Thema: Feinstaub Kann die Wut des Bauernpräsidenten verstehen

Zum Artikel „120.000 Feinstaub-Tote im Jahr“, Kurier vom 19./20. Januar.

Tierställe, ob viele kleine oder wenige große, geben Ammoniak an die Luft ab. Ammoniak ist ein Gas, leichter als Luft, steigt also auf, wird bei -33°Celsius flüssig und bei -78°Celsius fest. Vor allen Dingen ist dieser eine Base und sehr gut wasserlöslich. Ammoniak wird daher vom Regen sofort ausgewaschen und reagiert im Boden mit dort befindlichen Säuren. Er entsäuert also Böden.

Wird er nicht gleich ausgewaschen, trifft er in der Atmosphäre auf Säuren wie Schwefelsäure und Salpetersäure. Diese stammen aus Verbrennungsprozessen von Energieträgern in Motoren (Erdölprodukte) und Heizungen (Heizöl und Holz eben auch Hackschnitzel und Pellets), sowie natürlichen Quellen wie etwa Waldbrände und Vulkanismus. Ammoniak reagiert in einer Säure-Base-Reaktion spontan und bildet die neutralen Salze Ammoniumsulfat und Ammoniumnitrat. Beide Salze sind feste Partikel und sehr gut wasserlöslich. Sie werden sofort vom Regen ausgewaschen und sind ein guter Bodendünger, da sie Stickstoff in löslicher Form enthalten. Somit können diese Salze von allen Pflanzen gut aufgenommen werden.

Eine weitere gute Eigenschaft ist, dass sie als Feinstaub, solange sie in der Atmosphäre verweilen, Sonnenlicht reflektieren, beziehungsweise absorbieren. Dadurch tragen sie zu einer Kühlung der unteren Luftschichten der Erde bei und wirken der Klimaerwärmung entgegen.

Zur Lungengängigkeit ist folgendes zu bemerken: meines Erachtens nach sind diese Partikel, aufgrund ihrer guten Wasserlöslichkeit, nicht lungengängig. Sie werden im feuchten Rachen- und Nasenraum absorbiert, hydrolysiert und mit dem normalen Schleim ausgeschieden. Als Chemiker verweise ich auf den Aufsatz von Prof. Dieter Köhler, dem Vorsitzenden der DPG (Deutsche Pneumologische Gesellschaft) im Deutschen Ärzteblatt, September 2018.

Dort steht sinngemäß, dass es für Grenzwerte zu Feinstaub keine ausreichende wissenschaftliche Basis gibt. „Insbesondere die immer wieder publizierten ,vorzeitigen Todesfälle‘ sind methodologisch unsinnig“.

Die Wut von Bauernpräsident Joachim Ruckwied kann ich voll verstehen, der diese Todesfall-Statistiken als hochgradig unseriös brandmarkt.

Ich kann nicht nachvollziehen wie eine Studie, deren Inhalt niemand kennt – da noch nicht veröffentlicht, zu solch steilen Behauptungen und Schuldzuweisungen führt („120 000 Feinstaub-Tote im Jahr“).

 

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