Jazz im Becher-Saal Aki Takase hat immer noch Kraft für Neues

BAYREUTH. Sie machte früher in Berlin und auf den großen Jazzbühnen in aller Welt Furore. Am Wochenende trat die Japanerin Aki Takase in Bayreuth auf. Im Becher-Saal zeigte sie ihr maßstäbe setzendes Können.

Es ist schon lange her, dass die Freiheit im Jazz wichtiger war als die Form. Seine starken Jahre hat der Free Jazz aber längst hinter sich. Spielarten wie der Ethno-Jazz, Neo-Jazz und Re-Bop liefen ihm schon vor Jahrzehnten den Rang ab. Das Publikum tendiert inzwischen meistens zum ohrgängigen Mainstream oder lässt sich vom seichten Barjazz umschmeicheln. Doch es geht auch anders. Am Samstagabend trat die Japanerin Aki Takasi im Becher-Saal auf.

Europäische Tänze und orientalische Melodien, jagende Rhythmen, abrupte Brüche und Wendungen. Alles klingt etwas schief. Am Flügel rast Aki Takase mit den Fingern über die Tasten. Sie schlägt wuchtige Akkorde mit den Handballen und dem Ellenbogen. Dazu fließen Blues-, Opernstimmen und elektronische Klängen vom Plattenteller ein.

Takase ist eine Autorität. Sie muss nicht viel sagen. Sie gibt Handzeichen, wenn es ihr zu langsam oder zu leise ist. Und ihre guten Jungs, wie sie sie nennt, reagieren sofort. Daniel Erdmann am Saxofon, Johannes Fink am Bass, der Norweger Dag Magnus Narvesen am Schlagzeug- sie spuren punktgenau. Selbst dem  Diskjockey Vincent von Schlippenbach unterläuft kein Patzer während des turbulenten Spektakels.

Im vergangenen Jahr ist Aki Takase 70 Jahre alt geworden. Doch immer noch hat sie diese ungewöhnliche Ausstrahlung. Sie arbeitet sie sich an den Tasten auf. Und sie hat immer noch Kraft für Neues. Ungestüm hetzt sie von Ton zu Ton, hämmert Tontrauben in die Tasten.

Aki Takase nimmt sich die Freiheit. Sie am Flügel zu sehen, ist immer noch ein großes Erlebnis. Die Japanerin bleibt sich treu. Mit knallrotem Lippenstift und grünem Kleid setzt sie auch im Alter optische Akzente. Sie spielt hoch konzentriert, explosiv und schräg. Am Flügel kreiert sie eine vielschichtige Mischung aus Jazz und europäischen Klängen mit weltmusikalischen Einschüben. Soviel Offenheit ist selten. Takase verlangt ihren Hörern alles ab. Mit ihrem unbändigen Temperament wechselt sie ungestüm zwischen Form und Freiheit. Auch wenn die schädelsprengenden Kapriolen sind nicht jedermanns Sache sind: dieses Konzert wird lange nachhallen.

Nächstes Konzert mit dem Nils Wülker Quintett am Freitag, 5. April, 20.30 Uhr, im Becher-Saal.

 

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