Klinikum: Chefarzt der Gynäkologie fliegt

Archivfoto: Ronald Wittek

Einst Top-Mediziner, jetzt über falsche Abrechnungen gestolpert: Das Klinikum Bayreuth hat sich deswegen am Montag von seinem Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe getrennt. Dem 54-Jährigen droht jetzt auch noch eine Anzeige. Damit wäre es der zweite Chefarzt der Geburtshilfe, von dem sich die Klinik im Unfrieden trennt.

Das Ende einer Karriere am Klinikum Bayreuth wurde in einer außerordentlichen Aufsichtsrats-Sitzung am Montagnachmittag beschlossen: Ab sofort kein Chefarzt mehr, Freistellung. Den Rest regeln Anwälte.

Mit Vorschusslorbeeren angetreten

Mehr als fünf Jahre leitete er die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Klinikum Chemnitz GmbH, dem drittgrößten Krankenhaus Deutschlands in kommunaler Trägerschaft mit 1745 Betten. In der Ärzteliste der Zeitschrift „Focus" 2012 zählt er als Experte für die Therapie von Brustkrebs und gynäkologischen Tumoren zu den Top-Medizinern in Deutschland.

Angetreten war er Anfang 2014 – mit Vorschusslorbeeren. Er übernahm die Leitung der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Klinikum Bayreuth GmbH. Damit war er auch der Leiter des zertifizierten Brustzentrums und gemeinsam mit Thomas Rupprecht Leiter des zertifizierten Perinatal-Zentrums Level 1. Also ein wichtiges Rad im Klinikums-Getriebe.

Auch in Chemnitz gab es Ärger

Allerdings wurde erst einige Wochen nach seinem Arbeitsbeginn bekannt, dass er auch vom Klinikum Chemnitz, wo er ab 2008 als Chefarzt der Frauenklinik tätig war ist, im Unfrieden gegangen ist. Dort sollen es allerdings keine falschen Abrechnungen, sondern sein Führungsstil gewesen sein, weswegen er eine Abfindung bekam und nach Bayreuth ging.

Nach Informationen der Chemnitzer Tageszeitung „Freie Presse“ hatte sich ein Teil der niedergelassenen Frauenärzte gegen ihn ausgesprochen. Zudem hätten Ärzte und Mitarbeiter aus der Pflege seinetwegen das Klinikum Chemnitz verlassen.

Zahlung auf das Konto des Arztes geflossen

Gestolpert ist der Chefarzt in Bayreuth eher zufällig. Es ging um eine Abrechnung, über die sich die Verwaltung mehr als wunderte. Eine Abrechnung, die seine Patientin eigentlich schon bezahlt hatte. Nach Informationen des Kuriers ging die Summe allerdings nicht ans Klinikum, dem Arbeitgeber des Chefarztes, sondern an sein eigenes Konto. In solchen Fällen ist es üblich, dass Kliniken die Unregelmäßigkeiten bei der Polizei anzeigen.

Tatsächlich ist es so, dass Chefärzte auch privat abrechnen können. Allerdings nach strengen Regeln. Diese wurden nach Informationen des Kuriers bei einigen Rechnungen nicht berücksichtigt. Um welche Summe es sich handelt, um welche Behandlungen und um wie viel Rechnungen, darüber herrscht in der Klinik Stillschweigen.

Keine Stellungnahme des Aufsichtsrates

Nach Informationen des Kuriers ist der gestolperte Chefarzt in der Aufsichtsrats-Sitzung zu Wort gekommen. Zwei unterschiedliche Quellen berichten Gegensätzliches: Einmal habe der Chefarzt die Fehler eingeräumt, einmal habe er sie nicht eingeräumt. Was letztlich stimmt, bleibt wie der gesamte Vorgang hinter verschlossenen Türen: Dort wurde die Causa nämlich verhandelt.

Von der aktuellen Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, gab es bis jetzt keine Stellungnahme – und keine Details. Es handle sich um „eine Personalangelegenheit, die in nichtöffentlicher Sitzung des Aufsichtsrats der Klinikum Bayreuth GmbH behandelt wurde. Weitergehende Auskünfte sind daher gegenwärtig nicht möglich“. Seit Donnerstag ist der Chefarzt nicht mehr im Dienst.

Der Vorgänger ging schon während der Probezeit

Bereits 2013 hatte sich das Klinikum Bayreuth von einem Leiter seiner Frauenklinik und damit dem Vorgänger des jetzt beurlaubten Arztes getrennt. Dieser hatte offiziell das Vertragsverhältnis mit dem Klinikum Bayreuth gekündigt – noch während seiner Probezeit. Er war zuvor am Klinikum in Saarbrücken tätig gewesen, dieses Krankenhaus sah sich mehreren Rechtstreitigkeiten mit ehemaligen Patientinnen ausgesetzt.

Nach Kurier-Recherchen lag der Anteil an Nachoperationen bei Brustkrebspatientinnen am Klinikum Bayreuth unter seiner Regie über dem Wert, der für ein anerkanntes Brustzentrum empfohlen ist. Und: Die niedergelassenen Frauenärzte waren mit Einweisungen in die Bayreuther Frauenklinik zurückhaltend. Dass er dann selbst ging und damit wohl einer Kündigung durch das Klinikum zuvorkam, darauf hatte der Aufsichtsrat bei einem internen Gespräch mit dem damaligen Klinikums-Chef Roland Ranftl hingewirkt.

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