Rettet die Bienen Aktionsbündnis trommelt für Volksbegehren

Das Nahrungsangebot in der Natur reiche für Bienen nicht mehr aus, sagen Imker. Mit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ sollen wieder bessere Bedingungen geschaffen werden. Foto: Archiv/Patrick Pleul/dpa

Bayreuth. Viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr. Doch die Unterstützer eines Aktionsbündnisses, das sich am Donnerstag in Bayreuth unter Federführung des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) gegründet hat, wollen mit Engagement, Öffentlichkeitsarbeit und "Rathauslotsen" die Bewohner von Stadt und Landkreis Bayreuth von einer Teilnahme am Volksbegehren "Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern - Rettet die Bienen" überzeugen. Zwei Wochen lang, vom 31. Januar bis 13. Februar, müssen sich rund eine Million Bürger in die Listen eintragen, soll das Volksbegehren erfolgreich sein. Die Mitwirkenden des Aktionsbündnisses sind optimistisch.

Das nicht mehr zu leugnende Insektensterben und der damit einhergehende Schwund an Vögel und Amphibien sind maßgeblich für die Initiative der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) für das Volksbegehren. Erreichen will man damit in erster Linie, dass wieder mehr Natur in die Natur gelangt. So soll Landwirten aufgetragen werden, Hecken, Büsche, Feldraine und Bauminseln stehen zu lassen oder neu anzulegen, damit heimische Pflanzen und Tiere wieder Lebensräume finden. Uferstreifen sollen auf einer Breite von fünf Metern nicht mehr landwirtschaft genutzt werden dürfen. "Es muss sich gerade im Bereich der Landwirtschaft vieles verändern", sagt Markus Lenk, der als ÖDP-Vertreter dem Aktionsbündnisses angehört. Sie müsse wieder nachhaltiger produzieren statt intensiv. Weniger oder gar keine Pflanzenschutz- und Unkrautvernichtungsmittel verwenden. Und der Gesetzgeber müsse mit schärferen oder besseren Regeln die Voraussetzungen schaffen, dass Landwirte auf ökologischen Landbau umsteigen. "Wir wollen nicht alle Landwirte in einen Topf werfen. Weil sie aber unter wirtschaftlichem Druck stehen, müssen sie auch wirtschaftlich denken", sagt Lenk. Mit dem Volksbegehren solle Druck auf die Politik ausgeübt werden dahingehend, die Weichen in der landwirtschaftlichen Produktion neu zu stellen. Lenk ist optimistisch, dass das Volksbegehren die notwendigen Unterschriften erhält. Artenschutz, Insektensterben und nachhaltiger oder ökologischer Landbau seien Themen, die in der Gesellschaft bekannt seien und diskutiert würden. Der Wahlerfolg der Grünen sei für ihn der Beweis, dass es einen Aufbruch gebe. "Von daher", sagt Lenk, "bin ich, was den Ausgang betrifft, optimistisch.

Auf die Unterstützer des Aktionsbündnisses kommt viel Arbeit zu, sagt Christoph Hartl, Leiter der Geschäftsstelle des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), der die Organisation und deren Koordination übernommen hat. Neben den Parteien ÖDP. SPD, Grüne, Mut und Linke hätten bei der Zusammenkunft im Umweltzentrum Lindenhof auch Vertreter des Bayreuther Imkervereins, der Kreisverbandes des Bundes Naturschutz, des Transitionshauses und des von Studenten gegründeten Vereins Summer in der City ihre Mitwirkung kundgetan. Mit Plakatierungsaktionen in Stadt und Land, mit dem Verteilen von Flyern, mit Info- und Vortragsveranstaltungen soll das Thema Volksbegehren bekannt gemacht werden. Ein "Bienenmobil" soll in der Innenstadt auf das Volksbegehren hinweisen. Rathauslotsen wollen im Umfeld der Wahllokale Menschen davon überzeugen, das Volksbegehren zu unterstützen. Als Ziel habe sich das Aktionsbündnis eine hohe Hürde gesetzt: "Wir wollen 10.000 Eintragungen in Bayreuth und der Region erreichen", sagt Hartl, der sich sicher ist: "Wir schaffen das."

Auf die Unterstützung seiner zwölf Ortsgruppen kann sich der Kreisverband des Bundes Naturschutz verlassen. "Wir werden unsere Mitglieder anschreben und sie und die Ortsgruppen mit Informationen versorgen", sagt der Leiter der Geschäftsstelle Peter Ille. Es sei sehr wichtig, dass das Volksbegehren Erfolg hat, sagt Kreisvorsitzender Reinhard Birkner. Insekten seien keine lästigen, sondern enorm wichtige Tiere. Das Problem Insektensterben sei aber noch nicht bei allen Politikern und Bürgern angekommen, sagt die Vorstandssprecherin des Kreisverbandes Bayreuth-Land der Grünen, Susanne Bauer. Das Volksbegehren könnte bei positivem Ausgang eine Wende bringen. Man müsse umdenken, man müsse wieder auf eine kleinteilige Landwirtschaft setzen. "Das ökologische Gefüge gerät vollkommen durcheinander, wenn es keine oder nur noch wenige Insekten gibt", sagt Bauer. Doch noch immer würden viele Politiker selbst wissenschaftlich belegte Fakten zum Insektensterben ignorieren. Eine kleinteilige, eine ökologische Landwirtschaft müsse an die Stelle einer industriellen Produktion mit Glyphosat und Kunstdünger treten. Die Forstwirtschaft müsse auf Mischwälder setzen. Bauer ist zuversichtlich, dass die Million Unterschriften zusammenkommen. Ganz viele, besonders ältere Menschen seien in Sorge um die Natur. Das stimme sie optimistisch.

"Es sind nur zwei Minuten, die man benötigt, um seine Unterschrift zu leisten", sagt Andreas von Heßberg, Vorsitzender der Bayreuther Imker. Eine Unterschrift, die für die Natur große, positive Folgen haben könnte. Wenn Bienen auch weiterhin 73 Prozent der Kulturpflanzen bestäuben sollen, dann müsse man dafür sorgen, dass sie nicht nur Überlebenschancen haben, sondern eine Natur vorfinden, in der sie ausreichend Nahrung, sprich blühende Pflanzen, vorfinden. Er wolle nicht alle Landwirte in einer Büßerecke stellen, es sei aber dringend notwendig, die Produktionsbedingungen der Landwirtschaft zu überdenken und zu ändern. "Das Volksbegehren könnte ein Schuss vor den Bug der Politiker werden. Nutzen wir die Chance", fordert Heßberg.

Für SPD-Stadtrat Siegfried Zerrenner war es keine Frage, sich im Aktionsbündnis zu engagieren. "Die Natur geht uns alle an. Und es ist unsere Verpflichtung, unseren Kindern und Enkeln eine intakte Natur zu hinterlassen. Deshalb muss dieses Volksbegehren erfolgreich sein."

Info: Mehr Informationen zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" gibt es im Internet unter https://volksbegehren-artenvielfalt.de

 

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