Jobverlust befürchtet Bamberger Bosch-Betriebsrat schlägt Alarm

Im Bosch-Werk Bamberg. Foto: red

BAMBERG. Alarmstimmung im Bamberger Bosch-Werk, das mit aktuell über 7300 Beschäftigten Teile für Verbrennungsmotoren produziert: Jährlich gehen im Schnitt 250 Arbeitsplätze verloren, sagt Betriebsratschef Mario Gutmann. Am Dienstag sondierte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann die Lage vor Ort und diskutierte mit 350 Vertrauensleuten und Betriebsräten in der Bosch-Kantine über den weiteren Weg. 

Vor dieser internen Zusammenkunft äußerte Hofmann vor der Presse die Befürchtung, dass durch das Elektroauto in Deutschland in der Antriebstechnologie 150.000 Jobs verloren gehen.

Gutmann, der wie Hofmann im Bosch-Aufsichtsrat sitzt, geht noch weiter. Sein Szenario: Von den 800.000 Arbeitsplätzen bei Autoherstellern und Zulieferern sind „bis zu 50 Prozent massiv in Gefahr“. Am Beispiel Fertigungstiefe macht er deutlich: Wo bisher für den Diesel zehn Beschäftigte arbeiten, sind es beim Benziner noch drei, beim E-Auto nur noch einer. „90 Prozent der Arbeitsplätze sind weg.“

Die Veränderungen, die mit der Elektromobilität auf die Arbeitswelt zukommen, will die IG Metall intensiver hinterfragen und analysieren: Was bedeutet das für die Standorte? Hofmann: „Es wird einige Regionen geben, die massiv betroffen sind.“

Parallelen zum Kohle-Ausstieg

Der IG-Metall-Chef sieht beim Verbrenner-Aus Parallelen zum Kohle-Ausstieg. Die Unternehmen müssten nun Beschäftigung „nach vorne“ sichern. „Das gilt auch für Bamberg.“ Bosch müsse Langfristperspektiven geben. „Es kann nicht sein, dass sich Bosch aus der sozialen Verantwortung verabschiedet.“ 

Hofmann plädierte dafür, sich trotz Elektroauto die Technologieoffenheit zu bewahren. Brennstoffzelle und synthetische Kraftstoffe hätten schließlich auch noch Chancen im Mobilitätsmix. Bei den Batteriezellen hänge man bereits an der Leine aus Asien, die Preise würden deutlich steigen. Die Politik müsse Geld für regionale Strukturpolitik bereitstellen, die neue Industriearbeitsplätze entwickelt. Schließlich habe die Politik mit Blick auf den Klimaschutz das E-Auto bestellt. „Wer bestellt, der zahlt.“ 

Immerhin geht Bosch aber davon aus, dass im Jahr 2030 der Verbrenner-Anteil an den Neuzulassungen global noch bei 70 Prozent liegt. Gibt es dann nicht auch auf lange Sicht noch genug Arbeit in den Verbrenner-Werken? Ja, das schon, sagt Gutmann. Die Frage sei aber, wo? Von den 410.000 Beschäftigten des Konzerns würden 90.000 im Bereich Antriebsstrang arbeiten – an 60 Standorten in 25 Ländern. Der Kuchen würde kleiner, alle kämpfen und produziert wird, „wo es am billigsten ist“.

Es geht viel zu schnell

Das größte Problem aus Gutmanns Sicht ist, dass alles viel zu schnell geht. Das E-Auto solle „im Schweinsgalopp“ eingeführt werden, was doch völlig unnötig sei. Denn: „Man muss Zeit haben, sich auf Neues einzustellen.“

Wenn es mit dem Jobabbau per Fluktuation in Bamberg so weitergehe, habe das Werk in zehn Jahren weniger als 5000 Beschäftigte. „Ein Sterben auf Raten. Dann hat nicht nur Bamberg ein Problem, sondern die ganze Region.“ Gutmann kritisiert: „Wir sägen an dem Wohlstandsast, auf dem wir sitzen. Ohne Not.“

In Bamberg gehe quasi jedes Jahr ein mittelständischer Betrieb verloren. Über Ostern würde ein Großteil der Belegschaft rund zehn Tage lang nicht arbeiten. „Das hat’s so noch nie gegeben.“

Die deutsche Autoindustrie ist stark von China abhängig. Fast jedes dritte Auto geht ins Reich der Mitte. Und China stellt schnell und konsequent auf Batterieautos um. Das weiß auch Gutmann: „Die bestimmen den Markt.“ Beim Verbrenner hätte China nicht konkurrieren können, also habe man mit dem E-Auto eine neue Lage geschaffen. Wenn 70 Prozent des Stroms aus Kohlekraft kommen, sei das E-Auto aber nicht besonders ökologisch.

Der Bamberger IG-Metall-Chef Matthias Gebhardt kann sich vorstellen, dass saubere Verbrenner noch viel länger bleiben als manche vermuten. Das Fatale für ihn ist: Ökologie und Arbeit werden gegeneinander ausgespielt. Er kündigte für die Zukunft mehrere Aktionen an, um das Bewusstsein für die Bamberger Bosch-Problematik zu schärfen.

Und Bosch-Chef Volkmar Denner, wie sieht der das Ganze? „Die Flughöhe von Herrn Denner ist eine ganz andere“, sagt Gutmann. Konzernstrategie sei: Mehr Ingenieursdienstleistungen, weniger Industriearbeitsplätze. 

 

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