz selbst. Hier hat sich Pfarrer Thomas Miertschischk zum 31. Januar in Richtung Cadolzburg verabschiedet – zusammen mit seiner Frau. Noch stärker erwischt es Schnabelwaid, das gleich doppelt tangiert ist. Pfarrerin Tina Meiler-Binder zieht es nach Selb, Pfarrerin Anna Bamberger nach Würzburg. Beide aus familiären Gründen, wie Dekan Schoenauer betont. Das habe auch mit beruflichen Veränderungen bei ihren Ehemännern zu tun.

Hier freie Wahl, dort ein Problem

Beide haben nach drei Jahren auf einer z.A-Stelle – also „zur Anstellung“ –, auf die man von der Landeskirche geschickt wird, auch ohne weiteres freie Wahl, was ihren künftigen Wirkungsort angeht. Das Problem: Im Schnitt betrachtet die Landeskirche eine Vakanz von sechs Monaten als normal. Was nicht bedeute, dass eine Stelle dann in jedem Fall neu besetzt ist. „Wir hoffen es“, sagt der Dekan.

Hier Interessenten, dort das Regelwerk

Natürlich gilt es da auch ein Regelwerk einzuhalten. Etwa mit Blick auf Bewerbungsfristen. Die Stelle von Pfarrer Miertschischk wird im Amtsblatt der Landeskirche für Februar ausgeschrieben, die anderen in der März-Ausgabe. Was nicht heißt, dass es nicht bereits Interessenten gibt. Die gibt es sehr wohl, so Schoenauer. Weil schon im Dezember im erwähnten Amtsblatt zu lesen war, dass im Dekanat Pegnitz Stellen frei werden: „Da haben sich einige gemeldet, aber auch die müssen sich halt nun offiziell bewerben.“

Landeskirchenrat entscheidet

Die Entscheidung, wer letztlich den Zuschlag bekommt, trifft in diesem Fall nicht der Dekan, nicht der Kirchenvorstand. Das wechselt, sagt Dekan Schoenauer: „Mal sind wir an der Reihe, beim nächsten Mal der Landeskirchenrat.“ Diesmal hat Letzterer das Sagen. Wobei sich die Kandidaten schon auch vor Ort vorstellen, „das ist klar“.

Die Sache mit dem Stellenprofil

Nicht jede Stellenausschreibung gleicht der anderen. Ganz im Gegenteil. Jede Pfarrei, jede Gemeinde kann da ihre besonderen Wünsche formulieren. Eine legt Wert auf viele Hausbesuche: „Dann weiß ein Kandidat schon mal, dass er nicht unbedingt dauernd im Pfarrhaus verweilen sollte.“ Andere möchten die Jugendarbeit in den Vordergrund stellen, andere wiederum die Seelsorge. Die Anforderungsprofile seien da alles andere als gleich gestrickt.

Da kommt auch die Regionalbischöfin

Dazu gibt es auch Hilfestellung „von oben“. Genauer gesagt von Regionalbischöfin Dorothea Greiner: „Sie besucht die betroffenen Gemeinden, redet mit dem scheidenden Pfarrer, mit den Ehrenamtlichen, mit den Chören, mit den Arbeitskreisen, mit dem Kirchenvorstand.“ Um herauszufinden, wo jeweils der Schuh drückt, wo Nachholbedarf erkannt wird. Auch das fließt dann in die Ausschreibung für eine Neubesetzung ein, sagt Gerhard Schoenauer.

Es wird eng

Fakt ist: In den kommenden Monaten wird sich in Pegnitz und Schnabelwaid das Rad ein wenig langsamer drehen. Etwa bei den Bibelstunden: „Da machen wir im Winter normalerweise acht, im Februar werden es nur sechs sein, mehr geht einfach nicht.“ Der größte Einschnitt steht allerdings bei den Besuchsdiensten bevor. Deren gibt es viele. Sehr viele. Bei Geburtstagen, bei Mitarbeitern, bei kranken Menschen. Jeder der drei Pegnitzer Pfarrer ist da für einen Sprengel zuständig. Und kommt da auf 200 bis 300 Besuche pro Jahr. Nun, mit einem Mann weniger ist das nicht mehr zu schultern, sagt Gerhard Schoenauer.

Das ist schade

Was schade sei, „weil das für das Profil unserer Gemeinde wichtig ist, weil es unser Ziel ist, zu den Menschen zu gehen“. Schoenauer nennt das eine „Geh-Struktur“, die sich da herausgebildet habe. Das fällt jetzt nicht völlig weg. Männer und Frauen aus dem Kirchenvorstand springen ein, die Sprengelbeauftragten, weitere Gemeindemitglieder, die sich ehrenamtlich engagieren. Aber alles können sie natürlich auch nicht auffangen, sagt der Dekan.

Ruheständler helfen mit

Immerhin: Die Zahl der Gottesdienste wird sich nicht verringern. Auch, weil ehemalige Pfarrer aus der Region aus ihrem Ruhestand heraus aushelfen. Wie der ehemalige Lindenhardter Pfarrer Ulrich Bauer oder der frühere Regionalbischof Wilfried Beyhl. Dennoch hofft Dekan Schoenauer, dass die Zeit der Vakanz bald vorbei ist. Allein schon mit Blick auf das erwähnte Alltagsgeschäft.

Bis zu fünf Beerdigungen die Woche

Stichwort Beerdigungen: „Das sind manchmal fünf in einer Woche.“ Trauergespräche, die oft mehrere Stunden dauern, das Vorbereiten der Predigt, nicht selten auch ein Nachgespräch, „das schafft man nicht in zwei, drei Stunden“. Und deshalb wäre es „schon gut“, wenn sich die Personalsituation möglichst bald wieder entspannt.

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