Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – Projekt „MINTphilmal“: Zum ersten Mal für Flüchtlingskinder Haus aus bunten Würfeln

15 Schüler der Übergangsklasse der Luitpoldschule in Bayreuth aus Syrien, Irak, Italien, Rumänien, Russland, Kasachstan, Armenien, Nigeria und Libyen nehmen am MINT Projekt an der Creußener Grund- und Mittelschule teil. Foto: Ralf Münch

Es sind 15 Kinder aus Syrien, dem Irak, Rumänien, Kasachstan, Armenien, Nigeria oder Libyen, die mit Angehörigen aus ihrem Land geflüchtet sind und für eineinhalb Stunden in der Creußener Grund- und Mittelschule entspannt sein können. Normalerweise besuchen sie die Übergangsklasse der Luitpoldschule in Bayreuth.

Der Grund weshalb sie, wenn auch nur kurz, an einer anderen Schule sind, nennt sich „MINTphilmal“. Das Projekt ist nicht neu. Es steht für die Anfangsbuchstaben der Wörter Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik. Bei Schülern sollen auf einfache Weise Interessen in diesen Gebieten geweckt werden. „MINTphilmal“, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird existiert seit September 2015 und ist ein Bildungsprojekt für Menschen in der Region Bayreuth. Denn da kommt dann auch noch philosophieren und künstlerisches Gestalten, eben etwa Malen dazu.

Anderer kultureller Hintergrund

Es ist allerdings das erste Mal, dass dieses Projekt mit Flüchtlingskindern, die zwischen sieben und zehn Jahre alt sind und gerade einmal zwischen etwas über einem Jahr in Deutschland sind, durchgeführt wird. Macht es überhaupt Sinn solch ein Projekt mit Kindern, die mehr oder weniger die deutsche Sprache kaum beherrschen durchzuführen? Die Klassenleiterin der Übergangsklasse, Helga Sieber: „Das wird man sehen, wenn wir fertig sind.“ Und die Schulamtsdirektorin der staatlichen Schulämter im Landkreis und in der Stadt Bayreuth, Marina Lindner, erklärt: „Man muss da natürlich auch Einschränkungen machen. Was man von einem Kind, das der deutschen Sprache mächtig ist erwarten darf, kann man natürlich nicht auch von einem Kind, das gerade einmal ein paar Wochen hier ist und einen ganz anderen kulturellen Hintergrund hat.“ Das beträfe natürlich vor allem die Bereiche der Naturwissenschaften.

Nur zwei Kinder können Deutsch

Helga Sieber weiter: „Wir haben in meiner Klasse sieben neue Schüler. Zwei von ihnen können einigermaßen Deutsch. Sonst kann kein Kind Deutsch. Da kann man dann natürlich auch nicht erwarten, dass sie philosophieren können“ – auch wenn, wie Schulamtsleiterin Lindner sagt, dass gerade Kinder das gerne machen. Weil sie völlig andere Ansichten und Vorstellungen haben, auf die Erwachsene selber nie kommen würden.

In Creußen geht es aber gar nicht darum. Nicht um Naturwissenschaft, um Mathematik oder sprachliche Auseinandersetzung in einer Gruppe. Das wäre nicht möglich. Hier baut in einem Klassenraum eine Gruppe ein Haus aus bunten Schaumstoffwürfeln. Es geht kunterbunt zu – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Kinder dürfen Kinder sein und das Thema lautet: „Würfelgebäude, geplant, gebaut und angeschaut“. Zu diesem Thema erfahren die Kinder praktisch mit Würfeln und Quadern den Zusammenhang zwischen Bauplänen und räumlichen Gebilden. Ihnen werden Bilder gezeigt, und diese Formen auf den Bildern bauen sie dann nach.

Bilder auf großen Papierbögen

Im anderen Raum können sie sich unter dem Thema „Künstlerische Entdeckungen“ selbst verwirklichen. Spielerisch und künstlerisch lassen sich die Teilnehmer auf das Thema „Wer bin ich?“ ein. Mit Farben können sie auf großen Papierbögen Bilder malen. Bilder, wie sich selber sehen oder wie sie ihre Umwelt sehen. Es sind Gesichter, die sie von sich selbst oder ihren Eltern zeichnen. Oder Herzen. Karoline Haußner von der Mittelschule St. Georgen in Bayreuth, die diesen Kurs leitet: „Es ist schon erstaunlichen welche Kreativität die Kinder entwickeln können.

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