Las Ramblas versinken in blutigem Terror

Der Schrecken nähert sich unerwartet um kurz nach 17 Uhr auf Barcelonas berühmter Flaniermeile Las Ramblas. Viele Menschen schlendern bei sonnigem Sommerwetter an Geschäften und Restaurants vorbei, als plötzlich ein weißer Lieferwagen auf sie zurast. Laut Augenzeugen fährt ein Mann mit hoher Geschwindigkeit Zickzack auf die Leute zu. Anschließend flieht er. Der Täter hinterlässt eine Spur aus Blut und Tränen. Mindestens zwölf Menschen sterben.

Straße voller Menschen

„Leute sind durch die Wucht des Aufpralls in alle Richtungen geschleudert worden“, zitiert die Zeitung „El País“ eine Augenzeugin. „Auch drei Fahrradfahrer wurden getroffen.“ Die Zeitung „La Vanguardia“ schreibt: „Zum Zeitpunkt der Kollision waren die Ramblas voller Menschen, denn es ist gerade Hochsaison.“

Ein französischer Tourist berichtet dem Sender BFMTV, er habe sich gerade noch vor dem Lieferwagen retten können, aber ein Passant direkt hinter ihm sei angefahren worden. „Als das Fahrzeug vorbei war, haben wir denen geholfen, die am Boden lagen“, sagt der Mann. 

Totales Chaos

Dann herrscht für Stunden totales Chaos. Ständig sind Sirenen zu hören, Rettungswagen eilen durch die Stadt. Die Polizei will aber lange nicht von „Terror“ sprechen. Am Abend erklärt sie via Twitter, der Zwischenfall werde wie eine Terrorattacke behandelt - aber das Motiv sei unklar. Kurz vor 19 Uhr kommt dann die offizielle Bestätigung: Nach Nizza, Paris, Berlin und London ist auch Barcelona ins Visier von Extremisten gerückt.

 

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Kurze Zeit später bekennt sich die IS-Terrormiliz zu dem Anschlag. Einer „der Soldaten des Islamischen Staates“ habe die Tat ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak im Internet unter Berufung auf nicht näher genannte Sicherheitsquellen.

"Das sind Mörder"

Die katalanische Regionalregierung offenbart am Abend die erschreckende Bilanz: Mindestens ein Dutzend Menschen sind tot, 80 weitere liegen mit teils schwersten Verletzungen im Krankenhaus. Das spanische Könighaus reagierte entsetzt: „Das sind Mörder, einfach Kriminelle, die uns nicht terrorisieren werden“, schrieb der Palast auf Twitter. 

Wie in einer Kriegszone

Der deutsche Augenzeuge Albert Zeitler berichtet der Deutschen Presse-Agentur, die Polizei habe mit Bändern die Straße abgesperrt. Menschen seien in Panik umhergelaufen. „Eine Person lag verletzt oder tot, ich weiß es nicht, auf dem Boden“, sagte Zeitler, der seit einiger Zeit in Barcelona lebt. In einer Querstraße zum Museum für zeitgenössische Kunst sei es wie in einer „Kriegszone“ gewesen, erzählte Zeitler weiter. „Polizisten mit Maschinengewehren und Gewehren im Anschlag kamen in der Straße auf mich zugerannt.“

Umgehend sicherten Einsatzkräfte auch andere touristische Hotspots der Stadt, darunter die weltberühmte Basilika Sagrada Familia. Das Zentrum der Stadt sei kurz nach dem Anschlag völlig leer gewesen, berichteten Menschen in Barcelona. Vielen Bürgern stand der Schock ins Gesicht geschrieben. Vor den Fernsehkameras brachen einige in Tränen aus.

Festnahmen

Der Fahrer war zunächst auf der Flucht, wurde aber am Abend nach Polizeiangaben gefasst. Der Mann komme aus Marseille und habe nordafrikanische Wurzeln, berichteten katalanische Medien. Zwei weitere Männer seiken auf der Flucht, hieß es. Später wurde eine zweite Festnahme bestätigt. Zeugen berichteten auch von Schüssen, was von der Polizei aber zunächst nicht bestätigt wurde.

Auf Videos waren Menschen zu sehen, die in Panik flüchteten, während Polizei- und Krankenwagen zum Ort der Attacke rasten. Laden- und Barbesitzer schlossen Türen und Fenster und ließen die Rollläden herunter. Offenbar hatten viele verängstigte Passanten in umliegenden Gebäuden Schutz gesucht. Später wurden sie unter Polizeischutz hinausbegleitet.

Aufruf zu Blutspenden

Die Sicherheitskräfte sperrten das Gebiet weiträumig ab und forderten die Bevölkerung immer wieder eindringlich auf, den Ramblas fern zu bleiben. Die Krankenhäuser in der katalanischen Metropole riefen zu Blutspenden auf.

Zuletzt war Spanien vor mehr als 13 Jahren Opfer von islamistischem Terror geworden. Bei verheerenden Bombenattacken an Madrids Atocha-Bahnhof waren im März 2004 insgesamt 192 Menschen getötet und mehr als 2000 verletzt worden.

 

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