Wahnfried: Wohin geht das Museum?

Die aktuelle Ausstellung im Neubau des Richard-Wagner-Museums ist natürlich nicht perfekt; sie atmet etwas Studentisches, jedenfalls nicht Volletabliertes, sie sieht unfertig aus. Man kann allgemein die Frage stellen, ob sich so etwas fürs Allerheiligste der Stadt Bayreuth eignet, ob ein Projekt unterhalb der Vollprofessionalität und des absoluten Wagner-Expertentums für den teuren Neubau angemessen ist. In diesem speziellen Falle kann man antworten: Unbedingt!

Logischer Ansatz

Es drängt sich angesichts der Widersprüche in Wagners Leben, der bis heute anhaltenden Diskussionen über Leben und Werk Wagners der Gedanke auf, sich dem Phänomen über „Risse und Kratzer“ (so der Titel der Ausstellung übersetzt) zu nähern. Was geschieht, wenn man die sonst oft übliche Kosmetik weglässt? Wenn man diese Widersprüche nicht auflöst, auf Lücken hinweist, anstatt irgendetwas drüberzutapezieren? Außerdem bringen die jungen Leute Leben in die Bude. Das sollte auch die Erben freuen. Dass das Museum kein Mausoleum wird, dieser Hoffnung hatte Katharina Wagner Ausdruck verliehen.

Nicht alles gut

Alles gut also? Nicht so ganz. Nicht alle Lücken werden mit dem Engagement junger Studenten zu stopfen sein. Es bringt auch nichts, Ausstellungen aus Spezialmuseen einfach in ein andere Spezialmuseum zu transplantieren - wie das die Grünen für die Ausstellung über den schwulen Siegfried fordern. Man wird sich in Bayreuth, in Bayern und im Bund langfristig klar werden müssen, wohin man mit dem Museum will, und wie viel Geld einem das wert ist. Noch aber ist nicht mal klar, wie’s nach 2018 mit den Betriebskosten weitergehen wird.

Das Problem ist': Das Museum gibt es laut Satzung nicht. Und manchmal tun die Beteiligten, also Bund, Bayreuth und Bayern, so, als gebe es das Museum tatsächlich nicht, ungeachtet der Tatsache, dass man vor nicht allzulanger Zeit erst 20 Millionen hineingesteckt hat.

michael.weiser@nordbayerischer-kurier.de

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