Joachim Bursian tritt aus CSU aus

Bei der Jahresversammlung Ende Mai 2017 verzichtete er auf eine erneute Kandidatur, stellte sich aber als stellvertretender Ortsvorsitzender zur Verfügung. Seinen „sofortigen Austritt aus der CSU“ teilte Joachim Bursian am vergangenen Freitag in einem persönlichen Schreiben Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer mit.

Am Ende des mehrseitigen Briefes, der dem Kurier vorliegt, und in dem er ausführlich seine Beweggründe und Kritik vor allem an „Merkels Versagen“ zum Ausdruck bringt, weist er ausdrücklich darauf hin, „dass sein Austritt kein Schnellschuss ist, sondern dass sich dieser über Jahre hinweg bei mir entwickelt hat“, so das langjährige Parteimitglied, das 20 Jahre der CSU angehörte.

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Im Kurier-Gespräch macht Bursian deutlich, dass letztlich das Tüpfelchen auf dem „I“ die in der letzten Woche zustande gekommene große Koalition war. Da wurde es ihm nochmals deutlich, „dass es den führenden Politiker in Deutschland, voran Bundeskanzlerin Angela Merkel, nur um den Machterhalt geht“.

„Das Vorbeiregieren an den kleinen Bürgern und der Verlust der Bodenhaftung der Partei“ habe ihm letztendlich zu diesem Schritt bewogen. In dem Schreiben an Seehofer führt Joachim Bursian aus, „dass er mit Erschrecken in den letzten Jahren feststellen musste, dass unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung durch unsere Regierung mit Füßen getreten wurde“. Zudem würden die Bürger mit einer „staatlich verordneten Zensur der öffentlich-rechtlichen Medien für dumm verkauft“.

Als Beispiel nannte er die Berichterstattung über Straftaten, bei der „von oben angeordnet“ werde, darauf zu achten, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten, zu unterbleiben habe. Eine sachliche Darlegung des Zustandes in Deutschland erfahre man aus dem Ausland oder von Wissenschaftlern, Instituten und speziellen Lektüren, so Bursian. Dies betreffe auch „erschreckende Zahlen“ zur Statistik über Straftaten und deren Verteilung auf Deutsche, Ausländer, Zuwanderer, die in einer Züricher Zeitung nachzulesen seien.

Weitere von Bursian genannte Themen bezogen sich auf dem Atomausstieg, Steuer und Rente. Für Schlagzeilen sorgte im Übrigen der Mistelgauer, als er 2009 im Rahmen der Nominierung von Monika Hohlmeier durch den CSU-Bezirksvorstand zur EU-Kandidatin bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mächtig Dampf abließ. Die Folge war, dass selbst das Magazin „Quer“ des BR auf die Mistelgauer CSU aufmerksam wurde und vor Ort erschien. Allerdings erwies sich die Berichterstattung, so Bursian, alles andere als objektiv.

Dem Gemeinderat gehört Joachim Bursian seit 2002 und damit in der dritten Amtsperiode an. Sein Austritt aus der CSU habe nichts mit der Kommunalpolitik vor Ort zu tun, so der Kommunalpolitiker. Dort wird er als Parteiunabhängiger weiterhin Sitz und Stimme haben.

Kritischer sieht er den CSU-Kreisverband. „Letztlich waren wir im Ortsverband nur alle vier Jahr gut genug für die Abhaltung von Wahlversammlungen und Aufhängen von Plakaten. Als Parteimitglied muss man auch das Recht zu Kritik haben. Dies kam meistens nicht gut an“, so Bursian, der Kopien seines Schreibens an Seehofer an die CSU-Kreisvorsitzende Gudrun Brendel-Fischer und den CSU-Ortsvorsitzenden Heinrich Richter weiterleitete.

5 (2 Stimmen)

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Kommentare

Nicht schad um ihn!
Ein beliebter und sympathischer Mann der Basis verlässt die CSU, darüber sollte man an höhere Atelle mal nachdenken.
Joachim spricht,
wie von ihm gewohnt, Klartext.

Er gibt Gründe an, die für jeden,
der,
sagen wir vor 20 Jahren in die CSU eingetreten ist,
nachvollziehbar sind.

"Eine sachliche Darlegung des Zustandes in Deutschland erfahre man aus dem Ausland oder von Wissenschaftlern, Instituten und speziellen Lektüren, so Bursian."

Hahaha. Von Russia Today oder dem Kopp-Verlag?

Muss man diesen verschwörungstheoretischen - Entschuldigung - Mist hier so breittreten? Ohne die stellenweise hanebüchenen Thesen - "freiheitlich demokratische (sic, hier fehlt übrigens ein Bindestrich) Grundordnung ... mit Füßen getreten", "staatlich verordneten Zensur der öffentlich-rechtlichen Medien" - zu hinterfragen?

>>> Als Parteimitglied muss man auch das RECHT ZU KRITIK haben. Dies kam meistens nicht gut an“ <<<

Ich wüsste da eine Partei,
in der Kritik möglich ist…

Ein mutiger und vor allem der richtige Schritt von Herrn Bursian! Wer seine Mitgliedschaft bei der CSU, auch von der Arbeit seiner Volksvertreter in Berlin abhängig macht, wird schnell zum Schluss kommen, dass es einfach keinen Sinn mehr macht, in dieser Merkel - Machterhaltungspartei noch länger Mitglied zu sein. Indirekt machen sich doch die Parteimitglieder mit Schuldig an dem Totalversagen dieser berlinerischen Politik, indem sie genau für jene Volksvertreter Plakate kleben, deren Politik nach Außen an die Basis vertreten. Joachim Bursian hat das einzige Richtige gemacht. Er hat für sich ganz persönlich die Notbremse gezogen, so wie etliche andere CSU - Köpfe im Landreis vor ihm auch. Ich denke da an den ehem. JU Kreisvorsitzenden Andreas Opel aus Glashütten oder den Kreisrat Georg Röhm aus Hollfeld. Das Ausbluten der CSU, durch das Verlassen konservativer Köpfe, Querdenker, Hoffnungsträger, CSU - Mandatsträger und Führungsköpfe, ist voll im Gange. Wen wundert es...Wenn es einer Parteiführung ausschließlich nur noch um den Machterhalt einer schwächelnden Kanzlerin und um eigene Posten und weniger um gute Politik geht, braucht man sich über diese Erosion nicht zu wundern. Bleiben wird ein Häufchen von Opportunisten, Speichelleckern, Mitgliedern jenseits des Rentenalters und vor allem zahlreiche Karrieristen. Wenn die Basis wegbricht wird das nichts mit ordentlichen Wahlkampf, geschweige den mit einem Wahlerfolg. Gute Nacht CSU. Die Watschn kommt garantiert am 14. Oktober 2018.
CSU 38% - AfD 15%! Die schwarzen Bruder werden sich im September noch umschauen. Selbst Schuld! Ihr seid die Steigbügelhalter von Merkel, Nahles & Co. Abartig!!!
Respekt vor dieser Entscheidung!
[Externer Link entfernt]


2018: Jahr der Wende oder des Untergangs?

Allerhöchste Zeit für eine Entscheidung!
Wen interessierts???
"Als Beispiel nannte er die Berichterstattung über Straftaten, bei der „von oben angeordnet“ werde, darauf zu achten, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten, zu unterbleiben habe. Eine sachliche Darlegung des Zustandes in Deutschland erfahre man aus dem Ausland "

Nein!?! Doch!!! Oohhh...
Es tut mir leid, aber die Beweggründe für seinen Austritt muten mir sehr naiv an. Wie er aus seiner Sicht die Situation beschreibt, scheint er persönliche Probleme mit seiner Umwelt und seiner Parteizugehörigkeit zu vermischen. So ist die Pressefreiheit in Deutschland nicht in Gefahr, im Gegenteil, sie ist durch ihre Vielfältigkeit ein starkes Korrektiv in unserer Demokratie. Wer das nicht sieht, lebt in einer anderen Wahrnehmungssituation. Wer natürlich meint, jeder Journalist muss zwangsläufig eine neutrale (möglichst die des Lesers) einnehmen, der hat die Demokratie nicht ganz verstanden. Diese Vielfalt muss man auch ertragen können.
Bei Ihren Aussagen stellt sich mir immer öfter die Frage, ob diese völlig ohne Einnahme bewusstseinsverändernder Substanzen zu Stande kommen.
Das ist aber eine billige Retourkutsche, die man bei jeder Gelegenheit anwenden kann. Argumentieren wäre besser.
"So ist die Pressefreiheit in Deutschland nicht in Gefahr, im Gegenteil, sie ist durch ihre Vielfältigkeit ein starkes Korrektiv in unserer Demokratie."

Wenn Sie in Sachen Vielfältigkeit auch RT, Sputniknews, Junge Freiheit, Compact und sonstige aufstrebende (!) Medien meinen...
Ich kenne die alle nicht. Wenn diese unsere Verfassung anerkennen und danach handeln, ist nichts dagegen zu sagen.
Dann muss ich mich offen gestanden fragen, in welcher Welt Sie die letzten fünf Jahre gelebt haben, denn diese Medien sollte man als aufgeklärter, weltoffener und an aktuellen Informationen interessierter Demokrat mittlerweile schon kennen.
Es ist halt bequemer, dem Mainstream zu folgen. Dann gerät das eigene Weltbild auch nicht so schnell ins Wanken.
@Uwart, macht nix, dass Sie die angesprochenen Medien nicht kennen. Sind bloß ein paar AfD- und verschwörungstheoretische Querfront-Blättla. Und dazu der gute Putin-Kanal "RT", der von der "anti-imperialistischen" Jungen Welt ebenso abgefeiert wird wie aus der rechten Ecke. Spricht für sich, dass diese Medien hier von einem Kommentator als seriöse Informationsquellen angeführt werden.
Die Auflagenentwicklung klassischer Tageszeitungen, politischer Wochenmagazine usw. spricht eine klare Sprache. ;)
Jeder Journalist MUSS zwangsläufig eine neutrale Haltung einnehmen. Wer das anders sieht, der hat die freie Presse nicht ganz verstanden. Ausnahme Kommentare - die müssen aber als solche gekennzeichnet sein. So haben wir das zumindest in den 80ern gelernt. Das passende Gegenstück dazu gab es damals auch - Neues Deutschland, Volkswacht, usw. (letztere war übrigens ebenfalls SED-Organ, nicht etwa rechts wie vermutlich mancher heute aufgrund des Namens vermuten wird)
Danke für diese Information. Ich gestehe, dass ich außer dem Kurier und etwas SZ kaum Zeitung lese. Und im Fernsehen genügen mir das 1., 2. und beide BR-Programme. Im Internet informiere ich mich über Politik grundsätzlich nicht. Darf ich unter diesen Voraussetzungen noch mit diskutieren? ;-)
Klar dürfen Sie das, aber man muss dann auch in aller Deutlichkeit feststellen dürfen, und das ist nicht gegen Sie als Person gerichtet, dass Sie damit "aus der Zeit gefallen sind", wenn Sie derartige Informationsquellen nicht kennen oder aber ignorieren.
Ich meine, es wäre in Ihrem eigenen Sinne hilfreich, sich zukünftig auch mit alternativen Medienangeboten auseinanderzusetzen, damit Sie die gegenwärtigen Trends in unserer Gesellschaft verstehen.
Ich lese z.B. auch regelmäßig die taz, den Spiegel bzw. die SZ in deren Online-Angeboten, auch wenn ich nicht jedem Artikel inhaltlich zustimme. Aber es gehört in der heutigen Zeit einfach dazu, um umfassend (!!) informiert zu sein.
Das erklärt zumindest, wie ihre oftmals romantisch verklärten Ansichten zu Stande kommen.
@hohehu, woher haben Sie die Zeit, sich so intensiv mit der Presselandschaft zu befassen? Mir als Rentner fällt es schon schwer, selbst nur eine Zeitung, wie die SZ meist "diagonal" zu lesen. Lese ich zu langsam oder was ist mein Problem?
@Gisela26, ich würde es nur positiv sehen, auch romantisch verklärte Ansichten zu haben. Leider kämpfe ich dagegen, mich in den allgemeinen Sog des Pessimismus' , der Panik und der Verschwörungstheorien mitreißen zu lassen. Das täte mir selbst und meiner Umgebung nicht gut. Ich möchte die Welt nicht retten. Aber ich möchte trotz aller Probleme auch Zuversicht vermitteln. Die realen Umstände in Deutschland machen es mir relativ leicht. Vielleicht bin ich doch ein "Glückspilz". (Obwohl ich viele Fehler in meinem Leben gemacht habe.) ;-)

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