Jungköchin sucht die Langsamkeit

Der Traumberuf: Stephan Schreiner (18) ist ein echtes Gastronomie- und Hotelleriekind. Ihre Eltern Guido und Ute betreiben die Kaiseralm, das größte Hotel in der Ochsenkopfregion (rund 160 Betten). „Meine Eltern dachten nicht, dass ich auch mal in die Gastronomie gehe.“ Von klein auf hat sie Licht- wie Schattenseiten der Branche miterlebt, insbesondere die langen Stunden, vor allem, wenn man selbstständig ist. Aber das Licht hat bei weitem überwogen: „In der Gastronomie kommt alles zusammen“, schwärmt Stephanie, „man macht andere Leute glücklich mit dem, was man kocht.“

   Bei der Kochausbildung soll es nicht bleiben. Sie will noch die Ausbildung zur Hotelfachfrau und dann ihren Betriebswirt machen. Und sich irgendwann selbstständig sein. Damit tritt sie in die Fußstapfen ihres Vaters, für den die Ausbildung zum Koch auch nur die erste von mehreren war. „Ich hatte ihn mal gefragt: Warum hast Du so viele Ausbildungen gemacht? Die Antwort war: Wenn man sich selbstständig machen will, muss man möglichst alle Bereiche kennen.“

Slow Food: Wenn die Schreiners in Urlaub fahren, dann geht es meist nach Italien. Und dann werden vor allem Restaurants und dort bevorzugt ungewöhnliche Gerichte ausprobiert. Guido Schreiner: „Ich habe meiner Tochter immer gesagt: Du muss nicht alles essen. Aber Du musst alles mal probieren.“

   Vor einigen Jahren ist Stephanie Schreiner in Italien auf den Begriff „Slow Food“ aufmerksam geworden. Ihr Interesse war geweckt. „Slow Food“ ist ein Verein, in dem sich inzwischen allein in Deutschland rund 14 000 Mitglieder zusammengeschlossen haben, die im ganzen Spektrum der Lebensmittelherstellung und -verarbeitung tätig sind. Sie eint die Philosophie, dass Essen gesund, frisch zubereitet, ohne Zusatzstoffe, und nachhaltig sein soll; das Bewusstsein, dass was und wie wir essen, Folgen für die Erde hat. Eben das Gegenteil von Fast Food.

Der tatsächliche Trend scheint in die Gegenrichtung zu gehen. Stephanie Schreiner hat die Beobachtung gemacht, dass die Menschen immer weniger bereit sind, für gutes Essen auch einen entsprechenden Preis zu zahlen. Auch in ihrer Altersgruppe vermisst sie häufig Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Gesundheit nicht nur rund ums Essen – der zunehmenden Bedeutung dieser Themen in der Schule zum Trotz.

Die Slow Food Youth Akademie: Slow Food bietet eine „Jugendakademie“ an, eine Reihe von Workshops an sieben Wochenenden in ganz Deutschland inklusive eine Auslandsreise. 49 Interessenten hatten sich mit einem Bewerbungsschreiben auf einen der 25 Plätze beworben. Stephanie Schreiner war eine von denen, die genommen wurden.

   Die Teilnehmer kommen aus allen Bereichen der Branche: Bäcker, Konditoren, Restaurantfachleute, Landwirtschafts- und Agrarstudenten. Stephanie Schreiner ist die jüngste Teilnehmerin der „Youth Akademie“: „Eigentlich dachte ich, es sind mehr in meinem Alter dabei, aber die meisten sind zwischen 28 und 35.“ Egal. Mit ihnen erlebt sie, wie Getreide produziert wird und wie dabei die Bodengesundheit erhalten werden kann, sie hat Vertreter von herkömmlicher und ökologischer Landwirtschaft im Streitgespräch erlebt (und konnte selbst mitstreiten), sie war in einem Schlachthof einer Erzeugergemeinschaft („wann kommt man mal in einen Schlachthof?“), sie hat gelernt, wie man einen Fisch so verwerten kann, dass man so gut wie nichts wegwerfen muss. „Ich könnte nie Vegetarier oder Veganer sein“, bekennt sie, „aber wenn ein Tier für mich sterben muss, dann soll das nicht umsonst gewesen sein. Und dazu gehört, dass ich möglichst alles verwerte.“

  Das Angebot der Youth Akademie „hat genau in mein Interessenprofil gepasst. Ich will Argumentationshilfen für gutes Essen. Ich möchte viel wissen, denn wenn man von etwas überzeugt ist, will man es auch weitergeben.“

Info: Stephanie Schreiner experimentiert gerne in der Küche. Ihre Kreationen kann man selbst nachkochen. Die Rezepte findet man hier.

Nicht bewertet

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Kommentare

Super, Stephanie. Sie machen es richtig. Sie haben auch tolle Eltern, die großartige Vorbilder sind.
Super, Stephanie. Sie machen es richtig. Sie haben auch tolle Eltern, die großartige Vorbilder sind.
Meine vollste Zustimmung!
Tolle Familie!