Informationsflut Warum Zuhören so entscheidend ist

Symbolfoto: dpa

BAYREUTH. „Kauf mich“ lautet der Lockruf. Unternehmen preisen auf sämtlichen Kanälen ihre Produkte beziehungsweise Dienstleistungen an. 14.000 Werbebotschaften prasseln jeden Tag auf einen Menschen ein, wie Wissenschaftler herausgefunden haben. Auf Facebook & Co. verbreitet mancher Zeitgenosse jede Belanglosigkeit, jede Peinlichkeit aus seinem Privatleben. Nur - wer schenkt eigentlich den ganzen Informationen noch echte Aufmerksamkeit?

Viel zu wenige, findet Jon Christoph Berndt. „Alle senden, aber keiner will mehr Empfänger sein“, sagte er bei den Schmidt-Collegtagen in Bayreuth vor etwa 250 Unternehmern und Führungskräften.

Er forderte eine Rückbesinnung auf alte Tugenden. Besonders auf solche, die zu den elementaren Bestandteilen von Kommunikation zählen. Eine davon sei das Zuhören. „Das ist die Grundlage für alles.“ Berndt behauptete: Es sei für Unternehmen überlebenswichtig, Aufmerksamkeit zu schenken, sowohl seinen Mitarbeitern als auch seinen Kunden. Denn damit könne man punkten.

Wer hingegen die Botschaften von anderen ignoriere, dem werde bald selbst keine Zuwendung mehr geschenkt. 

Die härteste Wähnrung der Welt

Beachtung widmen – das ist für den Referenten, der etliche Bücher geschrieben hat und ebenfalls mittelständische Unternehmen berät, die „härteste Währung der Welt“. Dazu gehöre es vor allem, den anderen wertzuschätzen, ihm auf Augenhöhe zu begegnen.

Dafür müsse man sich Zeit nehmen und den offenen Dialog suchen. „Dann entsteht eine Beziehung, dann entsteht Empathie“, unterstrich Berndt. Das sei im Privatleben und nicht zuletzt in der Wirtschaftswelt wichtig.

Eine starke Beziehung zum Kunden lasse sich nicht durch ständige Werbetrommelei in sozialen Medien erreichen. Der 49-Jährige plädierte dafür, häufiger das „langsame Denken“ zu aktivieren. Den Begriff hat der Wirtschafts-Nobelpreisträger Daniel Kahneman geprägt.

Die zwei Kategorien der Psyche

Der israelisch-amerikanische Wissenschaftler hat in der menschlichen Psyche zwei Kategorien ausgemacht: das schnelle, instinktive und emotionale System eins, das quasi automatisch funktioniert. Und das langsame, durchdringende und hinterfragende System zwei. Dieses tiefere Denken bedeutet aus Sicht von Berndt, „dass ich Herr meiner Handlungen bin“. 

Als „Königsdisziplin“ bezeichnete der Redner die Fähigkeit, etwas zu unterlassen: ständig zu werten. Oft seien unsere Urteile über andere Menschen viel zu schnell und deshalb lägen wir häufig daneben. Zum „langsamen Denken“ gehört es ihm zufolge auch, sich die Sinnfrage zu stellen - sowohl als Privatperson als auch als Unternehmen. „Überlegen Sie, wofür Sie stehen wollen. Was ist Ihr Beitrag für die Gesellschaft?“

Der auf Online-Handel spezialisierte Würzburger Professor Mario Fischer beklagte eine schlechte Kommunikation von Unternehmen mit Kunden. Zum einen seien viele Internetseiten bestenfalls halbprofessionell entwickelt. Zum anderen seien sie auch inhaltlich schlecht gepflegt.

Näher am Kunden sein

Auf ihren Homepages informieren viele Firmen lieber über sich und ihre „tollen Geschäftsberichte“, statt auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen, bemängelte Fischer.

Der Buchautor gilt als einer der Top-Experten in der E-Commerce-Forschung. „Wir, wir, wir“ - laute die Botschaft. Dabei müsse man die Senderperspektive verlassen. Es gehe darum, auf Suchmaschinen ausgerichtet und damit näher am Kunden zu sein. 

 

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