Ochsenkopf Seilbahnbau hat auch Gegner

05.01.2017, Fichtelgebirge, Bischofsgrün, Ochsenkopf Nord, Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Im Kreistag sollte es am Freitagnachmittag nur um die Kenntnisnahme der aktuellen Seilbahnpläne gehen. Angesichts der Investition von geschätzten 21 Millionen Euro gab es aber Kritik am Beschluss des Zweckverbands für Wintersport. Eine leidenschaftliche Debatte entbrannte.

Die Bedenken: Hans Hümmer aus Trockau und Stefan Frühbeißer aus Pottenstein, beide Freie Wähler, führten haushaltsrechtliche Bedenken ins Feld. Die Kosten des Seilbahnbaues würden den Kreishalt belasten. Insofern stelle sich die Frage, wie sich die Rechtsaufsicht - in dem Fall die Regierung von Oberfranken, verhalte.

Hümmer und Frühbeißer befürchten, die Ausgaben für die Seilbahn würden über den Zweckverband, den Kreishaushalt und die Gemeindehaushalte auch die Bürger erreichen. Soweit könne es kommen, wenn sich die Konjunktur abschwäche und die öffentlichen Einnahmen zurück gingen.

Die Planung und die Finanzierung - Hümmer sprach von 14,1 Millionen Euro, die dem Zweckverband ohne Zuschüsse bleiben, ließen noch viele unbeantwortete Fragen, die noch geklärt werden müssten. Deshalb würde er nicht zustimmen.

Einwände hatte auch Manfred Neumeister, Grüne. „Schneekanonen sind out“, sagte er. Der Landkreis müsse den Tourismus im Fichtelgebirge noch nachhaltiger entwickeln. Der kurzen Wintersaison müsse Rechnung getragen werden. Neumeister: „Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen des Klimawandels spüren und wohl die letzte, die noch etwas dagegen tun kann.“ Hermann Hiery, FDP, verlangte zudem detaillierte Fahrgastzahlen.

Problem Zweckverband: Markus Täuber aus Hollfeld, CSU, erinnerte an die zurückliegende Generaldebatte, die der Kreistag angesichts des Defizits beim Zweckverband Therme Obernsees vor längerer Zeit geführt hatte. Schon damals waren die Schulden des Thermen-Zweckverbands ein Streitpunkt, weil auch der Landkreis als größter Beteiligter über die Umlage dafür anteilsmäßig aufkommen muss.

Eine ähnliche Entwicklung für die Kreiskasse befürchteten übrigens auch die Kreisräte Hümmer und Frühbeißer. Täuber fragte auch, wie sich die angedachte Zusammenführung aller Zweckverbände in einen großen mit der nun geplanten großen Investitionen am Ochsenkopf verhalte.

Argumente für die neuen Seilbahnen: Mehrere Sprecher aus den Fraktionen von CSU und SPD warben für die zustimmende Kenntnisnahme für die nach einer Kostenschätzung rund 21 Millionen Euro teure Investition am Ochsenkopf. Hartmut Koschyk aus Goldkronach und Günther Dörfler aus Weidenberg, CSU, stellten heraus, was das Vorhaben für das Fichtelgebirge bedeutet.

Koschyk spitzte zu: „Heute ist ein Tag, an dem man sich entscheiden muss“. Es gehe um ein Stück Zukunftsfähigkeit des Landkreises. Das Fichtelgebirge habe Nachholbedarf. Günter Dörfler sagte, der Zweckverband habe ein sehr gutes Konzept vorgelegt, das Zustimmung verdiene.

Stephan Unglaub aus Bischofsgrün, SPD, wiederholte auch in dieser Debatte, die Modernisierung der Seilbahnen sei ein Leuchtturmprojekt für die Region. Der Bikepark an der Südseite des Ochsenkopfes, Gemeinde Warmensteinach, und die Rollerbahn bei Fichtelberg seien auch ohne Schnee nutzbar.

Unglaub brachte auch ein neues Argument für die Investitionen: Der attraktivere Berg mit Gipfelgastronomie eröffne auch die Perspektive für mehr Fahrgäste. Der Zweckverband habe sich zudem das Ziel gesetzt, die Kosten zu minimieren.

Ohne Alternative: Auf die Frage von Hans Hümmer nach der Möglichkeit einer Sanierung der Seilbahnen sprach Landrat Hermann Hübner erneut über deren technischen Zustand. Ein Gutachten dazu habe Kosten von rund zehn Millionen Euro ergeben. Auch nach einer Generalüberholung seien neue Pannen nicht ausgeschlossen. Wie zuvor schon Hartmut Koschyk machte der Landrat klar, dass es keine Alternative gebe.

Ende der Debatte: Die Kreisrätin Lieselotte Weigel aus Goldkronach, CSU, beantragte dann das Ende der Debatte. Der Kreistag sei anders als die Versammlung des Zweckverbandes nicht auf die Einstimmigkeit angewiesen. Bei der folgenden Abstimmung verweigerten sieben Kreisräte die zustimmende Kenntnisnahme.

 

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