Wildruhezonen im Veldensteiner Forst sollen vor Schäl- und Verbissschäden schützen Damit das Rotwild seine Ruhe hat

Wildruhezonen im Veldensteiner Forst. Foto: Ralf Münch

Ein Winterwaldspaziergang ist schon etwas Schönes. Schnee knirscht unter den Füßen, ruhig ist es. Entspannung an der frischen Luft. Aber es gibt auch Regeln. Und eine davon steht auf Schildern im Veldensteiner Forst. Darauf steht: Betreten verboten.

Man muss schon genau hinschauen, dass man das kleine Schild am großen Stern, einem Punkt, an dem sich mehrere Wanderwege treffen, zu sehen. Verwittert ist es, kaum lesbar und leicht abseits der Wanderwege. Um es lesen zu können, müsste man erst einmal einen kleinen Hügel hinauf laufen. „Wildruhezone, betreten verboten“ steht da. Aber nur in bestimmten Monaten. Von Oktober bis April. Unter darunter ein Schild: „Dieser Bereich wird Videoüberwacht.“

Zwei Ruhezonen sind eingerichtet

„Wir hatten 2013 mit Absprache des Landratsamtes zwei Wildruhezonen eingerichtet“, sagt Frank Pirner, Leiter der Bayerischen Staatsforsten Pegnitz. Eine dieser Zonen ist 150 Hektar groß und liegt nördlich des Wildgeheges Hufeisen, das andere ist 240 Hektar groß und liegt in dem Bereich des Mittelfriedweihers. Es ist sind eigentlich kleine Bereiche, wenn man bedenkt, dass der Veldensteiner Forst stattliche 6500 Hektar hat. Und Pirner weiter: „Ja, ich weiß, dass man die Schilder kaum sehen kann. Das hab ich auch schon gehört. Wir haben da auch jetzt schon neue in Auftrag gegeben. Und weshalb wir die von den Wegen zurück gesetzt haben, hat den Grund, dass sie von Forstmaschinen immer wieder umgefahren wurden.“

Es geht um den Waldumbau

Wer denkt, dass diese Wildruhezonen eingerichtet wurden, um das Wild nicht unnötig zu stressen, der irrt. Denn hier geht es um etwas anderes. Auch wenn es sich merkwürdig anhört: Es geht nicht um den Tierschutz, es geht mehr um den Wald. Um den Waldumbau, der gerade vor sich geht. Um den Wald „zukunftsfähig“ zu machen.

Pirner erklärt, dass im Winter das Rotwild wie ein „Maulesel“ herum steht, sich kaum bewegt, den Stoffwechsel herunter fährt. Weil es eben mit seinen Fettreserven haushalten muss. Wenn es jetzt gestört werden würde und flüchtet, dann werden viel mehr Reserven verbraucht. Und das führt wiederum dazu, dass es mehr Schäl- und Verbissschäden verursachen würde – das, was angepflanzt wurde, wird so kaputt gemacht.

Gebiete gründlich ausgesucht

Darüber, dass es diese Sperrgebiete gibt, sind manche gar nicht so begeistert. Pirner: „Wir haben diese Gebiete nicht willkürlich, sondern gründlich ausgesucht. Zum einen war das Ziel, dass das Rotwild gefüttert werden kann ohne es zu stören. Zum anderen sehen wir den Wald auch als Naherholungsgebiet. Also mussten Areale her, die die Wanderwege möglichst wenig tangieren.“ Man wollte diese Gebiete eben dort einrichten, wo es möglichst wenig intensiv genutzte Wanderwege gibt.

Eine Frage stellt sich allerdings. Weiß das Rotwild denn selber, dass es da in einer Wildruhezone herum steht? Der Forstbetriebsleiter meint schon. Die Tiere seien sehr schlau, meiden Gebiete, in denen sie von Wanderern oder landwirtschaftlichen Maschinen gestört werden und ziehen sich in Gebiete zurück, wo das eben nicht so der Fall sei. Und in Wildruhzonen werde nur an einem Tag im Jahr gejagt. Das sind dann keine Einzeljagden, sondern sogenannte Drückjagden wo 50 bis 60 Leute dabei sind. Dann hat das Wild die restlichen 364 Tage dort wieder seine Ruhe.

Silvesterknaller spielen keine Rolle

Und wie verhält es sich an Silvester, wenn tausende von Raketen in die Luft gepustet werden, ist das keine Ruhestörung? Pirner kann das nicht beurteilen. Aber er meint, dass das nicht eine so große Rolle spielt. Zum einen wird das ja nicht direkt im Wald gemacht, zum anderen ist das nur an einem Tag für ein paar Minuten. „Sehen Sie sich mal das Truppenübungsgelände in Grafenwöhr an. Dort leben, wo es wirklich viel knallt, sehr viele Tiere. Ich denke nicht, dass Silvesterballerei die Tiere im Wald zu sehr stört.“

Schon totes Rotwild gefunden

Videoüberwacht, wie es auf dem Schild das ein Jäger angebracht hat steht, wird der Bereich allerdings nicht. An den Futterstellen seien zwar Wildkameras, aber weniger, um das Wild zu überwachen, als mehr, um zu überprüfen, ob sich an diesen Stellen Wölfe aufhalten. Man hatte schon totes Rotwild gefunden, das von einem Wolf gerissen wurde. „Privat darf man im öffentlichen Bereich gar keine Wildkameras aufhängen“, sagt Pirner und zeigt eine, die sie erst vor ein paar Wochen an einem Baum gefunden hatten. Auf der Rückseite stand sogar eine Mobilfunknummer. Man hatte dort angerufen und gemeint, dass der Besitzer sie wieder abholen kann. Bisher war aber noch keiner da.

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