Urteil des Landgerichts: Siebeneinhalb Jahre für Heroinschmuggel

Im Fall eines ausgeklügelten Heroinschmuggels aus den Niederlanden nach Bayreuth hat das Landgericht sein Urteil gefälllt. Foto: Arne Dedert , dpa-Archiv

BAYREUTH. „Hohe kriminelle Energie“ sieht die Strafkammer des Landgerichts in dem Heroinhandelssystem eines 26-jährigen Bayreuthers. Gegen den Mann verhängte das Gericht am Dienstag eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren. Ein altgedienter Kriminalhauptkommissar der Drogenfahndung bescheinigte dem Angeklagten eine „gewisse Klasse“ und sprach von einem der größten Fälle seiner Laufbahn.

Die vom Gericht unter Vorsitz von Michael Eckstein verhängten siebeneinhalb Jahre muss der heroinsüchtige Angeklagte nicht ganz und nicht alle im Gefängnis absitzen – aber nur wenn es für ihn optimal läuft: Nach 21 Monaten im Gefängnis kommt er zur ebenfalls angeordneten Therapie ins Bezirkskrankenhaus. Dort soll er 18 Monate lang Methoden lernen, wie er künftig Drogenrückfälle vermeidet. Der Mann konsumiert Rauschgift, seit er elf Jahre alt ist. Sein Verteidiger Jochen Kaller beschrieb das Problem seines Mandanten mit einem griffigen Satz: „Wer massiv konsumiert, der handelt auch massiv und dann wird das kriminelle handeln zum Selbstläufer.“

Kaller hatte nur fünf Jahre beantragt, Staatsanwalt Florian Losert dagegen zehn Jahre. Beide wollten das Geständnis des Angeklagten positiv gewürdigt wissen.

Ein V-Mann gibt einen wichtigen Hinweis

Die Zeugenaussagen mehrerer Kriminalbeamter zeigten auf, wie die Ermittler dem geschickt getarnten Handelssystem des Angeklagten auf die Spur kamen. Ein V-Mann berichtete seinem Führungsbeamten im März 2017, dass der Angeklagte in der Szene Heroin verkaufe. Mit diesem Hinweis bekam die Kripo einen richterlichen Beschluss zur Telefonüberwachung und stellte fest, dass der Angeklagte neben seinem offiziellen Mobiltelefon ganz offensichtlich ein zweites Gerät mit nicht bekannter Nummer benutzte. Erst über Umwege konnten die Spezialisten auch das zweite Handy „klemmen“. Die Ermittler erfuhren so von einem Deals mit 200 Gramm Heroin im Wert von 8470 Euro. Sie erfuhren auch, dass der Stoff aus den Niederlanden per Postpaket an eine bestimmte Adresse in Bayreuth gehen sollte. Mit einem Beschlagnahmebeschluss wurde das Paket angehalten. Der Hauptkommissar: „Als das Heroin nicht ankam, gab es in der Szene reichlich Nervosität.“

Kurz darauf wurde der Angeklagte in Aichig verhaftet. Im Garten fand ein Rauschgifthund eine größere Mange Marihuana. Unter dem Bett der Mutter des Angeklagten – sie ist ebenfalls rauschgiftsüchtig – kamen 37 000 Euro zum Vorschein. Das Geld wurde vom Landgericht am Dienstag offiziell als Drogengeld beschlagnahmt, der Angeklagte erklärte sich damit einverstanden.

Aufgrund der Telefonüberwachung konnte die Kripo auch das getarnte Handelssystem des 26-Jährigen knacken: Nur einmal hatte er in den Telefonaten das Wort „Western Union“ benutzt. Die Nachforschungen der Finanzermittler erbrachten 36 Bargeldtransfers im Gesamtwert von fast 60 000 Euro, die über Belgien an den Lieferanten in die Niederlande gingen. Die Summe entspricht rund zwei Kilo Heroin. Einen Teil des Rauschgifts konsumierten der Angeklagte und ein mutmaßlicher Helfer, der Rest wurde verkauft. Der die Ermittlungen leitende Hauptkommissar berichtete über die in die Taten des Angeklagten verstrickten Personen dies : „Ich bin seit 30 Jahren Drogenfahnder, so viele kaputte Leute hatte ich noch nicht in einem Fall. Das ist erschreckend.“

 

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