Keine dritte Amtszeit Bindlacher Bürgermeister Gerald Kolb hört auf

Gerald Kolb (WG), der Bürgermeister von Bindlach, hat eine Entscheidung getroffen, die hart bei den freien Wählern und den Mitarbeitern im Rathaus angekommen ist: Er steht bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr für eine dritte Amtszeit zur Verfügung. Foto: Eric Waha

BINDLACH. Lang hat er mit sich gerungen, jetzt hat er die Entscheidung gefällt: Gerald Kolb, seit 2008 Bürgermeister von Bindlach, tritt im kommenden Jahr nicht erneut an. Eine Entscheidung aus privaten Gründen, die er am Montag erst den Mitarbeitern des Rathauses und am späten Abend auch dem Gemeinderat mitgeteilt hat. Es gebe nichts zu rütteln, nach langem Abwägen habe er sich "für den Privatmann Gerald Kolb und seine Gesundheit entschieden", sagt Kolb am Abend.

"Es hat auch Tränen gegeben", sagt Gerald Kolb am Montagnachmittag im Gespräch mit unserer Zeitung. Tränen, als er am Montag den Mitarbeitern in der Gemeindeverwaltung mitgeteilt hatte, dass sie im kommenden Frühjahr einen neuen Chef bekommen werden.

Seit November vergangenen Jahres habe er immer wieder nachgedacht, habe abgewogen, ob er den "verantwortungsvollen und interessanten Bürgermeister-Beruf noch einmal sechs lange Jahre machen möchte", wie er am Abend dem Gemeinderat sagt. "Für mich waren und sind die jetzt knappen elf Jahre als Bürgermeister der aufstrebenden Gemeinde Bindlach kein Beruf, sondern Berufung, die ich mit vollster Überzeugung, mit Herzblut, Leidenschaft und viel Menschlichkeit ausübe", sagt Kolb weiter.

WG ist geschockt

Es stecke "kein böser Hintergrund dahinter", dass er jetzt die Entscheidung getroffen und sie seiner WG in der jüngsten Sitzung mitgeteilt hat, als es eigentlich um die Vorbereitung der nächsten Wahlen gehen sollte. Neithard Prell, der Fraktionsvorsitzende der WG im Gemeinderat, sagt auf Anfrage unserer Zeitung, dass Kolb seine Fraktion durchaus überrascht habe. "Im engsten Kreis waren wir natürlich informiert, aber wir hatten gehofft und gebangt, dass er seine Entscheidung noch einmal überdenkt."

Dennoch sei jetzt festzuhalten: "Das hat uns schwer getroffen, wir sind fast geschockt", sagt Prell. Schließlich sei Kolb "der erste Mann der WG, der Freien Wähler, der viel auf den Weg gebracht hat. Einen geeigneten Nachfolger zu finden, wird schwer", räumt Prell ein. "Wir haben kaum Hoffnung, auf die Schnelle jemanden zu finden."

Bürgermeister und die größte Fraktion

Was Kolb im Gespräch mit unserer Zeitung mit "Einsatz mit Herzblut" umschreibt, beschreibt Prell so: Kolb sei "ein menschlicher, freundschaftlicher Typ", dessen herzliche Art ihm viel Sympathie einbringe. Und der "sein Bindlach" durch "große Projekte, die vor 20 Jahren noch nicht denkbar waren", vorangebracht habe.

Die WG werde sich "anstrengen müssen, um ein gutes Wahlziel zu erreichen". Für die Wahlgemeinschaft sei es vor fünf Jahren "ein Wahnsinns-Hype gewesen, dass wir nicht nur den Bürgermeister stellen, sondern auch die größte Fraktion haben", sagt Kolb. "Das ist schon eine Herausforderung für die nächsten Wahlen."

Gute Entwicklung von Bindlach in den vergangenen elf Jahren

Kolb selbst denkt oft zurück an den ersten Tag im Amt, an dem er 2008 vor zwölf Unterschriftenmappen gesessen sei. "Meine Leute hier in der Verwaltung haben sich stundenlang bis in die Puppen mit mir hingesetzt und mir die Vorgänge erklärt. Die haben aus jemandem, der erst einmal keine Ahnung von dem Amt hatte, einen Bürgermeister gemacht, dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Das Herzblut musste ich allerdings selber mitbringen."

Als Kolb anfing, habe es einen Kreisverkehr in Bindlach gegeben, "nach Ostern bauen wir den fünften. Viele Firmen haben sich in den vergangenen elf Jahren angesiedelt, die Tankstelle habe ich herholen können. Die Zeit ist wahnsinnig schnell vergangen. Es würde schon noch Spaß machen, weiter zu machen. Aber ich hatte mir geschworen, dass ich nicht bis 66 arbeiten will". Und halbe Sachen, sagt Kolb, die seien einfach nicht sein Ding. Schon gar nicht eine halbe weitere Amtszeit.

Das Jahr "volle Kanne durchziehen"

Er werde das restliche Jahr angesichts der vielen anstehenden Projekte bis zur Wahl "noch volle Kanne durchziehen, vielleicht kann ich ja den Spatenstich für das neue Feuerwehrhaus noch selber machen", sagt er mit einem Lächeln. Seine politische Karriere ende in jedem Fall im Frühjahr 2020, Ende April, "wenn es keine Stichwahl gibt".

Er werde sich nicht für den Gemeinderat zur Verfügung stellen, habe herzhaft lachen müssen, als er für die Nachfolge von Landrat Hermann Hübner ins Gespräch gebracht worden war. "Dafür hätte ich absolut null Ambitionen gehabt. Ich bin doch mit Bindlach voll ausgelastet." Sein Ziel sei künftig: "Mal wieder Privatmann sein, mal walken zu gehen, zwei Mal in der Woche in die Sauna. Und mit meiner Frau am Sonntag endlich mal wieder länger zu frühstücken, ohne auf die Uhr schauen zu müssen."

 

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