Autohaftpflicht Bayreuther zahlen am meisten

Symbolfoto: dpa

BAYREUTH/KULMBACH. Wer sein Auto in der Stadt Bayreuth angemeldet hat, muss im kommenden Jahr im Schnitt für die Kfz-Haftpflichtversicherung etwas tiefer in die Tasche greifen. Grund: Die sogenannte Regionalklasse steigt um einen Punkt auf die hohe Stufe zehn von zwölf. Je einen Zähler zurückgestuft wurden dagegen die Zulassungsbezirke Landkreis Bayreuth sowie Stadt- und Landkreis Kulmbach. Hier wird’s also tendenziell billiger.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) berechnet die Regionalklassen jedes Jahr neu - und zwar für alle rund 400 Zulassungsbezirke in Deutschland. Die Klassen sind zwar nur eines von vielen Tarifmerkmalen, das die Anbieter von Versicherungen zur Berechnung des Beitrags heranziehen, aber ein wichtiges.

Bei der Ermittlung der Regionalklassen kommt es nicht darauf an, wo ein Schaden entstanden ist, sondern in welchem Zulassungsbezirk der Fahrzeughalter seinen Wohnsitz hat. „Wenn also ein Fahrer aus Bayreuth oder Kulmbach an der Nordsee einen Unfall baut, dann fließt dieser in Bayreuth in die Regionalklasse ein und nicht in Ostfriesland“, erläuterte GDV-Sprecherin Kathrin Jarosch auf Kurier-Nachfrage.

Höhere Unfallzahlen

Demnach müssen Fahrer aus der Stadt Bayreuth zuletzt mehr Unfälle oder zumindest eine höhere Schadenssumme verursacht haben, denn die Regionalklasse für die rund 51.000 hier zugelassenen Fahrzeuge steigt um eine Stufe auf zehn. Dagegen geht es im Landkreis Bayreuth (gut 112.000 Fahrzeuge) um eine Stufe auf vier zurück und in Stadt und Landkreis Kulmbach (knapp 75.000) sogar auf drei.

Es sei allgemein zu beobachten, dass die Haftpflicht-Regionalklassen in der Stadt teils deutlich höher sind als in ländlichen Gebieten, sagt Jarosch. In München und Nürnberg gelte etwa die bei der Haftpflichtversicherung höchste Stufe zwölf. Das habe mit dem deutlich höheren Verkehrsaufkommen und den dadurch höheren Unfallzahlen in den Städten zu tun.

Was sich im Umkehrschluss auch in Oberfranken nachvollziehen lässt: Der eher dünn besiedelte Landkreis Kronach wurde nochmals um eine Stufe gesenkt und hat jetzt die niedrigeste Regionalklasse eins (alle Oberfrankenwerte – auch für Teil- und Vollkasko – in der Tabelle unten).

Sehr viele Details fließen ein

Welchen Unterschied die verschiedenen Regionalklassen bei den Versicherungsprämien ausmachen, könne man nicht konkret sagen, meint GDV-Sprecherin Jarosch: „Die Kfz-Versicherung ist heute ein extrem individuelles Risiko. Die Versicherer fragen sehr viele Details ab. Neben Alter und Modell des versicherten Fahrzeugs geht es um die jährliche Laufleistung, ob es nachts in der Garage steht und wie viele Nutzer es gibt.“ Aber auch, ob der Halter Beamter ist, ein eigenes Haus hat oder eine Bahncard nutzt, könne in die die Risikobewertung mit einfließen.

Auch Uwe Dressel, Bayreuther Versicherungsmakler und Pressesprecher Nordbayern des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute, betont, dass sich Regionalklassen nicht einfach in Versicherungssummen umrechnen lassen, aber: „Nähme man mal idealerweise zwei identische Versicherungsverträge an, dann kann eine Regionalklasse schon fünf Prozent Unterschied machen.“

Zweitwohnsitz hilft nicht weiter

Dressel empfiehlt, von Zeit zu Zeit zu prüfen, ob sich nicht durch einen Versicherungswechsel Geld sparen lässt. Zwar habe sich an der Preisfront entgegen früheren Jahren eine gewisse Stabilisierung eingestellt, doch werde die Kfz-Versicherung von vielen Versicherern immer noch für die Gewinnung von Marktanteilen genutzt. Meist hätten die Verträge ein Jahr Laufzeit und ließen sich bis 30. November ohne Angaben von Gründen kündigen.

Ein Ausweg ist Autofahrern übrigens seit gut zehn Jahren versperrt. Privatfahrzeuge lassen sich nicht mehr an einem Zweitwohnsitz zulassen, an dem eventuell eine günstigere Regionalklasse gilt. „Paragraf 46,2 der Fahrzeugzulassungsverordnung regelt klar, dass Privatfahrzeuge am Erstwohnsitz angemeldet werden müssen“, sagt Heiko Ellner-Schuberth, stellvertretender Leiter des Straßenverkehrsamts Bayreuth.


Info: Bundesweit profitieren laut GDV im kommenden Jahr 5,4 Millionen Autofahrer von besseren Regionalklassen in der Kfz-Haftpflicht, rund 5,5 Millionen Fahrer werden heraufgestuft. Für knapp 30 Millionen Fahrer bleibt alles gleich.

Regionalklassen in Oberfranken

Zulassungsbezirk Haftpflicht Vollkasko Teilkasko
       
Bayreuth/Stadt 10 (+1) 4 2
Bayreuth/Land 4 (-1) 8 (+1) 3
Kulmbach 3 (-1) 7 3
Wunsiedel 2 (+1) 7 2
Hof/Stadt 9 5 3
Hof/Land 4 7 3
Kronach 1 (-1) 5 (+1) 2
Coburg/Stadt 3 1 2
Coburg/Land 2 3 1
Lichtenfels 3 (+1) 4 2
Bamberg/Stadt 6 1 1
Bamberg/Land 2 3 (+1) 1
Forchheim 7 (-1) 3 3

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