Barcelona: Dem Terror entkommen

Freitagfrüh, 10.30 Uhr. Es ist ziemlich ruhig auf den Ramblas. An einem normalen Tag tummeln sich um diese Uhrzeit schon Tausende von Menschen hier. Heute aber ist nichts normal. Ich laufe mit meinem Freund und einem Kumpel auf dem Bürgersteig. Wir sehen die Absperrbänder und die fassungslosen Gesichter der Menschen, die in der Mitte der Las Ramblas gehen. Genau hier sind am Donnerstag mehrere Menschen bei einem Terroranschlag von einem Lkw-Fahrer tödlich oder schwer verletzt worden. Der Gedanke daran lässt mir ein Schauer über den Rücken laufen.

"El terrorismo: Das Wort ist überall zu hören"

Spanische TV-Journalisten führen Interviews mit Passanten auf der Straße, die Polizei hält Menschen zur Kontrolle an. Fahrzeuge kommen gar nicht erst durch. Die Anschläge sind Thema Nummer eins in Barcelona. Auch wenn wir die Sprache der Einheimischen nicht sprechen, das Wort „el terrorismo“ können wir verstehen.

 

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Die vielen Geschäfte, die sich auf der Einkaufsstraße im Herzen Barcelonas befinden, haben zum Teil geschlossen. Auch das Tor zur beliebten Markthalle Mercat de la Boqueria, in der man alles kaufen kann, was das mediterrane Herz begehrt – von frischen Früchten, Smoothies, Fisch, Fleisch, Gebäck und Käse – ist zugesperrt.

Kassiererinnen tragen schwarze Trauer-Schleifen

Wir laufen zu einem naheliegenden Supermarkt und nehmen Proviant für die Rückreise mit. Normalerweise stehen Kunden zehn Kassen zum Bezahlen zur Verfügung, heute sind es allerdings nur vier. Die Kassiererinnen sind freundlich, verabschieden sich mit einem Lächeln. Dass sich noch am Vortag vor der Eingangstür ein Horrorszenario abgespielt hat, merkt man ihnen nicht an. Manche tragen aus Solidarität auf ihren Polo-Shirts einen Sticker mit einer schwarzen Schleife.

Polizeipräsenz vermittelt Sicherheitsgefühl

Beim Herausgehen sehen wir einen Polizisten mit Maschinenpistole. Las Ramblas ist jetzt mit Panzerfahrzeugen abgeriegelt. So viel Polizeiaufgebot - das war in den vergangenen Tagen nicht so gewesen. Während unseres viertägigen Städtetrips in Barcelona, haben wir nur selten Polizei gesehen. Heute aber ist sie da – und wir fühlen uns sicher.

Am Vortag war das anders.

Weil der Wetterbericht für Donnerstag 32 Grad meldete, entschieden wir spontan, unseren Shoppingtrip auf Las Ramblas auf den Vormittag zu verlegen. Nachmittags gingen wir an den Strand an die Barceloneta. Mit Freunden wollten wir uns abends zum Gondelfahren verabreden – ein fulminanter Blick über die Stadt sollte den Abschluss unserer Reise krönen. Auf dem Weg zurück zur U-Bahn rief kurz nach 17 Uhr die Tante unseres Freundes aus Polen an und erkundigte sich, ob mit uns alles in Ordnung sei. Ein Anschlag hätte sich in Barcelona ereignet. Wo, wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Shoppingtour spontan auf Vormittag verlegt

Wir stiegen ein in die U-Bahn, wollten so schnell wie möglich zum Hotel kommen. Liceau wäre unsere Haltestelle gewesen, direkt an der Las Ramblas. Der Zug fuhr weiter ohne Anzuhalten. Wir passierten leere Stationen. Von da an war uns ziemlich schnell klar, dass sich der Vorfall an der Flaniermeile ereignet haben muss. Ein junges Mädchen aus Deutschland tippte mich von hinten an: „Du sprichst von einem Anschlag?“. Als ich ihr die Kurzmeldung von Spiegel-Online vorlas, schossen ihr die Tränen in die Augen. Ihr Freund, versuchte sie zu beruhigen.

Weiterfahren mit öffentlichen Verkehrsmittel unmöglich

Vier Stationen später hielt der Zug endlich an. Ein Weiterfahren mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln war nicht mehr möglich. Zwei Straßen weiter entdeckten wir Polizeibeamte. Sie empfehlen uns, in ein nahe liegendes Café zu gehen. Zum Hotel könnten wir erst mal nicht gehen, alles gesperrt. Wir fanden ein Café, in dem wir uns eine Stunde lang aufhalten konnten. Danach machte es zu – „zu gefährlich“, sagte uns die Bedienung. Wir liefen weiter auf die Hauptstraße. Die Meldungen überschlugen sich, angeblich hielt der Täter Geiseln in einem Restaurant fest.

"Endlich heil und unverletzt im Hotel"

Schnell wollten wir zum Hotel kommen. Fast alle Taxen waren besetzt, Sirenen waren zu hören. Endlich fanden wir ein Taxi, das uns tatsächlich direkt zum Hotel fahren konnte. Ich fragte den Taxifahrer, ob er Angst habe. "Angst?“, fragte er mich. „Nein, ich habe keine Angst. Sie haben doch einen schon gefasst. Du kannst ruhig raus gehen. Genau das wollen doch diese Leute erreichen, dass wir uns ängstigen und nicht mehr vor die Tür gehen.“

Wir sind froh, endlich im Hotel angekommen zu sein. Heil und unverletzt.

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Kommentare

YEAH! Drei Hipster, die mit Peace- / Victory-Zeichen cool in die Kamera lächeln. Schließlich hat Sie der Terror glücklicherweise nicht getroffen und selbst der Taxifahrer Ihnen gerade noch beruhigend versichert:

„Nein, ich habe keine Angst. Sie haben doch einen schon gefasst. Du kannst ruhig raus gehen. Genau das wollen doch diese Leute erreichen, dass wir uns ängstigen und nicht mehr vor die Tür gehen.“

ES REICHT!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! WIRKLICH!!!!!!!!!!!!!!!!
Ja, ich fürchte auch, die Gesten sind leider völlig unpassend!
Wir müssen uns eben an den tagtäglichen Terror gewöhnen... haben sie uns erzählt...
Ein Selfie nach der Landung in Frankfurt. Und drei Menschen, die sich freuen, wieder zu Hause zu sein. Ist doch großartig!
"Das Auswärtige Amt kann nach eigenen Angaben derzeit weder bestätigen noch ausschließen, dass bei den Angriffen auch Deutsche ums Leben gekommen sind. Allerdings wurden 13 Deutsche in Barcelona verletzt. Einige von ihnen erlitten so schwere Blessuren, dass sie um ihr Leben kämpfen, wie ein Sprecher sagte." (Quelle: n-tv.de)

Ist doch großartig! /Sarkasmus Ende
Falls Sie es noch nicht gemerkt haben sollten, werte Frau Eschenbacher: Der Kurier ist kein privates Facebook-Profil, wo man Freunden und Verwandten mit so einem Foto kommunizieren könnte, dass es einem selbst gut geht und die Lieben sich keine Sorgen machen müssen ...
@marcharettla:
Daran müssen wir uns leider gewöhnen: ein Provinzblättla will so sein wie das große Boulevardblättla das nicht umsonst "B.L.Ö.D.-Zeitung genannt wird. Und Kritik? Kritik lassen die vom NK schon mal gar nicht zu - eher spielt man die beleidigte Leberwurst...
So ist es leider!
Nicht einmal konstruktive Kritik ist erwünscht! So kann man natürlich auch zu Abonnementkündigungen beitragen.
Zu bestimmten heiklen Themen werden gleich gar keine Kommentare zugelassen... dies nennt man auch Maulkorb!
Ironie AN: Genau. Und deshalb haben wir auch hier alle kritischen Kommentare gelöscht. Und deshalb stellen wir unsere Artikel hier nicht zu Diskussion und auch nicht auf unserer Facebookseite. (Ich schalte die Ironie vorsichtshalber gar nicht aus.)
Sie sollten vielleicht besser nicht jede Kritik ins Lächerliche zu ziehen versuchen. Das wirkt nach außen hin gelinde gesagt wenig professionell.

Mit den Artikeln, zu denen keine Kommentare erlaubt waren, meine ich übrigens ganz konkret diese hier:

http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/bekennt-sich-zu-terror-von-barcelona_598823
http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/las-ramblas-versinken-blutigem-terror_598890
Wie ich schon erwähnte, man spielt gerne die beleidigte Leberwurst gell, Herr Kircher! Weniger (noch besser - gar nichts) wäre nicht nur in diesem Falle garantiert mehr, ob mit oder ohne "Ironiemodus"...
Jedoch ist zu registrieren: es war schon mal schlimmer mit der „Kurierzensur“.

Erinnert sei an einen Chefredakteur, der sich endlose Diskussionen mit Abonnenten lieferte. Er hatte das Problem, eine andere Meinung einfach als andere Meinung stehen lassen zu können.

Oder an eine Frau Kerstin Fritsche (gibt’s die überhaupt noch beim NK?), die uns regelmäßig an ihrem Leiden hat teilnehmen lassen.
Nämlich, ständig einen „dicken Hals“ zu bekommen, wenn ihr Lieblingsthema „Flüchtlinge“ nicht in ihrem Sinne auslegt wurde.

Sie vermutete auch ab und zu eine Verschwörung hinter einem Kommentar.
Daraus folgte dann die Frage „Welches Spiel spielen Sie?“
Wenn sie beleidigt war, verabschiedete sie sich gerne mit dem Satz: „Schönen Tag noch“



Sehr richtig, HerwardRegnar!
Frau Fritzsche ist seit ca. April beim SWR (nein - nicht beim Fernsehen!!). Internet halt.
Vielleicht findet sie ja in Stuttgart einen Friseur...
Jedenfalls war sie tatsächlich immer recht patzig ihrer Kundschaft gegenüber.
In der Tat... sollte und darf so einfach nicht passieren!
Ich vermute, Frau Eschenbacher hält es nach islamistischen Anschlägen genau wie Ralf Stegner von der SPD – nach dem Motto "Don't worry, be happy":

" Auch Ralf Stegner erhielt empörte Reaktionen auf einen Kommentar bei Facebook. Dort schrieb der SPD-Vize am Freitag: „Wieder ein furchtbarer Terroranschlag. Mein Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Familien und Freunden. Die Demokratie darf vor dem Terrorismus niemals zurückweichen!“

Hätte Stegner es dabei belassen, wäre ihm der Spott vermutlich erspart geblieben. Doch der SPD-Politiker setzte seinen Eintrag wie folgt fort: „Für mich geht es nun in die Schlußkurve von den Shetlandinseln über das norwegische Bergen zurück nach Schleswig-Holstein. Mein Musiktipp für Euch da draußen im digitalen Orbit ist von Dougie MacLean – ‘Caledonia’. Schönen Freitag.“ Seinen Eintrag zum Terroranschlag endete Stegner mit einem Zwinkersmiley" (Quelle: jungefreiheit.de – ein anderes Medium wird diesen Vorfall wohl nicht aufgreifen...)
Sie können natürlich eine Vermutung in die Welt setzen. Oder Sie schreiben der Kollegin einfach eine Mail und fragen. Dann bekommen Sie bestimmt eine Antwort und müssen nicht vermuten.