Treue Gäste Seit 60 Jahren jedes Jahr zum Urlaub nach Bischofsgrün

Sie kommen seit 60 Jahren jährlich zum Urlaub nach Bischofsgrün: Hilde und Gerda Marcinkowski, im Bild mit Irene Einert. Foto: Andreas Gewinner

Bischofsgrün. Seit sage und schreibe 60 Jahren kommen Hilde und Gerda Marcinkowski zum Urlaub nach Bischofsgrün. Eine Geschichte von treuen Gästen und von besonderen Gastgebern.

1959. Da hieß der deutsche Bundeskanzler noch Adenauer, und John F. Kennedy war nur ein ehrgeiziger junger Senator, dessen Namen in Deutschland noch kaum jemand kannte. Die Berliner Mauer war noch nicht gebaut. Im gleichen Jahr kamen Hilde und Gerda Marcinkowski, damals 23 und 27 Jahre jung, erstmals nach Bischofsgrün. Gewohnt haben sie bei Katharina („Frieda“) Häfner im Birnstengel. Es war die Zeit, als in Bischofsgrün im Sommer Kinder und Jugendliche ihre Zimmer räumen mussten, wenn die Kurgäste kamen. So ging es auch Irene Einert, geborene Häfner, damals zehn Jahre alt, als die beiden Schwestern aus Bergedorf bei Hamburg erstmals kamen.

Zu Fuß nach Wunsiedel

Sie besuchten die Fahnenweihe bei der Birnstengler Feuerwehr, wanderten zu Fuß nach Wunsiedel und zurück. Und waren von Anfang an ein Teil der Familie Häfner. „Nach all dem Schönen, was wir erlebt und gesehen haben, wollen wir nun auf Wiedersehen sagen“, schrieben sie nach ihrem ersten Aufenthalt ins Gästebuch von Frieda Häfner. „Das Versprechen haben wir gehalten“, sagt Hilde Marcinkowski 60 Jahre später. Seither sind sie jedes Jahr nach Bischofsgrün gekommen, bis heute. Seither erlebten sie die Wiederöffnung des Schneebergs mit, und 1993 mussten sie sich vor einem Minitornado in Sicherheit bringen, der sie unter freiem Himmel ereilte. „Wir stellten uns bei Rolf Greiner unter, während Stühle durch die Luft flogen“ erinnert sich Gerda Marcinkowski: „Immer wenn was los war, waren wir dabei!“ Und wenn in Bischofsgrün der Schneemann entsteht, sind sie am Fernseher dabei.

Mittwochs ein Ei

In 60 Jahren Urlaub in Bischofsgrün formen sich so manche Rituale. Abendessen in der Hammerschmiede mit Spaziergang durch den Naturkurpark am Weißen Main entlang. Die Wanderausflüge nach Wülfersreuth, wenn Lupinen und Ginster blühten. Sie schwärmen von den Klößen und der Meerrettichsoße in Wülfersreuth, von den Fleischspießen, die es in der Gehrenklause gab. Und vor allem von der Gastfreundschaft bei Häfners. Dort wurden Butter und Brötchen nicht rationiert wie bei manchen anderen Gastgebern. Und stets sonntags und mittwochs gab es ein Ei. Mittwoch, weil da die Woche geteilt wird, so die Begründung von Frieda Häfner, erinnert sich Gerda Marcinkowski schmunzelnd.

Sie kommen wieder

Es gibt Dinge, die ändern sich. Die Häfners vermieten nicht mehr, seither wohnen die beiden Schwestern in der Kaiseralm; in der Gehrenklause oder in Wülfersreuth kann man nicht mehr einkehren. Früher kamen sie mit der Bahn, heute mit dem Bus. Und es gibt Dinge, die sind in 60 Jahren gleich geblieben. Der Familienanschluss bei den Häfners, heute in Person von Heinz und Irene Einert, ist geblieben. Und „die Freundlichkeit der Menschen“, sagt Gerda Marcinkowski. Dass sie im Ort, in den Geschäften, im Modestadl oder im Schreibwarengeschäft Zeh wie alte Bekannte, ja wie Einheimische begrüßt werden: „Bischofsgrün ist unsere zweite Heimat. Das ist wie wenn man zu Hause ist“.

A diesem Samstag besteigen sie wieder den Bus Richtung Hamburg. Aber der nächste Aufenthalt in Bischofsgrün im Juli ist bereits gebucht.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading