Jean Paul und Richard Wagner: In Ewigkeit vereint

Wagner hinter Glas: Ein Blick ins Andere Museum von Joachim Schultz.

Im Festspielhaus darf nicht fotografiert werden. Aber Patti Smith hat es doch getan. So ist es im ZEIT-Artikel vom Sommer 2005 zu lesen, den Dr. Joachim Schultz hinter Glas gerahmt und in Bayreuths jüngstem Museum an die Wand gehängt hat. „Das andere Museum" ist der Name des privaten Ausstellungsraums, zu dessen Eröffnung sich am vergangenen Sonntag etwa zwanzig Interessierte in der Friedrich-Puchta-Straße eingefunden haben, genau dort, wo Schultz seit 1986 sein Kleines Plakatmuseum betrieben hatte.

Gleich zwei Eingangstüren laden in das Gebäude im Hinterhof: Links bittet ein Schild die Wagnerianer herein, rechts die Jean Paulianer. Dass beide Türen dann in denselben zusammenhängenden Raum führen, macht erfahrbar, was der Titel dieser ersten Ausstellung verspricht: „Jean Paul und Richard Wagner – Endlich vereint!".Die Doppelausstellung eröffnet Joachim Schultz mit einer launigen Lesung. Seine Gäste klappen sich einen Stuhl auf und erfahren, was Wagner über Goethe geschrieben hat, und was Goethe über Jean Paul.

Letzterer entdeckte ein Jean-Paul-Buch in den Räumen der Herzogin Anna Amalia, im Anschluss an ein wenig reizvolles Essen: „Sauerkraut und dann Jean Paul, das hält kein Mensch aus". Schultz serviert stattdessen Sekt und Käsegebäck, dazu eine unglaubliche Menge an Exponaten: Postkarten, Bildbände, Schallplattencover, Fotomontagen aller Art. Dazwischen findet sich Kurioses, eine Werbeanzeige für Auslandskredite („Herr Morold zog zu Meere her, in Kornwall Zins zu haben"), Cosima im kleinen Schwarzen, eine Vorankündigung zum Film „Sean Paul". Mit Portrait-Foto und brennenden Kerzen wird ein altes Köfferchen zum „ersten transportablen Wagneraltar".

Auch Bücher gibt es. Man darf sie anfassen, in Ruhe durchblättern und teilweise sogar kaufen. Oder Joachim Schulz liest einfach selbst darin: „Insofern ist die Ausstellung auch für mich gemacht, wenn ich hier sitze und keiner kommt vorbei".

Das Kleine Plakatmuseum in seiner bisherigen Form gibt es nicht mehr: Die etwa 11.000 Plakate, die Schultz über Jahrzehnte gesammelt hat, hat er an das Bayreuther Kunstmuseum übergeben. Dort werden sie nun professionell archiviert und fachgerecht aufbewahrt. Verwalten und zeigen wird Joachim Schultz sie weiterhin, das nächste Mal im März in der Studiobühne, mit einer Ausstellung zum Thema: Jean Paul. Diesmal ohne Richard. Nicht vereint.

In den Wintermonaten ist das Andere Museum nur nach telefonischer Vereinbarung zu besichtigen (09246 - 273). Der nächste Tag der offenen Tür ist am 24. Februar (11- 16 h), beginnend mit einem Vortrag über „Richard Wagner und die Literaten" von Joachim Schultz.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading