Nach Austritt aus der CSU Gemeinderat Joachim Bursian wechselt zu AfD

Joachim Bursian, der 1998 in die CSU eingetreten ist und den Mistelgauer Ortsverband von 2001 bis 2016 als Vorsitzender anführte, ist jetzt in die AfD eingetreten. Das erste Jahr wird er als Fördermitglied geführt, bevor er Vollmitglied werden darf.Foto: red

MISTELGAU. Joachim Bursians politischer Weg führt nach rechts: Der amtierende, parteilose Gemeinderat hat einen Antrag auf Fördermitgliedschaft in der AfD, der Alternative für Deutschland, gestellt. Dem Antrag Bursians, der erst im Februar aus der CSU ausgetreten war, müsse der Vorstand des AfD-Kreisverbandes noch zustimmen, bestätigt der Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Bayreuth, Christian Erdelen. Das sei jedoch lediglich eine formale Handlung. Über eine Vollmitgliedschaft werde dann, nach einem entsprechenden Antrag, in einem Jahr entschieden.

Er habe in der CSU keine Antworten mehr auf seine Fragen erhalten, erklärte Bursian im Kurier-Gespräch. Keine Antworten auf solch dringliche Fragen wie Flüchtlingsproblematik, Kriminalität und ganz aktuell Kindergeld. Diese hoffe er in der AfD zu finden, sagt Bursian.

An seiner Funktion als Gemeinderat ändere sich nichts. Er werde weiterhin sein Mandat erfüllen, das 2020 endet. Kommunalpolitik sei rein an die Person gebunden und nicht von Parteipolitik geprägt. "Die Wähler haben in erster Linie dem Joachim Bursian ihre Stimmen gegeben und nicht dem CSU-Mitglied", erklärt Bursian, der von 2001 bis 2016 den Mistelgauer CSU-Ortsverband als Vorsitzender führte.

Kommunalpolitik sei zielorientiert und nicht parteipolitisch. "Parteipolitik ist auf kommunaler Politikebene Nebensache", betont der seit 2002 amtierende Gemeinderat. An seinem Engagement werde sich nichts ändern. Er werde weiterhin seine Meinung sagen, ob auf dem Sportplatz oder in der Wirtschaft. Und dabei wie bisher auch versuchen, mit Argumenten zu überzeugen.

Seine Argumente werden jedoch nicht mehr die der CSU sein, weil er dort keine Lösungsansätze findet für die vielen Probleme Deutschlands. Die Antworten, die er sich eigentlich von der CSU erhofft habe, finde er bei der AfD. Deswegen habe er sich zum Austritt aus der CSU und zum Wechsel zur AfD entschlossen.

Noch Fragen zu klären

Wie es im Gemeinderat selbst weitergeht, ob er weiterhin mit den beiden anderen Gemeinderäte der CSU/ÜWG Heinrich Richter und Matthias Rühr eine Fraktion bildet, ist noch nicht geklärt. Bis zur nächsten Sitzung am Montag werde er sich Gedanken machen, sagt Richter, Bursians Nachfolger an der Spitze des CSU-Ortsverbandes. "Irgendwelche Folgen" werde der Eintritt Bursians in die AfD schon haben, sagt Richter, der sich am Freitag noch im Urlaub befand und von der Nachricht des Eintritts Bursians in die AfD überrascht wurde. Er werde mit Bursian reden und dabei die Frage klären, ob dieser in der Fraktion bleiben könne.

Untergeordnete Rolle

Bürgermeister Karl Lappe hat auch noch keine Kenntnis von Bursians AfD-Eintritt. "Offiziell hat er mir noch nicht erklärt, dass er nicht mehr der CSU/ÜWG angehört", sagt Lappe. Aber in der Demokratie könne jeder selbst entscheiden, wo er sich engagiert. Im Gemeinderat spiele Parteiepolitik jedoch lediglich eine untergeordnete Rolle, betont Lappe, der hofft, dass es auch so bleibt.

Keine Überraschung

Für den einzigen SPD-Gemeinderat Hans Sturm kommt der AfD-Eintritt Bursians nicht überraschend. "Er hat wohl schon länger mit der AfD sympathisiert", sagt Sturm. So sei es auffällig gewesen, wie Bursian im Gemeinderat darauf gedrängt habe, dass der alte Gasthof Mistelgauer Hof abgerissen werde, der als mögliche Unterbringung für Geflohene im Gespräch gewesen sei.

Dass sich Bursians Ansichten, die ihn in die AfD geführt hätten, eine Auswirkung auf seine Arbeit im Gemeinderat haben, glaubt Sturm aber nicht. Die Parteizugehörigkeit spiele im Gemeinderat keine Rolle.

Offene Türen

Was er, Bursian, an der AfD auch schätze, seien die offenen Türen. "In der CSU blieben die Türen verschlossen,bei der AfD kann jeder dazu kommen und mitreden", sagt Bursian. Nicht vergessen hat er den Funktionären seiner langjährigen politischen Heimat auch, dass niemand bei ihm angerufen hätte, als sein Austritt publik wurde. "Ich hätte mich gefreut, wenn jemand bei mir angerufen hätte. Aber nicht mal die Kreisvorsitzende Gudrun Brendel-Fischer hätte sich gemeldet. Aber auch im Gemeinderat sei sein Austritt nie ein Thema gewesen.

Bursian muss noch nachdenken

Die gute Stimmenzahl der AfD bei der Bundestagswahl im Raum Mistelgau zeige ihm, so Bursian weiter, dass er nicht der einzige AfD-Sympathisant sei. Vielleicht könne man das Potenzial in einem Ortsverband bündeln. Darüber werde er jedoch erst Ende des Jahres nachdenken.

 

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