Thema: Arbeitslosigkeit Wundern tut’s mich nicht

Zum Artikel „Messerangriff im
 Jobcenter“, Kurier vom 7. März.

Drei Jobcenter-Mitarbeiter wurden mit einem Messer angegriffen. Körperliche Gewalt ist keine Lösung. Aber wundern tut’s mich nicht. Warum? Seit 2002 arbeite ich mit Menschen in sozialen Notlagen, lange als rechtliche Betreuerin, zurzeit als Beraterin der Teilhabeberatung. In der Regel sind sie weder faul noch dumm noch suchtkrank. In meiner 15-jährigen Berufserfahrung habe ich keinen(!) Menschen getroffen, der nicht lieber arbeiten würde als Sozialleistungen zu beziehen.

Diese Menschen sind meist unverschuldet in die Notlage gekommen, weil sie ihren Job verloren haben und keine Arbeit finden, weil sie krank sind oder weil sie Familienarbeit leisten, zum Beispiel als Alleinerziehende. Viele sind gebildet und hoch motiviert und leiden unter der Lebenssituation. Sie werden von Existenzangst, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung geplagt.

Nach meiner Erfahrung trägt der persönliche Kontakt mit den Behördenmitarbeitern noch zu einer Verschlechterung der seelischen Verfassung bei. Viele Mitarbeiter des Jobcenters üben Druck aus, schüren irrationale Ängste und verhängen teilweise rechtswidrige Sanktionen. Erst heute sagte mir eine Betroffene unter Tränen: „Ich komme mir vor wie ein Schwerverbrecher.“

Jetzt wird diskutiert über Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter. Meiner Ansicht nach geht das in die falsche Richtung. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Jobcenters brauchen Schulungen, in denen sie lernen, ihre Kunden mit Respekt zu behandeln. Ein respektvoller Umgang ist der beste Schutz vor gewalttätigen Übergriffen. 

 

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