Zukauf Autozulieferer Kneitz stellt sich breiter auf

Die Gittergelege aus Carbon oder Glasfaser werden in Hof produziert. Sibylla Naumann, Geschäftsführende Gesellschafterin der Wilhelm Kneitz Textile Gruppe und ihr Ehemann Matthias Naumann, Geschäftsführer der neuen Wilhelm Kneitz Solutions in Textile (SiT), zeigen die neuen Produkte. Foto: Roland Töpfer

WIRSBERG/HELMBRECHTS. Der Autozulieferer Kneitz AG (Wirsberg/Landkreis Kulmbach) stellt sich breiter auf und hat vom Helmbrechtser Schal-Hersteller V. Fraas GmbH den Bereich Solutions in Textile übernommen. Neben seinen Stoffen für Autositze produziert Kneitz damit nun auch Glasfaser und Carbonfaser für die Baubranche.

Stammunternehmen und Zukauf wurden in einer neuen Holding gebündelt. Dies diene der „Absicherung der beiden Firmen“, sagt Geschäftsführende Gesellschafterin Sibylla Naumann im Gespräch mit unserer Zeitung. 

Ihr Mann Matthias, ein Architekt, führt die neu hinzugekommene Firma Wilhelm Kneitz Solutions in Textile, kurz SiT. Sie stellt auf drei Wirkmaschinen in Hof Gittergelege aus Carbon oder Glasfaser her, die in der Baubranche als Verstärkung für den Beton verwendet werden und die herkömmlichen Stahlgitter ersetzen können. Für das Transportgewerbe produziert SiT nahtlose Netze zur Sicherung von Ladungen. 

Die zugekaufte Firma hat zwölf Mitarbeiter und macht 1,5 Millionen Euro Umsatz. Produziert wird in Hof, veredelt in Helmbrechts. Nicht ausgeschlossen ist, dass Kneitz seinen Neuerwerb räumlich künftig näher ans Stammwerk rücken will. Auf dem Grundstück der Kneitz AG fehlt dazu allerdings der Platz. 

Warum hat V. Fraas eigentlich diesen Bereich verkauft? Die Firma müsse sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, erklärt Sibylla Naumann. „Wir wurden angesprochen.“ Man habe einen „angemessenen Preis“ bezahlt. Strategische Wunschvorstellung von Sibylla und Matthias Naumann ist, dass SiT einmal ähnlich stark und ähnlich groß wird wie das Mutterunternehmen. Mit dem Zukauf sei man in der textilen Welt geblieben.

Matthias Naumann sieht großes Potenzial in der Betonsanierung, „ein großes, weites Feld“.  SiT-Produkte rosten nicht, bräuchten weniger Platz und kosteten nicht mehr oder sogar etwas weniger als Stahl. Das Geschäft mit Sitzstoffen für die Autoindustrie hat sich bei Kneitz etwas abgekühlt. Der Umsatz sank in den letzten Jahren leicht auf zuletzt 43 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2017/18 (30.6.). Die Zahl der Beschäftigten liegt aktuell bei 140, in früheren Jahren waren es 150. Drei, vier Tage im Monat gebe es Kurzarbeit, sagt Sibylla Naumann.

Entlassungen seien nicht geplant, aber das Geschäft werde nicht einfacher. „Wir rechnen mit Umsatzverlusten. Wenn weniger Autos verkauft werden, verkaufen wir weniger Stoff.“ Die Auftragslage sei extrem volatil. Da gebe es schon mal wöchentliche Sprünge von Kurzarbeit auf Sonderschicht.

Das Unternehmen schreibt weiter Gewinne und will vor allem auf eine künftig gute Auslastung hinarbeiten. Größter Kunde ist Audi, gefolgt von BMW und VW. Auch Seat und Skoda werden beliefert. Naumann will versuchen, sich auch im Kernbereich etwas vom Auto zu lösen und Busse, Bahn oder Laster mit Kneitz-Stoffen auszustatten. Ein erster, kleiner Erfolg ist gelungen: Ab 2020/21 ist Kneitz bei MAN für große Lastwagen gelistet. 

Die Stoffe für Autositze werden immer komplexer. Sie sollen wärmen, kühlen, mit Sensoren ausgestattet sein. „Das fordert uns als Kleinen extrem. Es gab noch nie so viele Forschungsprojekte auf einmal.“ 

 

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