SPD beschwört die Wiederauferstehung

Hali Tasdelen ist fest davon überzeugt, an der Seite von Inge Aures für die oberfränkische SPD in den Landtag einziehen zu können. Foto: Andreas Harbach

Die oberfränkische SPD hat am Samstag in Bayreuth ihre Listen für die Landtags- sowie die Bezirkstagswahl beschlossen. Für Inge Aures heißt es „Ärmel hochkrempeln“ und aus dem Umfragetief von zuletzt 14,4 Prozent zu kommen, wie die frisch bestätigte oberfränkische SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl sagt. Und Andreas Starke, der SPD-Spitzenkandidat für den Bezirkstag meint: „Wir werden beweisen, dass wir die die einzige Kraft neben der Kirche sind, die die Wiederauferstehung schafft.“

„Wir alle wollen Oberfranken voranbringen“, sagt die Kulmbacherin Inge Aures. Die amtierende Landtagsvizepräsidentin wirbt für den Oberfranken-Plan der Sozialdemokraten: „Wir wollen Sprachrohr sein im Landtag und im Bezirkstag.“ Kritik übt sie an der Nordostbayern-Initiative der Staatsregierung. Viele Orte seien darin nicht berücksichtigt. Das Stabilitätsprogramm sei ein gutes Instrument – „da loben wir auch die Staatsregierung“ – jedoch dürften die verschuldeten Kommunen nicht am Münchner Gängelband geführt werden, pocht Aures auf die Selbstverwaltung.

"Alle heiligen Zeiten ein Bus"

Zur Grenzsicherung plädiert sie für den Ausbau der Schleierfahndung. Sie fordert eine scharfe Beobachtung der „Reichsbürger“-Szene, und beklagt, die oberfränkische Polizei sei unterbesetzt: „Unsere Polizisten sind in München.“ Die Bevölkerung in Oberfranken sei gewachsen, die Zahl der Polizisten aber nicht entsprechend.

Vorrangig sei der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. „In München kommt alle zwei Minuten eine U-Bahn, bei uns alle heiligen Zeiten ein Bus“, kritisiert Aures, und verlangt eine zügige Elektrifizierung von Bahnstrecken. Leider ergebe sich eine weitere Verzögerung von zwei Jahren, weil „Anwohner mit Recht ihren Anspruch auf Lärmschutz einfordern“. Daran aber hätten die Planer vorher denken können. Schnelles Internet brauchten heute alle, auch die Bauern auf abgelegenen Höfen.

Kritik an Gesundheitsministerin Huml

Zur Initiative „Invest in Bavaria“ merkt Aures ironisch an: „Die investieren tatsächlich nur in Bavaria und nicht in Franconia. Wir müssen denen auf die Finger klopfen, denn auch bei uns leben fleißige Leute. Tourismus-Förderung müsse Pflichtaufgabe des Staates werden und dürfe nicht nur freiwillige Leistung bei den Kommunen sein.

Schwimmbäder seien wichtig für die Gesundheit, marode Hallenbäder daher zu sanieren. Alle Klinik-Standorte in Oberfranken seien zu erhalten. Das Landärzte-Förderprogramm von Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) reiche bei Weitem nicht aus. Jungen Ärztinnen müsse es ermöglicht werden, Familie und Beruf besser miteinander zu vereinbaren. Die SPD wolle wohnortnahe Heimplätze, und wünsche, dass alte Menschen so lange wie möglich daheimbleiben können. „Die Pflegekräfte brauchen unsere Wertschätzung, wir ziehen unseren Hut vor ihnen“, ruft Aures unter Beifall aus.

Bildung gehöre zur Grundversorgung; Aures fordert, die Berufsfachschulen in Oberfranken zu erhalten und das Ganztagsangebot auszubauen. Sie fordert mehr Geld für Kultur im ländlichen Raum und verweist darauf, dass für den neuen Konzertsaal in München 170 Millionen Euro veranschlagt sind.

Tasdelen glaubt an seine Chance

Der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sei wichtig, um junge Leute in der Region zu halten oder zur Rückkehr zu bewegen, sagt Klaus Adelt (Hof), der Landtagskandidat auf Platz zwei der oberfränkischen SPD-Liste. Ältere Menschen müssten in ihren Dörfern leben können. Dafür sei eine gute ärztliche Betreuung erforderlich. Und ein Dorf-Treff: „Heimat ist da, wo ich gerne bin.“ Adelt fordert eine gerechte Ersatzlösung für die Straßenausbaubeitragssatzung. Den Gemeinden müssen geholfen werden bei Wasserleitungsbau und Kanalsanierung.

Der Bayreuther SPD-Landtagskandidat Halil Tasdelen, auf Platz fünf der oberfränkischen SPD-Liste, schätzt, seine Chancen gewählt zu werden, stehen gut: „Bei der Landtagswahl kann man ja nach oben gewählt werden. Am besten hat es mein Bruder in Nürnberg bewiesen, der von Platz zwölf auf Platz fünf vorgewählt wurde und im Landtag ist.“ Halil Tasdelen, der bei einer großen Bayreuther Baufirma arbeitet, fordert: „Wir müssen mehr Geld in unsere Infrastruktur investieren.“ Er wünscht sich eine stärkere Anerkennung der dualen Ausbildung: „Es kann nicht sein, dass ein Techniker, ein Meister, deutlich weniger gilt als ein Bachelor-Absolvent.“

Halil Tasdelen mit türkischen Wurzeln möchte Mittler zwischen Religionen und Kulturen sein. Er kritisiert das Wort des neuen Bundesinnenministers Horst Seehofer „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“

Die Listen

  • An der Spitze der Landtagskandidaten der oberfränkischen SPD stehen: Inge Aures (Wunsiedel/Kulmbach), Klaus Adelt (Hof) und Michael Busch (Coburg). Die Liste wurde mit 93 abgegebenen und gültigen Stimmen beschlossen.
  • Die Spitze der SPD-Liste für den Bezirkstag nehmen ein: Andreas Starke (Bamberg-Stadt), Dr. Beate Kuhn (Bayreuth) und Frank Rebhan (Coburg). Die Liste wurde mit 93 Ja-Stimmen gebilligt, bei 94 abgegebenen Voten und einer ungültigen Stimme.

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