Technische Textilien Stoffe der unbegrenzten Möglichkeiten

Babywindeln und andere Hygieneartikel sind derzeit der Haupteinsatzbereich für Vliesstoffe und technische Textilien. In anderen Bereichen nehmen die innovativen Faserstoffe jedoch eine immer größere Bedeutung ein. Den Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Foto: AméliePoulain/Adobe Stock

HOF. Im Auto stecken sie drin – sogar in verschiedenen Bereichen: in der Isolierung des Motorraums, den Luftfiltern, der Innenverkleidung. Auch in der Kleidung sind sie nahezu überall zu finden und mittlerweile sogar im Baugewerbe: Vliesstoffe und technische Textilien. Auch wenn sie dem Betrachter in der Regel nicht gleich ins Auge stechen, sondern eher unscheinbar unterwegs sind, gehören sie zu den großen Gewinnern der technologischen Entwicklung.

In den vergangenen Jahren haben die Werkstoffe einen Siegeszug angetreten, den selbst Christian Heinrich Sandler, Vorstandsvorsitzender des gleichnamigen Textilunternehmens in Schwarzenbach an der Saale (Landkreis Hof) und Präsident des Verbandes der bayerischen Textilindustrie (VTB), nicht für möglich gehalten hätte – geschweige denn vorhersagen hätte können. „Hätte man mir vor 20 Jahren gesagt, was heutzutage alles möglich ist, ich hätte es nicht geglaubt“, sagt er im Pressegespräch anlässlich der 33. Hofer Vliesstofftage, die am Donnerstag zu Ende gegangen sind.

Direkt aus Kunststoffgranulat

Die Einsatzmöglichkeiten scheinen grenzenlos, glaubt man Sandlers Einschätzung. Längst gehe es nicht mehr darum, ob man Vliesstoffe in einem bestimmten Bereich einsetzen kann, sondern nur noch um das Wie, erklärt er. Ein Beispiel: Ganz im Gegensatz zur klassischen Textilbranche können Vliesstoffhersteller mittlerweile den Arbeitsschritt der Garnherstellung in Teilbereichen auslassen. Sandler verweist dabei auf Vliesstoffe, deren Fasern direkt aus Kunststoffgranulat gewonnen werden und die dank ihrer besonders großen Oberfläche speziell im Bereich der Filtrationstechnik eingesetzt werden.

Brücke zur Elektronik

„Die Branche geht nicht nur mit dem Trend, sondern die Unternehmen gehen bereits mit der Zukunft“, sagt Sandler. Denn längst hätten technische Textilien selbst die Brücke zur Elektronik geschlagen. Der Schwarzenbacher Unternehmer ist begeisterter Laufsportler. „Aber da muss man sich immer so einen Gurt anlegen, um die Herzfrequenz zu messen“, klagt er. Mit neuartigen technischen Textilien werde es künftig jedoch möglich sein, auf das unliebsame Utensil zu verzichten und die Messdaten direkt von der Kleidung erheben zu lassen.

„Ähnliches wird auf Frühgeborenenstationen bereits eingesetzt“, ergänzt Petra Diroll, Leiterin des Bereichs Politik und Kommunikation beim Branchenverband Mode+Textil. Statt vieler Schläuche und Drähte, mithilfe derer Maschinen die Vitalwerte der Neugeborenen erfassen, gebe es nun eine Art „Intensiv-Strampler“, der dieselbe Funktion hat.

Hilfe für Senioren und Säuglinge

Nicht nur für die Kleinsten könnten derartige neue Textilien wertvolle Hilfe geben, sondern auch für ältere Menschen und Senioren, etwa wenn Kleidungsstücke Stürze erkennen oder Teppiche abrupte Bewegungsänderungen registrieren, gibt Dirolls Kollegin vom VTB, Lucia Franke, als Beispiel. Hauptanwendungsbereich sind laut Sandler jedoch weiterhin Hygieneartikel wie Babywindeln. Sie machen derzeit fast 30 Prozent der Gesamtproduktion aus. Im medizinischen Bereich kommen noch einmal 13,2 Prozent hinzu. Erst auf Platz drei landen die Anwendungen im Automobilbereich mit 13 Prozent.

Neue Aufgaben im Auto

Doch die nehmen künftig vermutlich stärker zu. Dank der alternativen Antriebe. Früher sei es vor allem notwendig gewesen, das Motorengeräusch durch entsprechende Isolierungen abzudämpfen, sagt Sandler. Doch im Elektroauto falle das weg. Dafür höre man die anderen Bauteile im Auto wie etwa Lüfter viel stärker. „Im technischen Bereich sind die Anwendungsbereiche vielfältig wie nie.“

Die Vliesstofftage

Bei den Hofer Vliesstofftagen, die in diesem Jahr zum 33. Mal stattgefunden haben, handelt es sich um ein internationales Symposium von Vertretern der Textilindustrie - und hierbei vor allem der technischen Textilien und der Vliesstoffe. In diesem Jahr nahmen nach Verbandsangaben 470 Fachleute aus Industrie, Forschung und Entwicklung aus 13 Ländern daran teil und tauschten sich dabei über die aktuellsten Trends bei der Herstellung und künftige Einsatzbereiche aus.

In der Textilbranche haben Vliesstoffe große Bedeutung. Für das Jahr 2017 legen Studien für Europa eine Steigerung der Produktion um 4,3 Prozent auf 2,544 Millionen Tonnen dar – weltweit waren es 9,1 Millionen Tonnen und damit eine Steigerung um 5,4 Prozent.

 

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