Kiosk-Pächterin Anita Eckert kann viel erzählen Was die "Fischerin vom Pottensteiner Schöngrundsee" erlebt

So kennt man sie: Anita Eckert, in ihrem Reich am Pottensteiner Schöngrundsee. Foto: Böhm

Quasi aus dem Nichts hat Anita Eckert einen florierenden Saisonbetrieb am Schöngrundsee geschaffen. Zu Beginn vor 25 Jahren gab es nur einen Bootsverleih, aber keine Toilette, kein Telefon. Mittlerweile kommen viele Stammgäste zu ihr, der Betrieb ist weit in der Region bekannt. Die Pächterin hat in all den Jahren viel erlebt. Besonders gerne erinnert sie sich an einen nächtlichen, romantischen Heiratsantrag.

Anita Eckert stammt aus Schlammersdorf in der Oberpfalz. Sie heiratete nach Elbersberg, ihren Mann Richard. Die junge Familie hatte zwei Kinder, baute ein Haus, ein Zuverdienst war erforderlich. Zuerst interessierte sich niemand für diese Möglichkeit am Schöngrundsee, für die junge Mutter war es jedoch eine gute Möglichkeit Kinderbetreuung und Job unter einen Hut zu bringen. Nach wiederholten Nachfragen der Gäste nach einem WC und einem Notfalltelefon entstand zuerst ein kleiner Kiosk, der mittlerweile dreimal ausgebaut und vergrößert wurde. Ebenso die Toiletten. Der erste Pachtvertrag wurde für ein Jahr geschlossen, in diesem Jahr wird das 25-jährige Bestehen gefeiert.

Zu Beginn wurde sie gerne mit dem Spitznamen „Die Fischerin vom Schöngrundsee“ bedacht, das hat sie aber nie gestört. Aus dem anfänglichen Speisenangebot mit belegten Brötchen, die es auch heute noch gibt, ist eine umfangreiche Auswahl für jeden Geschmack geworden. Neben hausgemachten Kuchen gibt es auch hausgemachte Waffeln mit dem Obst der Saison. Das weitere Speisenangebot ist breitgefächert, es reicht vom Salatteller über die beliebten XXL-Speisen. Anderes Essen gibt es selbstverständlich in Normalgrößen.

Currywurst mit Blattgold

Zur Fußballweltmeisterschaft wurde sogar eine „Weltmeister-Currywurst mit Blattgold“ kreiert. Das Ziel von Anita Eckert war immer, dass die Gäste mit einem Lächeln ihren Kiosk mit der schönen Terrasse verlassen, sie sollen zufrieden sein und wiederkommen.

Dies ist ihr offensichtlich gelungen, denn es gibt viele Stammgäste. Einheimische kommen jeden Sonntagmorgen (manche auch wenn es regnet – die Treuesten davon auch schon seit 25 Jahren) zum Kaffee oder Frühschoppen. Eine Motorradgruppe aus Italien kam 14-tägig auch Sonntag vormittags zum Kaffee trinken, und zwar 15 Jahre lang. Diese Gruppe bleibt seit einem Jahr aus, denn es ist ein tödlicher Unfall passiert. Aus dieser Formation kommen jetzt immer noch einzelne Motorradfahrer zu Besuch.

Seit mehr als zehn Jahren kommen Berliner Gäste regelmäßig, zum 20-jährigen Bestehen reisten sie sogar extra für die Feier an. Viele Gäste sehen Anita Eckert mittlerweile als Mutterfigur, nach der Winterpause werden die Ereignisse der Wintermonate erzählt, mitunter auch ganze Familiengeschichten.

Anita Eckert hat viel erlebt. Einmal bat sie ein verliebter Mann, nachts eine besonders romantische Bootsfahrt zu ermöglichen. Das Szenario wurde in die Tat umgesetzt: Ein Boot und der Schöngrundsee wurden mit Kerzen festlich illuminiert, er machte seiner Angebeteten einen Heiratsantrag; es war romantisch hoch drei. Die Frau sagte „Ja“, das wurde anschließend mit Sekt und einigen Tränchen aller Beteiligten gefeiert. Das Paar kam aus der Bayreuther Gegend, dies war vor drei Jahren. Im letzten Jahr kam eine Brautentführung aus dem Ahorntal bei ihr zu einem glücklichen Ende.

Im Saisonbetrieb arbeiten mit der Chefin elf Personen, vier feste Kräfte und sieben Aushilfen. Die meisten sind schon über 20 Jahre dabei. Einmal im Jahr gibt es für alle eine gemeinsame Geburtstagsfeier mit ihren Familien, dann ist der Kiosk nur für diese geschlossene Gesellschaft reserviert. Es gibt fränkische Spezialitäten, zum Beispiel Spanferkel, und die Party wird selbstverständlich mit stimmungsvoller Musik garniert.

Ehemann Richard hilft viel

Stolz ist Anita Eckert auf ihren Ehemann Richard, der immer unterstützend und helfend zum Gelingen beigetragen hat. Ebenso wie ihre Tochter Daniela, die schon seit 19 Jahren mit Rat und Tat mithilft. Ebenso stolz erzählt Anita Eckert, dass sie vor vier Wochen Oma ihrer Enkelin Leonie geworden ist, im Juni wird auch das zweite Enkelkind erwartet.

Ihr drittes Kind, Sohn Jonas, mittlerweile 18 Jahre alt, verbrachte seine Kindheit und Jugend meist am Schöngrundsee; hier entwickelte er das Talent sehr gut mit Menschen umzugehen, derzeit lernt er Koch.

Anita Eckert betont, dass sie stolz und glücklich ist, durch diese Arbeit ihre erfüllende Lebensaufgabe gefunden zu haben. „Alles, was in meiner Macht steht, damit die Gäste schöne Stunden haben, wenn sie vom Alltag ausspannen wollen, das tue ich“, sagt sie mit einem strahlenden Lächeln. Und das an sieben Tagen in der Woche, denn es gibt in der Saison keinen Ruhetag.

 

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