Wohnen im Alter Bayreuth ist spät dran

Ein Rollstuhl im Treppenhaus - und wie kommt der Rollstuhlfahrer ins Obergeschoß? Der Bedarf an barrierearmen Wohnungen steigt, so eine Studie. Auch in Bayreuth ist es schwer, an bezahlbaren barrierearmen Wohnraum zu kommen. Foto: Archiv/dpa/Arno Burgi

KOMMENTAR. Vor einer "grauen Wohnungsnot" haben Experten in diesen Tagen gewarnt. Der Grund: Der Bedarf an geeignetem Wohnraum im Alter steigt stärker als das Angebot, und viele Alterseinkommen dürften damit nicht Schritt halten. Bayreuth beginnt gerade erst, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Hinter dieser Redewendung steckt die Erkenntnis, dass die meisten Menschen im Alter möglichst lange in ihren vier Wänden wohnen bleiben wollen, in denen sie die zurückliegenden, vielleicht sogar die meisten Jahre ihres Lebens verbracht haben. Es gibt vieles, was man tun kann, um diesen Wunsch zu erfüllen: ambulante Pflege, Nachbarschaftshilfe, ehrenamtliches Engagement, den Umbau zu einer barrierearmen Wohnung, in der man auch mit Handicaps leben kann.

Grenzen des Möglichen

Aber es gibt auch Grenzen des Möglichen. Wenn Pflege zuhause nicht mehr geleistet werden kann; oder wenn in der Wohnung, die früher Raum für eine mehrköpfige Familie geboten hat, nur noch ein Bewohner lebt, dem sie deutlich zu groß und vielleicht auch zu teuer ist. Laut Statistik beträgt die Pro-Kopf-Wohnfläche in Seniorenhaushalten 59 Quadratmeter, der Durchschnitt aller Altersgruppen liegt mit 46,5 Quadratmetern deutlich darunter. Und noch einmal Zahlen: 90 Prozent der Senioren leben in ihren eigenen Wohnungen, aber nur fünf Prozent davon sind barrierefrei.

Mehr Nachfrage

Die Zahl der alten Menschen wird zunehmen, wenn die Babyboomer in die Jahre kommen, und zwar nach jetzigem Stand stärker als die Zahl der seniorengerechten Wohnungen. Und immer mehr Senioren werden sich immer teurere Wohnungen nicht leisten können, weil die Rente mit den Mietsteigerungen nicht mithält.

Keine Ahnung von der Lage

All das legt den Schluss nahe: Es besteht Handlungsbedarf auf dem Wohnungsmarkt – nicht nur für junge Mieter, sondern auch für die alten, die einen Umzug oder den Gang zum Wohnungsamt eher scheuen und sich still halten. Die Situation mag in Bayreuth weniger dramatisch werden als in Ballungsräumen, aber so ganz genau weiß das eigentlich niemand. Deshalb ist es gut und richtig, dass sich die Stadt Bayreuth auf einem Wohnungsgipfel demnächst einen Überblick verschaffen will, um die Lage vor Ort einzuschätzen. Warum eigentlich erst jetzt?

Noch kein Konzept

Und warum gibt es hier noch keine neuen Wohnmodelle für das bunter gewordene Leben im Alter in WGs, Genossenschaften oder Mehrgenerationenquartieren? Für das angedachte Quartier am Standort des Rathauses II wird gerade noch ein Konzept gesucht, die Umsetzung von Keine-Ahnung-Was wird also noch Jahre dauern. Andere Städte sind da deutlich weiter als Bayreuth.

 

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