Mit Umweltpreis ausgezeichnet Forscher warnt vor gewaltigem Insektenschwund

Der Schutz der Natur liegt ihm am Herzen: Pedro Gerstberger wurde nun mit dem Umwelt- und Naturschutzpreis 2018 der Stadt Bayreuth ausgezeichnet. Foto: Archiv/Ronald Wittek

BAYREUTH. Bloß nicht aufgeben. Weiter forschen, weiter für den Naturschutz arbeiten – auch im Ruhestand will der Bayreuther Pflanzenökologe Pedro Gerstberger aktiv bleiben. Die Stadt Bayreuth verlieh ihn nun den Umwelt– und Naturschutzpreis 2018, eine Anerkennung seines langjährigen Engagements auch über die Grenzen der Region hinaus.

Bekannt ist Gerstberger vor allem für seinen Einsatz für den Anbau der Becherpflanze als Alternative zum Mais. „Mit der Becherpflanze oder Silphie sind wir sehr gut vorangekommen. Sie ist in Nordbayern mittlerweile auch gut in der Bevölkerung angekommen“, zieht er eine positive Bilanz.

Er hebt die vielen ökologischen Vorteile der Becherpflanze – im Vergleich zum Mais – hervor. Natürlich werde die Becherpflanze den Mais niemals verdrängen. Aber ihre Vorteile lägen unbestritten im Grund- und Trinkwasserschutz und in der Schonung natürlicher Ressourcen.

Lange Zeit wertvolle Nahrung

„So kann es nicht weitergehen“, warnt Gerstberger. Durch den weit verbreiteten Maisanbau für Biogasanlagen nehme der Abtrag wertvollen Bodens und die Bodenverdichtung zu. „Wenn wir ein Prozent der Maisfläche durch die Becherpflanze ersetzen könnten, wäre das für Bienen und Insekten gut“, zeigt er sich überzeugt. Denn die Becherpflanze blühe noch im Herbst, gibt den Insekten lange Zeit wertvolle Nahrung.

„Ich werde weiter ehrenamtlich für den Naturschutz tätig sein“, sagt der 66-Jährige. Er will auch in Zukunft wissenschaftlich arbeiten und publizieren. Aufgaben sieht er vor allem in der Erforschung der Flora Nordostbayerns, die seit dem Jahr 2000 läuft und nun langsam vor dem Abschluss steht. Doch auch Projekte auf den Kanarischen Inseln und in den Karpaten liegen ihm am Herzen.

Von der Verleihung des Umwelt- und Naturschutzpreises hat Gerstberger durch einen persönlichen Anruf von Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe erfahren. Wann die Auszeichnung überreicht wird, steht noch nicht fest. Die Dotierung von 1500 Euro will der Preisträger in Naturschutzprojekte zurückfließen lassen: Die Hälfte soll der Rettung bedrohter Wildtierarten in Südafrika zugute kommen, die andere Hälfte dem regionalen Naturschutz.

Seit 1983 lebt der Biologe in Bayreuth, war seitdem Mitarbeiter am Lehrstuhl für Pflanzenökologie der Universität. Er kämpfte für den Erhalt einer wertvollen Orchideenwiese und des Fichtelseemoores, engagierte sich gegen den Bau des Rotmainspeichers unterhalb von Creußen, sitzt im Naturschutzbeirat der Regierung von Oberfranken und der Stadt Bayreuth. Exkursionen in die Umgebung und in die Alpen gehören dazu. Gerstberger ist unermüdlich.

Früher viele bunte Wiesen

Geboren ist er in Argentinien, mit vier Jahren kehrten seine Eltern nach Deutschland zurück. In Mönchengladbach aufgewachsen, studierte er in Bonn. Nach der Promotion wechselte der junge Wissenschaftler an die örtliche Uni.

„Für Biologen war das Bayreuther Land ein Paradies. Die Wiesen waren damals bunt, es gab viele Schmetterlinge“, erinnert sich Gerstberger. Doch mittlerweile gebe es einen gewaltigen Schwund an Insekten durch die intensive Landwirtschaft, den Biogas-Boom und den Zwang, sich an die EU-Richtlinien anzupassen.

Die EU sollte ihre Agrarzuschüsse nicht nach der Fläche, sondern nach der Art der Bewirtschaftung vergeben. Dann hätten auch kleine und mittlere Bauern eine Überlebenschance. Die Hoffnung stirbt zuletzt, doch Gerstberger ist Realist: „Der Konzentrationsprozess in der Landwirtschaft wird weitergehen.“

Doch es gebe einen Umdenkungsprozess in der Bevölkerung hin zu Bioprodukten. Viele Menschen seien bereit, 20 bis 30 Prozent mehr für Produkte zu zahlen, die umwelt- und tiergerecht erzeugt werden. Mittlerweile würden auch große Lebensmittelketten diese Waren anbieten.

Autos sind keine Statussymbole

Auch zum Thema Klimaerwärmung vertritt der Wissenschaftler eine klare Meinung: Bei den Prognosen zur Flug- und Verkehrsentwicklung „kommt mir das Grausen“. Bei der Verkehrspolitik laufe einiges schief. Autos sind für ihn Fortbewegungsmittel, keine Statussymbole.

 

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