Jugendstrafen beantragt Brandstiftung als Adrenalinkick?

Im Prozess gegen drei heranwachsende Brandstifter aus Kulmbach hat Staatsanwalt Julius Klug JUgendstrafe beantragt. Foto: Arne Dedert, dpa-Archiv

BAYREUTH/KULMBACH. Im Prozess gegen ein junges Diebes- und Brandstiftertrio aus Kulmbach hat Staatsanwalt Julius Klug Jugendstrafe ohne Bewährung gegen die Angeklagten beantragt. Zum Ende der Beweisaufnahme hatte ein Psychiater einem der Heranwachsenden zwar eine tief greifende psychische Störung attestiert, ihn aber gleichzeitig als nicht gefährlich eingestuft.

Die drei Angeklagten im Alter von 21, 20 und 18 Jahren hatten im Frühjahr in Kulmbach und Umgebung mit einer ungewöhnlichen Straftatenserie für Aufsehen und Kopfschütteln gesorgt. Die Taten gipfelten nämlich in mehreren Brandstiftungen. Eine davon war finanziell folgenschwer, denn an einem Holzrückegerät, einem sogenannten Harvester, entstand am 31. März im Waldgebiet von Ködnitz etwas mehr als 200.000 Euro Schaden. An dem Fahrzeug hatte das Trio Lampen abmontiert, um diese Beute später gewinnbringend zu verkaufen. Den Harvester zündeten die Heranwachsenden an, um mögliche Spuren des Diebstahls zu vernichten.

Die letzte Brandstiftung der drei am Ostersonntag im Waldgebiet bei Unterdornlach am Denkmalgeschützen „Alten Wehrhaus“ hatte juristische Folgen. Weil das Gebäude zumindest als Wochenendhaus genutzt wird, warf die Anklage den drei jungen Männern ein Verbrechen einer schweren Brandstiftung vor.

Bei dieser Einschätzung blieb Staatsanwalt Klug auch in seinem Plädoyer. Überdies beantragte er, das Trio wegen einfacher Brandstiftung und Diebstahls schuldig zu sprechen. Klug zeichnete die Straftatenserie der Angeklagten nach: Die zwei Älteren hatten als Automatenaufbrecher begonnen, für ihre Beutezüge schweres Gerät verwendet, unter anderem eine Flex.

Aus dem Duo, das sich über Internetspiele kennengelernt hatte und das in der richtigen Welt etwas aufregendes erleben wollte, wurde ein Trio, das sich laut Klug trotz eines Besuch von Polizisten mit „hoher krimineller Energie“ immer weiter steigerte: Er habe den Verdacht, dass die Angeklagten bei den Taten einen „Adrenalinkick“ suchten.

Ein Angeklagter hat eine rätselhafte Persönlichkeit

Ein Hauptthema des Prozesses war die rätselhafte Persönlichkeit des ältesten Angeklagten, der vor Gericht mit dem Standardsatz „Keine Ahnung“ behauptete, er könne sich nicht erinnern. Als Fahrer des Trios galt er bis Dienstag als mutmaßlicher Anführer. Doch dieser Theorie erteilte ein Psychiater eine Absage: Der junge Mann sei im Gegenteil eher ängstlich, leicht zu beeinflussen und aufgrund einer psychischen Störung nur bedingt schuldfähig.

Staatsanwalt Klug beantragte für den 21-Jährigen eine Jugendstrafe von drei Jahren und zehn Monaten, für den 20-Jährigen vier Jahre und fünf Monate und für den 18-Jährigen zwei Jahre und neun Monate.

Die Verteidiger Werner Brandl und Ralph Pittroff beantragten für ihre Mandanten zwei Jahre und vier Monate und zwei Jahre und zehn Monate. Frank Stübinger als Anwalt des Jüngsten – er ist auf freiem Fuß und übt einen Beruf aus – beantragte eine Bewährungsstrafe. Sein Mandant sei der einzige, der gerade Schadenersatz zahle.

Das Urteil wird am kommenden Freitag verkündet.

 

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