Raub nicht nachweisbar Heiratsurkunde führt zu Freispruch

Die einzige Zeugin verweigerte die Aussage, denn sie ist mit dem Angeklagten verheiratet. Foto: Britta Pedersen dpa-Archiv

BAYREUTH/EMTMANNSBERG. Ein Mann wird von seiner Ex-Freundin auf die Anklagebank gebracht mit einem schwer wiegenden Verbrechensvorwurf: gefährliche Körperverletzung, nahe an einem versuchten Tötungsdelikt, und Raub. Doch der Prozess, der für eine langjährige Freiheitsstrafe geeignet gewesen wäre, endet mit Freispruch. Die Ex-Freundin paukt den Mann wieder heraus.

Der 26-Jähriger hatte im Jahr 2017 noch in einem Ortsteil von Emtmannsberg gelebt – zusammen mit seiner damaligen Freundin. Am 29. April 2017 bekam die Polizei von dem Mann einen seltsamen Anruf: Seine Freundin sei „wieder einmal“ in Pegnitz „beim Kiffen“. Seine Freundin habe ihn dazu verführt, Haschisch zu rauchen. Der Grund: Er, der Anrufer sei etwa ein Jahr wegen Depressionen in einer Anstalt gewesen und mit Medikamenten behandelt worden. Seine Freundin habe ihm Haschrauchen als Therapie empfohlen – das sei „besser“. Dann berichtete der Anrufer von einem Streit mit seiner damaligen Freundin, in dessen Verlauf er ihr einen Joint weggenommen habe, um diesen Joint als „Beweis“ gegen die in Pegnitz lebenden Dealer seiner Frau der Polizei zu übergeben.

Einsatzzentrale schickt Ermittler nach Pegnitz

Aufgrund des Anrufs schickte die Einsatzzentrale Ermittler der Polizeiinspektion Pegnitz los. Die Polizisten brachten von der damaligen Freundin des Angeklagten folgende Behauptung mit: Ihr Freund habe sie in der Wohnung gewürgt und ihr einen Joint abgenommen, den sie in der Handtasche hatte. Diese Schilderung führte zusammen mit einer späteren Aussage des Mannes, er habe den Joint vor lauter Stress selbst geraucht, zur Annahme der Staatsanwaltschaft, dass der Mann seine Freundin gewürgt habe, um in Besitz des Joints zu kommen.

Doch die Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Raubes fiel vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Torsten Meyer schnell zusammen. Verteidiger Karsten Schieseck legte nämlich eine Heiratsurkunde vor.

Er schweigt, sie sagt nichts

Der Angeklagte und das angebliche Opfer hatten im Sommer diesen Jahres geheiratet und waren weit aus dem Gemeindebereich Emtmannsberg weggezogen. Schieseck erklärte auch, die Ehefrau des Angeklagten werde ihr Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch nehmen und im Prozess gegen ihren Mann nicht aussagen. Der Angeklagte selbst schwieg vor Gericht. Was die Zeugen über die Wegnahme des Joints berichtet hatten, ließ den Gerichtsvorsitzenden zweifeln, dass man überhaupt einen Raub hätte anklagen müssen, denn: Vieles spreche dafür, dass der Angeklagte den Joint der Polizei habe übergeben wollen. Abgesehen davon ergab sich eine rechtlich eindeutige Situation: Was Polizisten als Zeugen über die damalige Aussage der jetzigen Ehefrau berichtet hatten, ist schlichtweg nicht verwertbar.

Dementsprechend gingen die Plädoyers schnell: Staatsanwältin Janina Leinhäupl und der Verteidiger beantragten Freispruch. Schieseck beendete seinen Antrag, indem er den letzten Satz aus dem ominösen Anruf seines Mandanten bei der Polizei zitierte: „Alles klar, danke und Tschüs.“

Das Schöffengericht verkündete den Freispruch nach einer Beratungspause von fünf Minuten.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading