Therme: Dunkle Wolken über Obernsees

In Mistelgau wird die Bedeutung der Therme Obernsees für die Gemeinde verkannt, findet Redakteur Thorsten Gütling. Foto: Andreas Harbach

Der Streit um die Frage, wer künftig welchen Anteil an den Kosten der Therme übernimmt, trifft den aufkeimenden Tourismus in Obernsees zur Unzeit. Dabei müsste über Geld tatsächlich gesprochen werden. Weil große Investitionen anstehen.

Womit werben im Hummelgau? Eine Urwelterlebnisgrube wird es nie geben. Der Kindererlebnisweg Mengersdorf alleine lockt kaum jemanden hinter dem Ofen hervor. Und die Neubürg? Die ist so spärlich besucht, dass sich diese Woche dort unbemerkt tonnenschwere Fundamente für Kunstobjekte stehlen ließen. Wer also würde sein Erspartes dort in einen Wohnmobilstellplatz, in ein Ferienhaus, oder – wie es bald möglich sein soll – in ein Ferienbaumhaus investieren, wenn es die Therme Obernsees nicht gäbe? Keine Frage: Das Bad ist lebensnotwendig für den Tourismus am Rande der Fränkischen Schweiz.

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Die Chance ist ja auch einmalig. Das Thermalwasser, das in den 80er Jahren eher zufällig gefunden wurde, muss keinen Vergleich scheuen. Dass nicht längst vom Bad Obernsees die Rede ist, liegt vor allem daran, dass man sich der Zuschüsse wegen für den Bau eines Familien- statt eines Kurbades entschieden hat. Ein Fehler war das nicht. Der nach einem Besuchereinbruch im Jahr 2011 eingeführte Familientarif, wonach jeder Erwachsene kostenlos zwei Kinder mit ins Bad nehmen darf, hat sich über die Region hinaus herumgesprochen. Das Bad, für das noch in Zeiten geringerer Konkurrenz 230.000 Besucher im Jahr vorhergesagt wurden, liegt mittlerweile auch in schlechten Jahren deutlich über den Prognosen. Kurzum: Im 20. Jahr ihres Bestehens präsentiert die Therme Obernsees ihren Kritikern eine Erfolgsgeschichte. Und just in diesem Moment wird über Geld gestritten.

Der Landkreis soll einspringen

Der Landkreis und damit alle 33 Gemeinden sollen mehr bezahlen, weil Mistelgau, eine der steuerkräftigsten Gemeinden des Landkreises, Entlastung fordert. Gerade aus der Gemeinde also, die den Tourismusmagneten Therme in ihren Grenzen hat, heißt es, die Mehrbelastung sei den Bürgern nicht zu erklären. Das wirft kein gutes Licht auf die Politik vor Ort und es trifft den langsam aufkeimenden Tourismus im Hummelgau zur Unzeit.

Große Investitionen stehen an

Denn große Investitionen stehen an. Ohne ein neues Bohrloch für mehr als zwei Millionen Euro gehört Thermalwasser in Obernsees bald der Geschichte an. Und schon lange warnen Experten, dass eine Therme alle zwei Jahre eine neue Attraktion brauche, um interessant zu bleiben. Seitdem wird ein Kindererlebnisbereich diskutiert, aber nicht gebaut. Genauso wenig wie ein neuer Gastrobereich, von dem alle im Zweckverband sagen, dass er den Umsatz steigern würde. Als Investor und Besucher könnte man den Eindruck gewinnen, dass man es mit dem Tourismus hier nicht allzu ernst meint. Also besser doch nicht ab ins Feriendorf?

So rosig die Gegenwart also anmutet: Bei genauerem Hinsehen ziehen am Himmel über Obernsees dunkle Wolken auf.

thorsten.guetling@nordbayerischer-kurier.de

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