Nachwuchswerbung Neue Lernwelten für das Handwerk

Sie bekennen sich symbolkräftig zum Meisterbrief: die oberfränkischen HWK-Vizepräsidenten Karl-Peter Wittig und Matthias Graßmann, Präsident Thomas Zimmer, Hauptgeschäftsführer Thomas Koller sowie die Geschäftsführer Rainer Beck und Bernd Sauer (von links). Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Während die Industrie erste Dämpfer beim Geschäftsklima spürt, ist die Lage im Handwerk weiter hervorragend. „So was gab’s noch nie“, sagte Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller am Rande des Jahrespressegesprächs in Thurnau im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der goldene Boden des Handwerks animiert zu größeren Investitionen: 50 Millionen Euro steckt die HWK für Oberfranken (Bayreuth) bis 2025 in ihre Bildungs- und Technologiezentren. Statt vier (Bayreuth, Bamberg, Coburg, Hof) werden es künftig aber nur noch drei sein, bestätigte Koller.

Bayreuth und Hof sind gesetzt, Bamberg präferiert die HWK als dritten Standort. Aber auch in Coburg wird die Kammer präsent bleiben. Überlegt wird gerade die Umwidmung des BTZ in ein neues Fachzentrum, eventuell mit dem Schwerpunkt Bau. Dies würde gut passen zu weiteren Aktivitäten der HWK, die an der Coburger Hochschule einen Studiengang Bauerhalt/Historische Werkstoffe etablieren will, bei dem es auch eine Kooperation mit der Universität Bamberg geben soll. 

Weichen für die nächsten 30 Jahre stellen

Von den insgesamt 50 Millionen Euro fließen zwölf Millionen nach Hof, zehn Millionen nach Bayreuth und rund 28 Millionen in ein neues BTZ Oberfranken-West, wie Koller ausführte. An Eigenmitteln müssten 15 Millionen aufgebracht werden, der Rest kommt aus staatlichen Förderprogrammen. Die Investition in die Zentren ist Teil eines Zukunftskonzepts HWK 2025, das „neue Lernwelten“ für die berufliche Bildung schaffen will. 

Koller: „Wir stellen jetzt die Weichen für die nächsten 30 Jahre.“ Mit Werkstätten, Schulungs- und Seminarräumen, die zeitgemäßes und vernetztes Lernen ermöglichen sollen, will das Handwerk für den Nachwuchs attraktiver werden. Denn: „Die Nachwuchssicherung bleibt das wichtigste Anliegen des oberfränkischen Handwerks.“

Personalbedarf wird nach oben gehen

Von 2025 an wird der Personalbedarf im Handwerk „extrem nach oben gehen“, sagt HWK-Präsident Thomas Zimmer. Er will deshalb die berufliche Orientierung an den Schulen forcieren. „Auch an den Gymnasien muss es Berufsorientierung geben.“ Und wenn Studenten ein Semesterticket bekämen, müsse es für Lehrlinge auch ein Azubi-Ticket geben. 

Den Meister will das Handwerk wieder systematisch stärken. Mit der Handwerksrechtsnovelle aus dem Jahr 2004 wurde rund die Hälfte von 94 bis dahin meisterpflichtigen Handwerken zulassungsfrei. Jetzt möchten 26 zurück in die Meisterpflicht. Zimmer: „Es geht uns nicht um Marktabschottung. Wir wollen zeigen, für was der Meister gut ist.“ 95 Prozent der Lehrlinge im oberfränkischen Handwerk würden in Meisterbetrieben ausgebildet. Der Meister sei das Herzstück einer dualen Ausbildung. 

Ohne Meister drohe der Verlust von Handwerkstechniken. Für den Verbraucher sei der Meisterbrief ein Qualitätsnachweis. Und: Meisterbetriebe seien krisensicherer als Betriebe ohne Meister.

Noch im laufenden Jahr müsse man eine gesetzliche Neufassung der Handwerksordnung hinkriegen, sagt Zimmer. „Das sind verdammt dicke Bretter, aber das sind wir gewohnt, die zu bohren.“

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading