Mutiger Mann Stadt ehrt Widerstandskämpfer Adam Seeser

60 Jahre nach seinem Tod hat die Stadt Bayreuth den früheren Bürgermeister, Stadtrat und Widerstandskämpfer Adam Seeser mit der Benennung eines Weges in der Wilhelminenaue geehrt.⋌Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH.

Er war Sozialdemokrat und Gewerkschafter, Bürgermeister und Stadtrat. Vor allem aber ein sozial engagierter Mensch, der „fuchsteufelswild“ wurde, wenn jemandem Unrecht widerfuhr, wie sich sein Enkel Kurt Seeser erinnert. Seit Donnerstag gedenkt die Stadt Bayreuth in besonderer Weise Adam Seesers: Der Rad- und Fußweg auf dem Gelände der Wilhelminenaue trägt nun seinen Namen.

Dass ausgerechnet jetzt und ausgerechnet ein Fuß- und Radweg auf dem ehemaligen Gelände der Landesgartenschau den Namen des 1881 in Bayreuth geborenen Schreiners Seeser erhält, ist kein Zufall. Seeser starb im Jahre 1958, also vor 60 Jahren. Und am Rande des Weges, ungefähr auf halber Strecke zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Eremitagestraße, befindet sich ein Gartengrundstück, das im Leben Seesers eine wichtige Rolle spielt. In dem kleinen Schrebergarten, den Seeser 1931 erworben hatte, versteckte er sich im März 1933, als der entschiedene Gegner des NS-Regimes verhaftet werden sollte.

Wochenlang in Schutzhaft

Entkommen konnte er den Nazi-Schergen nicht. Es sollte nicht die einzige Verhaftung bleiben. „Die Familie musste während der Nazi-Zeit viel Leid erdulden“, sagt Enkelsohn Kurt. Mindestens drei Mal wurde Seeser während der NS-Diktatur in Schutzhaft genommen und im Gefängnis St. Georgen für jeweils mehrere Wochen inhaftiert. Übrigens zusammen mit seinem ältesten Sohn Otto, der wie sein Vater und seine Brüder Karl, Willi und Konrad, der Vater von Kurt Seeser, gewerkschaftlich und politisch engagiert war. Der zweitälteste Sohn Karl trat nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft in die Fußstapfen seines Vaters und wurde Stadtrat für die SPD. 1972 verlieh ihm die Stadt Bayreuth die Ehrenbürgerwürde.

Emotionaler Antrag

„Adam Seeser war ein sehr mutiger Mensch, der in besonderer Weise Verantwortung gezeigt hat zu einer Zeit, in der die meisten Zeitgenossen weggeschaut haben“, sagt Stadträtin Christa Müller-Feuerstein. Sie hat 2013 im Stadtrat den Antrag gestellt, eine Straße nach Adam Seeser zu benennen. Seeser und seine Familie seien in der Nazi-Zeit „unglaublich schikaniert“ worden, ihnen sei jegliche berufliche Tätigkeit verwehrt worden, weiß Müller-Feuerstein aus Gesprächen mit den Nachkommen. Aber allen Schikanen zum Trotz habe sich Seeser nicht abschrecken lassen und sei seinen Idealen immer treu geblieben. Wie bedeutend Seesers politische Rolle bis zur Aufgabe seines Engagements im Jahre 1948 war beweise, so Müller-Feuerstein, die Zustimmung zu ihrem Antrag: alle Stadträte unterstützten ihr Ansinnen. „Ich habe viele Anträge im Stadtrat gestellt, aber keiner war mit solch starken Emotionen besetzt wie der für die Benennung einer Straße nach Adam Seeser“, betont die Stadträtin.

Ganz ruhiger Patron

Adam Seeser sei bereits in jungen Jahren der Gewerkschaftsbewegung und der SPD beigetreten, war Vorsitzender des Ortsvereins und Gewerkschaftssekretär, berichtete Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe bei der Enthüllung des Straßenschildes. Von 1911 bis 1933 war er Stadtrat. Nach der Machtübernahme durch die NSDAP wurde er verhaftet. Im Mai 1945 setzte ihn der Militärgouverneur als Bürgermeister ein. Später übernahm er das Sozialreferat. Nach der ersten Stadtratswahl 1946 wurde er zweiter Bürgermeister. 1948 zog sich Seeser aus der Kommunalpolitik zurück. Auslöser für diesen Entschluss war in erster Linie der Tod seiner Frau, sagt Enkel Kurt Seeser.

„Mein Großvater war ein ganz ruhiger Patron, den das ärmliche Leben der Arbeiterfamilien in seiner Jugend geprägt hat. Wenn jemandem Unrecht geschah, konnte er jedoch fuchsteufelswild werden“, sagt Enkel Kurt Seeser. Sein Einsatz für Gerechtigkeit und soziale Verbesserungen hat auch die nachfolgenden Generationen geprägt. „Ich denke“, sagt Kurt Seeser, „dass wir alle in der SPD sind.“

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading