Antonia Fournier bringt's auf den Punkt

Für den Besucher der Sonderausstellung wird schnell ersichtlich, welch eine ausgesprochen gute Beobachtungsgabe die Grafikerin besitzt. Ihrer Tuschefeder entspringen die verschiedensten Gestalten: der von einem „Hexenschuss“ gebeugten Mann, die „Schulmeisterin“ mit dem erhobenen Zeigefinger oder der „Dicken“ und sein Kugelbauch. „Ich sehe genau hin. Der Strich muss sitzen“, sagt die 73-Jährige, die mit wenigen, schwungvollen, präszisen Linien Menschen porträtieren kann. Teils so überzeichnet, dass aus den Porträts Karikaturen werden.

Humorvolle Charakterstudien

Doch den Begriff mag Antonia Fournier nicht sonderlich, lieber ist ihr die Bezeichnung Charakterstudien. Diese stammt von der Kunsthistorikerin Denise Steger, deren Beobachtungen Museumsleiterin Sandra Bali vortrug. Antonia Fourniers Werke erzählten „vom Charakter der Menschen, der Tiere, einer Landschaft und letztendlich von der Seele.“ Und das mit einem Augenzwinkern, einem hintergründigen Humor, der wohl auch der Grafik-Designerin und Grafikerin innewohnt.

Arbeiten sprechen für sich

Aufgewachsen ist die Zeichnerin und Illustratorin in Berlin, wo sie an der Hochschule der Künste studierte. Nach dem Abschluss war sie für Konzerne und in der Werbung tätig, bis sie sich in den achtziger Jahren selbstständig machte. Seit 18 Jahren lebt Antonia Fournier zurückgezogen im Westerwald. In der langen Zeit künstlerischer Tätigkeit entstand eine große Zahl an Arbeiten, mit denen sie an mittlerweile 140 Gruppen- und Einzelausstellungen teilnahm. Bei der Vernissage in Thurnau fasste sie sich knapp: „Ich bin keine große Rednerin, meine Arbeiten sagen mehr aus als ich.“ Unter den ausgestellten Charakterköpfen finden sich immer wieder Menschen aus ihrem Bekanntenkreis, schildert Antonia Fournier in sparsamen Worten. Ein wenig schroff wirkt sie da bei, doch anhand ihrer Arbeiten ist zu erkennen, dass sie ihre Umgebung mit einem menschenfreundlichem Blick wahrnimmt.

Jeder kommt mal dran

Auch wenn sie die Eigenheiten und Unarten des Menschen nicht ausspart, ob die des Dorfpfarrers oder die der Chorsängerin, bleibt sie mild. „Jeder kommt mal dran“, lautet die Devise und genauso heißt auch ihr Buch aus Kurztexten und Karikaturen. Das Minimalistische ist die Spezialität der Künstlerin, die allerdings genauso ausladend, detailreich und farbenfroh in ihren Kinderbüchern „Antoninchen“, „Möchteschön“ und „Leopold Maus“ werden kann.

Einige Motive wie der Prophet, Hühner und Raben sind in mehreren Varianten zu sehen, mythologisch, skurril, märchenhaft. Mal mit feinen Linien, mal mit dick aufgetragenem Strich, großzügig Weißraum lassend oder sich ins Schwarze verlierend. Manches gleitet ins Fantastische über wie die Reise durch einen Fuß, die schlicht „Durchgangsverkehr“ heißt.

Das Unsichtbare hervorholen

Landschaften wie der „Wintermond“ und die einsame „Hütte“ scheinen eine melancholische Stimmung zu verbreiten. Für die Künstlerin hingegen strahlt der vielsagende Kontrast zwischen Schwarz und Weiß „Dynamik und Kraft“ aus, etwa in den Bildern „Gräser“ und „Novembertag“. Hinter der sichtbaren Welt verbirgt sich noch eine andere – und diese versucht die Künstlerin, aus der Unsichtbarkeit zu holen.

Info: Die Arbeiten von Antonia Fournier werden vom 15. Oktober bis zum 6. Januar im Töpfermuseum Thurnau ausgestellt. Geöffnet Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr, Donnerstag von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06