Rasante Entwicklung Elektrofahrräder bewegen die Massen

Das E-Bike gehört fest zum Kulmbacher Straßenbild. Die Fahrräder mit Elektromotor sind im Handel weiterhin der Renner. Foto: Gabriele Fölsche

KULMBACH. Von einem Trend spricht Eva Scherm schon lange nicht mehr. Fahrräder mit Elektromotor seien fest im Alltag verwurzelt. "Die E-Bikes haben sich etabliert, so wie das Handy oder die Geschirrspülmaschine", sagt die Verkäuferin von Eldorado Fahrradtechnik in Kulmbach. Der Boom der vergangenen Jahre führte dazu, dass E-Bikes gut integriert sind und wie selbstverständlich zum Straßenbild gehören. Rasant gehe es nun mit der technischen Entwicklung weiter. Zudem bestehen mittlerweile Möglichkeiten, ohne großen Kostenaufwand zum E-Biker zu werden. Dank neuer Leasing-Modelle verhelfen Arbeitgeber aus Kulmbach und der Region ihren Mitarbeitern dazu, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen.

"Bike-Leasing ist der absolute Renner", versichert Eva Scherm. Dank einer Gehaltsumwandlung sei die Idee finanziell attraktiv, weil sich Steuern sparen lassen. Die monatlichen Leasing-Raten werden mit dem Bruttoeinkommen verrechnet. Auch die Arbeitgeber profitieren davon, nicht zuletzt deshalb, weil sie in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren können.

Der Arbeitnehmer darf sein vom Betrieb bezuschusstes Fahrrad ohne Einschränkung privat nutzen. E-Bike-Leasing sei wesentlich preiswerter als der Barkauf, sagt Eva Scherm. Denn der fängt bei 2500 Euro an. Wer ein vernünftiges Einstiegsmodell sucht, der sollte schon bereit sein, so viel zu investieren, erklärt die Verkäuferin. Nach oben sind auf der Preisskala keine Grenzen gesetzt.

Hoch auf den Berg

Zumal die Technik immer ausgefeilter wird. Es gibt E-Bikes, die statt einer herkömmlichen Fahrradkette einen wartungsfreien Riemenantrieb haben, der bislang den Motorrädern vorenthalten war. "Der Riemenantrieb ist bei hoher Laufleistung und beim Winterbetrieb zu empfehlen", sagt Eva Scherm.

Der Radfahrer komme prinzipiell mit jedem E-Bike gut den Berg hoch. Dennoch sollte man sich das richtige Gefährt für die individuellen Bedürfnisse aus der großen Auswahl aussuchen. Das Hollandrad sei für die Stadt geeignet, das sportliche Mountainbike fürs Gelände gemacht.

Die Elektromotoren aller Pedelecs unterstützen Geschwindigkeiten bis zu 25 Stundenkilometer. "Man kann damit natürlich auch schneller fahren", erklärt Eva Scherm. Auch der Tritt in die Pedale bleibt erhalten. Der Hilfsmotor kann je nach Wunsch den Fahrer mehr oder weniger stark unterstützen.

Seit zwölf Jahren leistet die Verkäuferin Aufklärungsarbeit und stellt sich dem wachsenden Informationsbedarf der Kunden. "Die Leute werden vernünftiger", sagt Eva Scherm. Sie erkennen, dass sie etwas für die eigene Gesundheit und Fitness sowie für die Umwelt tun wollen.

Schon bevor es das E-Bike-Leasing gab, seien viele Menschen vom Auto aufs Rad umgestiegen, um den täglichen Weg zur Arbeit zurückzulegen.

Für alle Altersklassen

Die fränkische Landschaft sei geprägt von Hügeln und Bergen. Wer nicht komplett verschwitzt am Arbeitsplatz ankommen will, der schalte eben den Elektromotor mit maximaler Unterstützung zu. Das bringe auch eine Zeitersparnis, sagt Eva Scherm. Den Rückweg nach Hause könne man dann mit reiner Muskelkraft antreten.

"80 Prozent unserer Kunden verlangen ein E-Bike", sagt die Verkäuferin. "Alle Altersklassen sind dabei - vom Senior bis zum Kind."

Fahrradfahren verlernt man zwar nicht. Doch der Umgang mit einem E-Bike erfordere schon etwas Übung. "Ich rate dazu, nicht gleich auf der Straße zu fahren", sagt Eva Scherm. Zur Sicherheit sollte man sich erst auf ruhigen Wegen mit dem E-Bike vertraut machen.

Mit den starken Motoren meistern Mountainbikefahrer die Überquerung der Alpen, wenn es denn sein muss. Zu Beginn der Entwicklung sind die E-Biker noch belächelt worden. Heute nutzen auch die sportlichsten Fahrer den Zusatzantrieb.

Statt Zweitauto

Das bestätigt Jochen Blindzellner, der Inhaber des Kulmbacher Fahrradgeschäfts Icehouse. Dass sich nur ältere Leute ein E-Bike zulegen, stimme schon lange nicht mehr.

"Es braucht keinen Sprit und keine Versicherung", nennt Eldorado-Verkäuferin Eva Scherm weitere Vorteile. Sie kennt Kunden, die ihr Zweitauto verkauft haben und in der Stadt nur noch mit dem E-Bike unterwegs sind. Damit seien sie schneller und finden Parkplätze direkt vor der Ladentür.

Außerdem seien gemeinsame Fahrradtouren besser möglich. Wer gut trainiert ist, nimmt das konventionelle Rad, der Untrainierte kann dank der Motorisierung ohne Probleme mithalten.

Das Massenphänomen E-Bike hat das Kulmbacher Land offenbar erfasst - vom Mainradweg bis in den Frankenwald, das Fichtelgebirge und in die Fränkische Schweiz. Wer diese Art der Mobilität erst testen möchte, der könne sich im Fahrradverleih auch ein E-Bike mieten, rät Eva Scherm den Neueinsteigern.

Ungebremste Nachfrage

Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) freut sich über den guten Start in das Geschäftsjahr 2018. "Im zweiten Quartal waren die durchweg hervorragenden Witterungsverhältnisse Garant für beständig gute Absatzzahlen", heißt es in einer Mitteilung des ZIV.

Es sei davon auszugehen, dass sich die Modellgruppe E-Bike im Gesamtjahr wieder überdurchschnittlich entwickeln wird und die Dynamik aus den letzten Jahren Bestand hat. Der ZIV geht von 800.000 bis 900.000 verkauften E-Bikes bis zum Jahresende aus.

Dass sich dieser Aufwärtstrend fortsetzt, liegt laut ZIV daran, dass sich das Design sowie die Motoren- und Akkutechnologie bei den E-Bikes weiterentwickelt. Auch Geschäftsmodelle wie beispielsweise Leasing oder im Logistikbereich habe "eine rasant steigende Popularität des E-Bikes" zur Folge. Gleichzeitig habe die digitale Vernetzung von Komponenten und Zubehör begonnen.

Unterdessen empfiehlt die AOK-Direktion Bayreuth-Kulmbach: "Wer mit E-Antrieb schnell unterwegs ist, sollte gut aufpassen: Laut Unfallforschung der Versicherer (UDV) gibt es bei Unfällen von Pedelecs mit Personenschaden jährliche Steigerungsraten von rund 33 Prozent, was auch auf die steigende Anzahl an Pedelecs zurückzuführen ist, die auf den Straßen unterwegs sind."

Betroffen sind überwiegend ältere E-Biker. "Senioren und Menschen, die auch beim herkömmlichen Radfahren unsicher sind, sollten daher beim Fahren grundsätzlich einen Helm tragen und idealerweise vorher einen Trainingskurs absolvieren", sagt die AOK.

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