Neue Regeln beim Abbiegen Verwirrung und Chaos am Sendelbach

Die Fahrradfahrer haben jetzt einen Radweg. Die Autos dürfen vom Hohenzollernring nicht mehr auf die Straße am Sendelbach abbiegen. Seit Dienstag läuft die Testphase, aber nicht alle kommen damit klar. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Neue Schilder, gelbe Straßenmarkierung und Poller – am Sendelbach sind die ersten Tage mit neuen Verkehrsregeln vergangen. Bisher ohne Unfälle, aber mit Chaos und Verwirrung. 

Die Testphase sorgt für Verunsicherung und fragende Blicke – bei allen Verkehrsteilnehmern. Autofahrer, Fahrradfahrer oder Fußgänger, viele scheinen nicht mehr zu wissen, wo man langfahren oder -laufen darf. 

„Der erste Tag war eine Katastrophe“, sagt Carolus Fischer von der Zinngießerei Sturm. Er kann von seinem Laden aus den ganzen Tag auf die Kreuzung schauen. Die Bilanz nach einer Stunde Beobachtung an einem Freitagmorgen am Sendelbach: fünf Autos biegen falsch ab, etliche bremsen ihre Autos ab, blinken und fahren mit verwirrtem Blick weiter; etwa die Hälfte aller Fahrradfahrer fahren auf dem Bürgersteig statt auf dem neu eingezeichneten Radweg. 

„Ich hoffe, dass sich die Leute so langsam daran gewöhnen“, sagt Fischer. Im Hintergrund hört man immer wieder Autos hupen, man sieht Menschen, die sich gegenseitig den Vogel zeigen, weil schon wieder einer falsch abgebogen ist. „Das ist total gefährlich“, sagt Fischer, „wenn da ein Auto mal schnell abbiegt und ein Radfahrer entgegenkommt“.

Polizei schaut öfters vorbei

Sowohl bei der Polizei als auch bei der Stadt seien noch keine Unfälle oder „nichts größeres Negatives“ zum Sendelbach eingegangen, sagt Ulrich Mayer zu Helligen vom Stadtplanungsamt. „Und um die Kreuzung im Auge zu behalten, fährt die Polizeistreife am Anfang der Testphase öfter vorbei.“

Ein Fußgänger bleibt mit fragendem Blick an der Ampel stehen und schaut sich um, von hinten rast ein Fahrradfahrer auf dem Bürgersteig heran. Neben ihm ist die Straße am Sendelbach, auf dem mit dicken, gelben Markierungslinien der neue Radweg eingezeichnet ist, mit samt Fahrradzeichen auf dem Boden. „Passen Sie doch auf, das hier ist ein Fußweg“, schreit der Fußgänger. 

Fußgänger die Leidtragenden

Zu solchen Situationen sei es sehr oft gekommen in den letzten Tagen, sagt Carolus Fischer, „teilweise pfeifen die Radfahrer hier so durch, um noch schnell über Grün zu fahren, weil die jetzt denken, die Straße gehört mir.“ Bei der alten Verkehrsregelung seien die Radfahrer vorsichtiger gewesen. „Jetzt sind die Fußgänger die Leidtragenden“, sagt Fischer.

Das Centermanagement vom Rotmain-Center kann bisher noch keine größeren Beschwerden verzeichnen. „Wir haben kurzfristig alle Lieferanten informiert, alles weitere muss man sehen. Das braucht noch etwas Eingewöhnungszeit“, lässt sich ein Mitarbeiter zitieren.

Und Zeit habe man mit eingeplant, sagt Mayer zu Helligen: „Wir haben bewusst in den Sommerferien mit dem Testbetrieb begonnen. In der Zeit ist das Verkehrsaufkommen geringer.“ So sollen sich die Verkehrsteilnehmer an die neue Regelung gewöhnen.

Nach den Sommerferien, wenn dann auch wieder Schulbusse fahren und mehr Autos auf dem Ring unterwegs seien, werde auch ein Fachbüro für Verkehrsüberwachung den Testbetrieb analysieren. Auch mit Videoüberwachung soll gearbeitet werden.

Nach sechs Monaten Testphase werde dann entschieden, ob die neuen Regelungen endgültig umgesetzt werden sollen.


Das sagen die Bürger

Der Fußgänger

Helmut Schelhorn, 74 Jahre, aus Bayreuth

„Ich bin geteilter Meinung. Grundsätzlich finde ich es gut, dass man sich Gedanken macht, die Radfahrregelungen zu verbessern. Aber von der Umlenkung des Autoverkehrs über die Kulmbacher Straße bin ich nicht überzeugt. Viele sind natürlich überrascht, weil sie das nicht mitbekommen haben, die bremsen ab und halten den Verkehr auf.“

Die Autofahrerin

Alexa Kropf, 58 Jahre, aus Bayreuth

„Ich finde es absolut bescheiden. Das Chaos ist in der Kulmbacher Straße. Dort sind jetzt unheimlich viele Autos und die Fahrradfahrer kommen dort fast nicht über die Straße. Also wenn hier am Sendelbach die Regeln geändert werden, dann muss auch in der Kulmbacher Straße was passieren. Da müsste dann halt eine Ampel hin, für Radfahrer und Autofahrer.“

Der Fahrradfahrer

Axel Heid, 38 Jahre, aus Bayreuth

„Ich finde die neue Regelung sehr gut und bitter nötig. Aber noch ausbaufähig. Zum Beispiel auch in der Kulmbacher Straße, wenn man dann weiter fährt, kommt man dort nicht über die Straße. Aber hier am Sendelbach, ich sehe das jetzt als Fahrradfahrer, ist es viel übersichtlicher. Noch besser wäre eine Brücke, dann wäre der Verkehrsfluss nicht gestört.“

Der Autofahrer

Uwe Grüner, 51 Jahre, aus Bayreuth

„Früher hat sich das immer gestaut, wenn die Autos von beiden Seiten auf den Parkplatz wollten. Ich finde es gar nicht mal so schlecht, dass sie das jetzt anders geregelt haben. Ich finde die Schilder und Pfeile sind klar erkennbar. Für die, die es anders gewohnt waren, ist es sicher am Anfang verwirrend. Aber das ist halt eine Gewohnheitssache.“

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