Jazz: John Law, der Rebell im Becher-Saal

John Law und seine New Congregation im Becher-Saal: Jazz, für den es keine Schublade gibt. Foto: Udo Bartsch

Dass John Laws musikalische Entwicklung bei der Klassik begann, bleibt dem Publikum im Becher-Saal nicht verborgen. Bis zur Mitte der 1980er Jahre hatte sich der junge Klaviervirtuose der Strenge der durchkomponierten Musik gefügt. Doch dann war plötzlich Schluss.

Dass er sich ausgerechnet in Wien von der Klassik löste und dem Jazz zuwandte, mag vielleicht dem Freiheitsdrang einer reifenden Persönlichkeit geschuldet sein. In der Zeit jedenfalls verwandelte sich der Virtuose zum Rebellen. Und für den ist Offenheit zum musikalischen Grundprinzip geworden.

Geblieben sind seine Fähigkeiten am Klavier und die Neigung zur weitreichenden Komposition. Die Musik des Briten erinnert nicht nur an Keith Jarrett und Brad Mehldau. Sie löst auch Assoziationen zur Filmmusik aus. Da verschmelzen Jazz und Anteile aus Rock und Klassik. John Law geht seine eigenen Wege und schafft dabei Neues.

Tieftonige Klangteppiche

Gleich zu Beginn des Konzerts rollt er am Synthesizer tieftonige Klangteppiche aus. Auf Knopfdruck fließen ständig wiederkehrende Minimelodien aus den Boxen. Gleißende Melodiefetzen fliegen darüber, hektisch pulsiert der Kontrabass. Die Musiker reißen Wände ein und bauen Brücken auf: Zu einem wiederum auf Knopfdruck eingespielten Text von Samuel Beckett produziert die Congregation collagenhafte Klänge. Der grandiose Ashley John Long am Kontrabass, der ausdrucksstarke James Mainwairing an Saxophon und Gitarre sowie der flexible Lloyd Haines am Schlagzeug liebäugeln mit der experimentellen Musik. Sie entfernen sich gern von den althergebrachten Formen. Es entsteht eine einnehmende, jedoch schwer zugängliche Musik.

Atmosphärisch dunkel

Erst nach der Pause findet die Congregation zurück zu den Formen. Die Musik klingt einen Hauch gefälliger. Die Stücke bleiben atmosphärisch dunkel. Es gibt einen stärkeren rhythmischen Einschlag und ausschweifende Improvisationen füllen die Räume. Dann folgen konventionelle lateinamerikanische Rhythmen und am Ende gibt es sogar Versöhnliches: John Law spielt allein am Klavier eine ergreifend romantische Ballade. Er hat sich inzwischen Lichtjahre vom konventionellen Jazzklavier entfernt.

Mit viele Finessen

John Law ist ein begnadeter Rebell. In seinen Kompositionen stecken sehr viele Finessen. Vielleicht zu sind es ja zu viele. Der ständige Einsatz der seelenlosen elektronischen Sounds droht die überwältigende Leidenschaft seiner Begleiter zu überlagern. Dennoch: Mit seiner New Congregation macht der Rebell spannende Musik, für die es keine Schublade gibt. Darauf muss sich der Hörer einlassen können. Aber das fällt nicht jedem leicht.

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