Open Air: Das schönere Bürgerfest

Regelmäßig im Frühling nehmen einige Städte im Süden einen Wettbewerb auf. Es geht dann um den Titel der „nördlichsten Stadt Italiens“, darum also, welches Gemeinwesen am meisten ausstrahlt, womit Italien so gemeinhin wirbt: Anmut, Eleganz, Leichtigkeit und Flair. München, Passau, Regensburg und Bamberg nehmen an diesem Kräftemessen regelmäßig teil, mit leichter Verspätung hat dieses Jahr auch Bayreuth seinen Anspruch angemeldet.

Klassik und Kaltgetränke

Denn es gab Klassik, umsonst und draußen, es gab sie erstmals mit den Bamberger Symphonikern auf dem Stadtparkett. Es gab dazu: eine Menge gutgelaunter Besucher, die schäumende Kaltgetränke im Glas kreisen ließen, eine abendliche Sonne, die Bayreuths Sandsteinfassaden honigfarben schimmern ließ. Man kann es auch so sagen: Bayreuths Klassik-Opern-Air war möglicherweise das schönere Bürgerfest, auf jeden Fall aber ein großer, echter Erfolg.

Das sieht auch der Sponsor so: Zumindest nächstes Jahr sei das Open Air schon gesichert, sagte Stephan Kunz von der Sparda-Bank.

Nächstes Jahr wieder im Ehrenhof?

Am Freitag noch hatte das Flötenquartett Flautando (plus Schlagwerker) die Besucher aufs Stadtparkett gelockt, eine erste Welle für einen Kultursommer, die am Samstag zur Flut anschwoll: Schon der Rad-Verhau in den Seitenstraßen ließ einiges erwarten; der Blick aufs Stadtparkett selbst ließ einen am Samstag ein Bayreuth in Bestform sehen: Gut drei-, viertausend entspannte und bestens aufgelegte Zuhörer müssen es gewesen sein, die Bayreuths gute Stube mit Leben erfüllten.

Für rund tausend von ihnen waren Bierbänke aufgestellt, viele andere standen an den Seiten: In ruhiger Andacht auf der der Nordseite, beschattet von den beiden Baumreihen vorm Karstadt, um Getränke anstehend, den Hörgenuss von Flaschen und Gläserklirren beinträchtigt drängte man sich am Rand der Südseite. Insgesamt eigentlich ein idealer Rahmen für ein Freiluftkonzert. Nächstes Jahr aber, das sagte Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, soll das Ereignis wie gewohnt im Ehrenhof über die Bühne gehen.

Picknick beim Konzert

Das Kulturamt ließ Sitzkissen verteilen. Die Profis im Publikum hatten sich selber Klappstühle oder gar Picknickdecken mitgebracht, gekühlte Getränke und Brotzeit. So wie Sigrun Krug und ihre Bekannten mit all ihrer Kirchentagserfahrung. "Wenn die Bamberger kommen, wird man nicht enttäuscht", sagte Sigrun Krug.

Man konnte sitzen, man konnte aber auch flanieren, Bekannte grüßen, der Musik lauschen: Mendelsohns "Hebriden"-Ouvertüre, ein Rondo Capriccioso von Camille Saint-Saëns, die "Jupitersymphonie" von Wolfgang Amadeus Mozart, die "Carmen-Fantasie" von Franz Waxman mit dem Geiger Ilian Garnetz als Solisten. Carmen kam besonders gut an, es gab lauten Beifall für die Bamberger, den die Musiker erwiderten: mit Trampeln auf dem Bühnenbretterboden, mit dem Klopfen des Bogens auf dem Pult.

Ja, auch für die Bamberger war's ein Fest. "Es ist super", sagte Dirigent Leo Hussain (39), "es ist so deutsch." Wie er das meinte? "Im besten Sinne: In kaum einem anderen Land ist es vorstellbar, dass sich so viele Menschen so auf Musik freuen und so andächtig zuhören." Zusammen mit den Veranstaltern und dem Orchester hatte er das Programm vorbereitet. "Du musst eine Dramaturgie aufstellen", sagte der Brite, "nur Hits - das bringt es auch nicht."

War schon gut so, vor allem auch wegen der Zugabe: Da spielten die Bamberger noch die Ouvertüre von Mozarts "Le Nozze di Figaro". Figaro wäre als nächstes gekommen, mit seiner Zimmervermessungsarie "Cinque, Dieci". Für Sänger war der Abend allerdings nicht gedacht. Es war aber auch so schon sehr, sehr italienisch.

Zum weiterlesen: Die Kritik unseres Rezensenten

Nicht bewertet

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Kommentare

... super Veranstaltung, super Stimmung, guter Bericht. Super wäre auch der Bericht, wenn man auch eine Zeile darüber schreiben würde, dass auch der Stadtrat Jahr für Jahr ein hübsches Sümmchen für dieses kostenlose Ereignis in den Haushalt einstellt. Für die Bayreuther.

Aber dann würde es ja nicht mit den ständigen Kommentaren zusammen passen, dass die Stadt zu wenig für die Kultur tut.

Stephan Müller
Nunja, immerhin erwirtschaften die Bayreutherinnen und Bayreuther ja auch durch ihre harte (!!!) Arbeit Jahr für Jahr entsprechend Geld... somit sollte das schon drin sein, meine ich. Das Geld kommt ja nicht vom Himmel geflogen bzw. kommt nicht aus Irland, Lettland oder Zypern.
Wir sollten schon selbstbewusst genug sein, um zu sagen, dass die Bayreutherinnen und Bayreuther diese Art der Kultur auch verdient (und selbst erwirtschaftet) haben. Das "Placet" des Stadtrats erachte ich vor diesem Hintergrund eher als eine Art Selbstverständlichkeit.

@hohehu Natürlich ist das selbstverständlich. Absolut.

Aber hohehu, Sie wissen doch genau, was ich meine.