Kulinarische Dekadenz Blattgold sorgt für "Glitter-Kacka"

Vergoldetes Essen? Seit Fußballstar Franck Ribéry damit Schlagzeilen gemacht hat, ist Gold in aller Munde. Foto: Roland Weihrauch/dpa

KULMBACH/WIRSBERG. Fußballstar Franck Ribéry hat mit seinen vergoldeten Riesensteak Schlagzeilen gemacht. Fernsehkoch Alexander Herrmann hält von Gold im Essen nichts. Das sehen andere auch so.

Starkoch Alexander Herrmann aus Wirsberg ist nicht nur für seine innovative Küche, sondern auch für lockere Sprüche bekannt. Von "Hochkarätigem" im Essen, wie sich das Fußballstar Franck Ribéry kürzlich mit einem rundum in Blattgold gewickeltem "Tomahawk Steak" in einem Nobelrestaurant in Dubai schmecken ließ, hält Alexander Herrmann aber gar nichts.

"Blattgold ist für Glitter-Kacka. Kulinarisch ist das ziemlich sinnlos," sagt der Fernsehkoch mit trockenem Humor und spielt damit darauf an, dass Gold nicht nur nach gar nichts schmeckt, sondern auch für den menschlichen Körper unverdaulich ist. Herrmann fragt sich: "Welchen Sinn sollte das haben, ein Steak mit Blattgold zu veredeln, das am Ende als Glitter hinten wieder rauskommt?"

Mit seiner skeptischen Haltung zum Thema Gold im Essen steht Alexander Herrmann keineswegs allein da. Der Geschäftsführer der Genussregion Oberfranken, Norbert Heimbeck, und die Ernährungswissenschaftlerin Christine Brunner vom Kern in Kulmbach sehen das genau so.

Das braucht keiner

Ein Hauch von Blattgold als Verzierung auf einem edlen Dessert, winzige Goldsprenkel auf einer Praline: "Da kann ich noch sagen, das ist minimalistische Dekadenz, die eigentlich keiner braucht. Aber ein ganzes Steak?" Der Wirsberger Küchenchef schüttelt darüber ebenso den Kopf wie über die schriftlichen Ausraster, die Franck Ribéry sich schließlich in den sozialen Medien geleistet hat, als er von Lesern kritisiert worden war. "Jeder, der sich in sozialen Medien darstellt, ist ein Selbstdarsteller und erwartet Feedback. Sonst bräuchte es das ja nicht. Dann muss man aber auch damit leben können, was danach passiert. Ribérys Wortwahl: mein lieber Herr Gesangverein. Das muss man schon mögen."

Den Chef des Restaurants, in dem Ribéry in Dubai gespeist hat, kennt Alexander Herrmann persönlich. "Salt Bae" lässt sich der gelernte kurdische Metzger Nusret Gökce gerne nennen, der es weniger wegen seines besonders guten Essens, sondern mehr wegen seiner Show drumherum zu Weltruhm und zehn Restaurants auf der ganzen Welt gebracht hat.

Alexander Herrmann hat das Video gesehen, auf dem "Salt Bae" für Ribéry das Steak zerkleinert. "Der schneidet nicht, der fuchtelt. Das kommt an, das ist sein Markenzeichen. Jeder hat so seine Möglichkeiten. Wenn Franck Ribéry sich ein Steak für 1200 Euro leisten will, soll er das machen, meint Alexander Herrmann. "Wir leben in einer freien Welt. Aber wenn er es so zur Schau stellt, muss er auch mit Antworten rechnen."

Tarnung für vergammeltes Fleisch

Norbert Heimbeck, Geschäftsführer der Genussregion Oberfranken, lacht schallend, als er nach dem Ribéry-Ausrutscher gefragt wird. Natürlich hat auch er den "Fall" verfolgt. Heimbeck kann sogar mit einem eigenen "Gold-Genuss-Erlebnis" aufwarten. Im Berliner Nobelhotel Adlon hat er einst eine Currywurst probiert, die ebenfalls mit Blattgold verziert gewesen ist. Der Franke hat auf solche Extravaganzen eine knappe Antwort: "Das ist Quatsch, so etwas zu machen, und dabei nicht einmal neu."

Der Genussexperte weiß, wie Gold als Zutat zum Essen ins Spiel gekommen ist: "Das stammt aus der Barock- und Renaissancezeit. Damals haben reiche Leute versucht, vergammelndes Fleisch mit Gold zu verdecken." Einen Beitrag zur Geschmacksverbesserung kann Gold nicht leisten, denn es schmeckt nach rein gar nichts, sagt Norbert Heimbeck. Und in Anspielung auf das gewaltige, komplett mit Gold überzogene Ribéry-Steak fügt er an: "In der Menge ist es gleich doppelt geschmacklos, völlig sinnlos und protzig."

Den Chef de Cuisine "Salt Bae" bewertet Heimbeck auf fränkisch rustikale Weise: "Dieser Wirt war ursprünglich mal Metzger. In einem Bergwerk war er auch mal, aber das war ihm zu viel Arbeit. Jetzt hat er mit verschiedenen Lokalen und seiner völlig bescheuerten Show großen Erfolg." Geschmacklich sei, was "Salt Bae" seinen Gästen biete, den großen Restaurantkritiken zufolge keine Offenbarung, weiß Norbert Heimbeck. Deswegen rät er allen, die wirklich tolles Essen genießen wollen, sich anderweitig umzuschauen. "Aber wer großes Theater liebt, kommt vielleicht auf seine Kosten."

Als i-Tüpfelchen

Christiane Brunner ist Ernährungswissenschaftlerin und am Kompetenzzentrum für Ernährung (Kern) in Kulmbach beschäftigt. Auch sie weiß von dem goldenen Ribéry-Steak. Sie sieht das Thema ganz sachlich. "Gold kann man in der Tat essen", bestätigt die Wissenschaftlerin. "Aber in der Regel verwendet man Gold als i-Tüpfelchen, zum Beispiel auf einer Praline."

Ernährungsphysiologisch habe Gold keinerlei Bedeutung, weiß die kommissarische Bereichsleiterin für Wissenstransfers. Die opulente Verwendung von Blattgold einem riesigen Steak war Brunner bisher neu. "Ich kannte das bisher nur als Gutzi auf Pralinen oder einem Dessert." Jetzt kennt Brunner auch diese Variante. Allzu wichtig nimmt sie das aber nicht: "Es gibt wichtigere Dinge im Leben."

Wird Gold eigentlich im menschlichen Körper verdaut oder kommt es tatsächlich als "Glitter-Kacka" wieder, wie Alexander Herrmann vermutet? Christine Brunner muss dann doch lachen. "Mit der Frage, ob das verdaulich ist, haben wir uns bisher noch nicht befasst."


Geschmacksneutral

Gold, genauer gesagt Blattgold, kann man tatsächlich essen. Es wird in der Lebensmittelwirtschaft als Lebensmittelzusatzstoff und natürlicher Farbstoff geführt und hat sogar eine Zusatzstoffnummer, mit deren Hilfe man auf Inhaltsangaben herausfinden kann, ob Gold einem Lebensmittel zugesetzt worden ist: E175.

Blattgold schmeckt nach gar nichts und ist selbst dann noch völlig neutral, wenn man es sich pur auf die Zunge legt. Der Verzehr von Gold gilt gesundheitlich als unbedenklich. Dass es keine Mengenbegrenzung für diesen Verzehr gibt, dürfte daran liegen, dass ein Gramm Blattgold teurer als der Grammpreis eines Goldbarrens ist. Bis zu 300 Euro kostet es. Das macht es unwahrscheinlich, dass jemand mehrere Gramm täglich isst.

Wer es selbst versuchen will, sollte darauf achten, nur Gold zu verwenden, das für Lebensmittelzwecke zugelassen ist.

 

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