Telefonaktion Tipps zur Geldanlage fürs Alter

Frank Schöndorf (links) und Peter Klipp berieten am Kurier-Lesertelefon. Foto: Ralf Münch

BAYREUTH. Nicht alles Geld, das für den Ruhestand gespart ist, wird in den meisten Fällen sofort gebraucht. Aber verfügbar soll es sein und am besten ein wenig Gewinn bringen - und das in zinslosen Zeiten. Wie man seine Finanzen im Alter in ruhiges Fahrwasser bringt und wie man Geld anlegt, das zwischen Lebensunterhalt und Notgroschen übrig ist, dazu berieten in der Kurier-Telefonaktion Frank Schöndorf vom deutschen Fondsverband BVI und Peter Klipp von der Stiftung Warentest/Finanztest.

Bei mir wird eine Sparanlage fällig, die ich einigermaßen sicher anlegen will. Lohnt sich noch ein Sparbuch?

Sparbücher sind derzeit keine empfehlenswerte Variante, da ihre Verzinsung fast im Minusbereich liegt. Wenn Sie sicher anlegen wollen, können Sie ein Tagesgeldkonto wählen, hier bekommen Sie vielleicht 0,6 Prozent bei einer Online-Bank. Oder Sie wählen für zwei Jahre eine Festgeldanlage, da bekommen Sie unter Umständen 1,15 Prozent Zinsen. Wenn Sie ein gewisses Risiko eingehen können oder wollen, käme ein Fondssparplan infrage, zum Beispiel ein ETF auf den MSCI World mit einer breiten Streuung von 1600 Papieren. Wenden Sie sich dafür an Ihren Bankberater oder schauen Sie sich im Internet um. Wählen Sie einen Anlagehorizont von fünf bis zehn Jahren, so lassen sich Wertschwankungen ausgleichen.

Was ist das Günstige an einem ETF?

Günstig ist, dass er wenig Kosten verursacht, da er lediglich einen Index abbildet - beispielsweise von DAX oder MSCI World – und nicht aktiv gemanagt wird. Solche Managementgebühren oder Ausgabeaufschläge bei aktiv gemanagten Fonds liegen bei fünf bis sechs Prozent. Bei Indexfonds sind es etwa 0,8 bis ein Prozent. Ein ETF kann nie schlechter abschneiden als der zugrunde liegende Index, allerdings auch nicht besser. Bei einem aktiv gemanagten Fonds kann das Fondsmanagement auch bessere Renditen herausholen.

Ich gehe auf die 70 zu. Hat es da noch Sinn, Geld in Fonds anzulegen? Man soll doch einen längeren Anlagehorizont wählen, um Kursschwankungen auszugleichen.

Hier sollten Sie mehrere Dinge beachten. Einen Anlagehorizont von fünf Jahren können Sie ins Kalkül ziehen, vielleicht sogar mehr. Sie sind nicht verpflichtet, die Anlage zu einem bestimmten Zeitpunkt aufzulösen. Wenn der Fonds gut läuft und Sie das Geld nicht benötigen, lassen Sie ihn so lange laufen, bis Sie das Geld brauchen. Für eine Fondsanlage ist auch nicht unbedingt das Alter entscheidend, sondern eher die Risikoneigung. Tendieren Sie zu mehr Sicherheit, kommen Renten- oder Mischfonds infrage, wollen Sie ein höheres Risiko eingehen, können es Aktienfonds sein – oder zumindest ein ETF darauf.

Ich werde mein Haus verkaufen und in eine kleinere Eigentumswohnung umziehen. Aus dem Verkauf habe ich etwa 200.000 Euro übrig. Was mache ich damit am besten?

Schauen Sie zunächst, was Sie für den täglichen Unterhalt in den nächsten fünf bis sechs Jahren benötigen. Das Geld legen Sie in Tages- und Festgeld an, so dass Sie es verfügbar haben. Den Rest des Geldes können Sie in mehrere Fonds mit unterschiedlichen Schwerpunkten aufteilen, beispielsweise in breit streuende Aktienfonds und Mischfonds. Günstig ist es, die Geldanlage zeitlich zu staffeln und in mehreren Tranchen anzulegen, so dass Sie nicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt einsteigen müssen.

Wenn ich eine Festgeldanlage online im EU-Raum abschließe, funktioniert dann auch die europäische Einlagensicherung?

In der EU sind generell bis zu 100.000 Euro pro Bank und Anleger gesichert. Wenn Sie jedoch ein Angebot in einem wirtschaftlich schwächeren Land finden, kann es passieren, dass im Fall der Fälle die Entschädigung nicht in kurzer Zeit geleistet werden kann. Deshalb nimmt Finanztest auch nur Banken aus EU-Ländern mit hoher Wirtschaftskraft in seinen Zinsvergleich auf.

Ich bin jetzt 80 und möchte etwa 20.000 Euro anlegen, die ich nicht auf dem Girokonto, aber verfügbar haben möchte. Zinsen sind mir jetzt nicht mehr so wichtig.

Verfügbar hätten Sie zum einen Tagesgeld, zum anderen Festgeld. Letzteres können Sie für ein halbes Jahr oder länger anlegen. Und vergessen Sie nicht, sich immer mal etwas Schönes zu gönnen. Dafür ist das Geld schließlich auch da.

Unterscheidet sich die Absicherung von Festgeld in Deutschland von der im EU-Raum?

Auch in Deutschland gilt die europäische Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Bank und Anleger. Bei Gemeinschaftskonten sind es 200.000 Euro. Zusätzlich gehören in Deutschland die meisten Privatbanken dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken an, wo Einlagen in Millionenhöhe abgesichert werden. Auch öffentliche Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben noch eigene Sicherungssysteme, die über die europäische Sicherung hinausgehen.

Ich habe schon seit Längerem einen Aktienfonds, einen Mischfonds und einen offenen Immobilienfonds, die alle gut gelaufen sind. Soll ich alles so weiter laufen lassen oder nach und nach in den Mischfonds umschichten?

Das ist eine ausgewogene Mischung. Während Mischfonds und offene Immobilienfonds in der Regel geringere Wertschwankungen haben, sind diese bei Aktienfonds stärker, was wiederum aber auch die Renditechancen erhöht. Insofern müssen Sie dies nicht unbedingt verändern.

Ich habe ein Angebot für eine barrierefreie Wohnung, die ich erst einmal vermieten und später selbst nutzen könnte. Bezahlen könnte ich die Wohnung aus meinem Investmentfonds. Viel wäre dann allerdings nicht mehr übrig. Ich überlege, ob das wirklich günstig ist. Was raten Sie?

Das will wirklich gut überlegt sein – zumal Sie für den Wohnungskauf fast Ihre gesamten Ersparnisse und Rücklagen verwenden müssen. Das Problem ist auch, dass Sie gar nicht wissen, ob Sie diese Wohnung aus gesundheitlichen Gründen überhaupt benötigen. Wenn ja, findet sich im Fall des Falles sicher auch eine andere Lösung. Ein finanzielles Polster hätten Sie ja dann. Wir sehen das Risiko in Ihrem Fall darin, dass Sie mit dem Kauf der Wohnung praktisch ohne finanzielle Reserve dastehen. Das ist im Alter nicht günstig.

Ich gehe zwar in den Ruhestand, würde aber gern weiter in Aktienfonds investieren. Wonach sollte ich diese auswählen und für welchen Zeithorizont? Wie hoch sollte im Alter der Sicherheitsanteil sein?

Bei einer Fondsanlage geht man generell von einer Mindestanlagezeit von fünf Jahren aus – unabhängig vom Alter. Wenn Sie bisher mit Aktienfonds gut gefahren sind, können Sie dabei bleiben. Sie können aber auch in einen Mischfonds anlegen, wo in der Regel die Wertschwankungen geringer sind. Das kommt dem Sicherheitsbedürfnis vieler Sparer entgegen.

Ich bin Mitte 70 und möchte nicht mehr das Risiko eines Aktienfonds eingehen. Festgeld bringt aber im Moment keine Zinsen. Welche Möglichkeiten hätte ich noch?

Festgeld sollten Sie derzeit nur für Summen verwenden, auf die Sie zugreifen möchten. Statt in Aktienfonds können Sie Ihr Geld in einen gemischten Fonds legen. Hier ist das Risiko von Wertschwankungen ein wenig geringer. Gemischte Fonds investieren zum Teil in Aktien und zum Teil in festverzinsliche Wertpapiere. Dadurch sind die Kursschwankungen geringer - allerdings auch die Renditechancen

Ich habe noch etwa 15 Jahre bis zur Rente und kann monatlich 1000 Euro anlegen. Was empfehlen Sie mir?

Teilen Sie das Geld auf verschiedenen Fonds auf. Suchen Sie sich einen international breit streuenden Fonds, einen deutschlandweit anlegenden, einen gemischten und einen offenen Immobilienfonds. Damit erreichen Sie eine breite Streuung, wodurch sich das Anlagerisiko für Sie minimiert. Der Zeitraum über 15 Jahre ist günstig, um Wertschwankungen auszugleichen.

Ich möchte in einen Aktienfonds über etwa fünf Jahre anlegen. Mit welchen Kosten und mit welcher Rendite ist zu rechnen?

Bei den Kosten haben Sie den Ausgabeaufschlag und die Depotkosten, wenn Sie einen aktiv gemanagten Fonds wählen. Kostengünstiger sind ETF´s. Hierbei können jedoch auch die Renditen geringer sein. Bei einem aktiv gemanagten Fonds, der deutschlandweit angelegt hat, lag die Rendite in den letzten fünf Jahren durchschnittlich bei etwa vier Prozent pro Jahr. Aber das kann in den kommenden fünf Jahren auch anders sein.

Ich finde bei meiner Bank keine guten Konditionen für Tages- oder Festgeldanlagen. Kann ich wechseln?

Sie müssen nicht gleich die Bank wechseln. In der Wahl Ihrer Geldanlagen sind Sie frei. Schauen Sie sich am besten im Internet die aktuellen Angebote für Tages- und Festgelder an.


Weitere Informationen

Die Zeitschrift „Finanztest“ bietet in jeder Ausgabe Informationen zu allen Formen der Geldanlage. Sonderhefte wie „Anlegen mit ETF“ sind im Buchhandel erhältlich oder im Internet unter www.test.de zu bestellen.

Rat zum Fondssparen gibt es beim deutschen Fondsverband BVI unter www.bvi.de zum Herunterladen sind die Broschüren „Investmentfonds und Altersvorsorge“ und „Investmentsteuerreform kompakt“. Dort finden Sie auch Tabellen über die Wertentwicklung der meisten in Deutschland angebotenen Fonds.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading