Plakatausstellung Die Facetten der dienenden Kunst

Hunderte von Fotos für ein Plakat: Das 98er-Plakat von Volker Noth für die Berlinale (Ausschnitt). Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Sie umgeben einen, sind allgegenwärtig und dienen meist dem Kommerz. Doch manchmal sind sie einfach nur - Kunst. Im Neuen Rathaus kann man sich gerade davon überzeugen, mit den Plakaten von Volker Noth.

In der Kunst ist es nicht anders als im richtigen Leben, den Fachmann interessiert womöglich etwas ganz anderes als den Laien.

Während der nicht ganz so tief in die Materie eingetauchte Besucher vielleicht mal vor sich hin staunt, ob der Eleganz oder der schieren Buntheit der ausgestellten Arbeiten, hat einer wie Joachim Schultz Fragen, die unter die Oberfläche zielen.

Ob die vier zum Quadrat angeordneten Plakate zu längst vergangenen Kunstausstellungen auf DDR-Packpapier gedruckt seien? Er habe, schob Schultz hinterher, selbst einmal eine Ausstellung gemacht, mit Plakaten ausschließlich auf Packpapier gedruckt. Ja, ist schon so. Man kann Plakate als Gebrauchsgegenstände anschauen, als Reklame, bunte Bilder, die mehr oder weniger bewusst unser Leben umgeben; oder in ihnen eine Kunstform entdecken, ach was, Kunstform: eine Welt.

Bayreuth hat ein Kunstmuseum, und Bayreuth hatte mal Schultzens Plakatmuseum, das seine Bestände - über 10.000 Plakate - in die Obhut des Kunstmuseums gegeben hat und seitdem "Das andere Museum" heißt.

Plakatausstellungen also gab es in Bayreuth schon öfter, aber kaum so wie eine wie diese, die über die Festspielsaison im Neuen Rathaus zu sehen sein wird: einem Künstler gewidmet, der die Plakatkunst in Deutschland geprägt hat.

Volker Noth heißt er, seine vielleicht berühmtesten Arbeiten machte er für die für die Berliner Filmfestspiele, die seit 20 Jahren eigentlich nur noch unter dem Namen "Berlinale" beworben werden.

"Suchen, probieren, machen" heißt diese Retrospektive im Neuen Rathaus, ein Titel, der das Tastende in Noths Art zu arbeiten beschreibt, vor allem aber seine Zurückhaltung. Noth betrachtet sich nämlich nur als Teil eines Teams, zu dem auch der Kunde gehört. Erst im Zwiegespräch mit dem Auftraggeber kristallisieren sich Ideen, Vorstellungen vom Bild und schließlich Art der Umsetzung heraus.

Mit Kunst für Kunst werben

Noth gestaltete Plakate für Theaterstücke, für Museen, für Kunstausstellungen, und gerade bei Letzteren fällt auf, dass diese Werbepapierarbeiten eigentlich paradox sind. Sie werben für Kunst - und sind im besten Falle selber Kunst. wie die Plakate, die Noth für eine Ausstellung mit Werken Paul Gauguins gestaltete.

Gauguins Bilder sind schön, paradiesisch, gewiss; aber man muss auch erstmal die Bilder aussuchen, auf denen die dargestellten Menschen so intensiv in einen Blickkontakt mit dem Betrachter treten. Wie dann Noth die Schrift um die Gemälde herumlaufen lässt, wie er eine abgeschwächte Version des Gemälde im Vordergrund als Hintergrund verwendet: Es wirkt, als habe es - wie viele Originale Gauguins auch - einen bemalten Rahmen: das ist eben große Kunst im Alltäglichsten. Noth spricht bescheiden von "dienender Kunst".

An Noths Plakaten zur Berlinale lässt sich Geschichte ablesen. Etwa mit dem Blatt, das einen Film mit Pudelmütze darauf zeigt: Hinweis auf die Filmfestspiele 1978, als das Großereignis erstmals in den Winter gelegt wurde.

"Die Mütze damals zum Renner", weiß Noth zu berichten. Man erinnert sich an Moden, an die neonbunten 80er und 90er Jahre etwa. Und man erfährt etwas von ausgestorbenen Techniken.

Die meisten seiner Arbeiten schuf Noth ohne Unterstützung eines Computers. Für die übereinandergeblendeten, steril-ebenmäßigen Gesichter der 98er Berlinale fertigte Noth Fotos von Schaufensterpuppen an, die er dann übereinander legte und mit Hilfe eines Retuscheurs zu einer aufsehenerregenden Grafik verarbeitet.

Ein schwieriges Stück Arbeit, erinnert er sich: "Ich brauchte Hunderte von Fotos, bis es endlich passte."


Info: Suchen, probieren, machen. Plakate von Volker Noth. Bis 26. August im Neuen Rathaus, Montag bis Donnerstag 9 bis 17 Uhr, Freitag 9 bis 15 Uhr, an Samstag und Sonntag 12 bis 16 Uhr, Zutritt am Wochenende durch den Seiteneingang am Parkplatz.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading